Wo früher Hüte und Taschen verkauft wurden, wird nun getestet: Den Ort für die Corona Schnelltest-Station im Modehaus Echter Murnau stellen (v.l.) Guntram Gattner, Erster Vorsitzender des Vereins zur Wirtschaftsförderung, Rathauschef Rolf Beuting, Echter-Prokurist Andreas Weber und BRK-Kreisgeschäftsführer Klemens Reindl vor.
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Wo früher Hüte und Taschen verkauft wurden, wird nun getestet: Den Ort für die Corona Schnelltest-Station im Modehaus Echter Murnau stellen (v.l.) Guntram Gattner, Erster Vorsitzender des Vereins zur Wirtschaftsförderung, Rathauschef Rolf Beuting, Echter-Prokurist Andreas Weber und BRK-Kreisgeschäftsführer Klemens Reindl vor.

Positive Fälle werden dem Gesundheitsamt gemeldet

„Eigentlich Aufgabe des Staates“: Einzelhandel forciert Corona-Schnelltests - Wieder eine Station mehr

Testen ist in Zeiten steigender Inzidenzen die Devise. So wachsen im Landkreis immer mehr Zentren aus dem Boden. Dabei werden der Einzelhandel und das Bayerische Rote Kreuz aktiv. Im Murnauer Modehaus Echter eröffnete am Donnerstag eine Schnellteststation.

Landkreis – Die Entscheidung ging ohne großes Zaudern über die Bühne: Innerhalb von wenigen Tagen wurde beschlossen, im Murnauer Modehaus Echter eine Corona-Schnellteststation zu errichten. Diese öffnete am Donnerstag ihre Türen. Montags, mittwochs und freitags von 10 bis 14 Uhr bieten Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) kostenlose Analysen an. Bei Bedarf werden die Zeiten ausgeweitet. Bis zu 1000 Personen können pro Tag getestet werden. Ab nächster Woche sollen Anmeldung und Ergebnis auf digitalem Weg erfolgen. Die dazugehörige Online-Plattform ist noch nicht fertig, kann aber später über die Webseite coronagap.de aufgerufen werden. Bis dahin kann man kurzfristig vorbeikommen. Positive Fälle werden umgehend an das Gesundheitsamt weitergeleitet. Betroffene machen einen PCR-Test zur Bestätigung und begeben sich anschließend in Quarantäne. Bei negativem Befund erhält man ein Tagesticket. Damit können beispielsweise Altersheime besucht oder Terminshopping-Angebote („Click & Meet“) wahrgenommen werden. Für Letztere ist ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 bis 200 ein negativer Test erforderlich. Dies gilt ab Montag, 12. April, und wurde in einer Kabinettssitzung verkündet.

Und dafür wappnen sich die Organisatoren der Murnauer Teststation. Wie spontan das Ganze ist, zeigte sich beim Pressetermin am Mittwoch: Da war von dem zukünftigen Testzentrum noch gar nichts zu erkennen. Angestellte hatten alle Hände voll zu tun, Handtaschen, Schals und andere Accessoires beiseite zu räumen. Mittendrin standen die Beteiligten und berichteten über ihre Pläne. Alle waren sich einig: Wenn die Politik in Sachen Impfung und Lockdown so langsam und unübersichtlich handelt, muss man selbst aktiv werden.

Wir müssen uns selbst auf die Hinterbeine stellen. Seitens der Ämter können wir lange warten.

Michaela Nelhiebel

„Ich hoffe, die verantwortlichen Stellen von Freistaat und Bund sehen das als Signal, anders mit der Pandemie umzugehen“, sagte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) bezüglich der Eröffnung. Das ist nun die zweite Teststelle in Murnau. Eine gibt es bereits am Kundenparkplatz der Drachenapotheke an der Johannisstraße. Diese ist laut Beuting „komplett ausgebucht“. Darum hat der Rathaus-Chef das neue Zentrum über das BRK angeregt. Dessen Kreisgeschäftsführer Klemens Reindl zeigt sich bereit, das Angebot mit Hilfe seiner ehrenamtlichen Kräfte weiter auszubauen. „Wir stehen auch anderen Orten zur Verfügung, um den Bedarf zu decken und Lücken zu schließen.“ Das Ziel: sich der Normalität ein Stück weit anzunähern. Denn großflächige Schließungen wie bisher sind in den Augen der Anwesenden keine Lösung. Das betonte auch der Erste Vorsitzendes des Vereins zur Wirtschaftsförderung, Guntram Gattner. Ihm zufolge sollten umfangreiche Testungen dazu beitragen, dass alle Geschäfte wieder öffnen können.

Keine Perspektiven

Das wünscht sich auch Michaela Nelhiebel, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Garmischer Zentrum. Sie etablierte am Gründonnerstag ein Testzentrum am örtlichen Richard-Strauss-Platz. „Wir müssen uns selbst auf die Hinterbeine stellen. Seitens der Ämter können wir lange warten“, erklärt sie.

Das Landratsamt sieht sich hier nicht in der Verantwortung: „Alle grundlegenden, strategischen Entscheidungen in Sachen Testung, Testungsmöglichkeiten, Finanzierung und Abrechnungsmodalitäten werden nicht auf unserer Ebene getroffen“, teilt Sprecher Wolfgang Rotzsche auf Tagblatt-Nachfrage mit. Und solange seitens der Regierung nichts vorangeht, werden die Einzelhändler eben selbst aktiv.

Christian Echter, Inhaber des gleichnamigen Modehauses in Murnau, stellt seine Räumlichkeiten bereitwillig zum Testen zur Verfügung. Dennoch hat das für den Unternehmer einen bitteren Beigeschmack: „Eigentlich wäre das die Aufgabe des Staates“, betont er. Echter hofft, dass es in der Geschäftswelt zu Lockerungen kommt. Doch das ist vorerst Wunschdenken: Am Mittwoch verkündete die Bayerische Staatsregierung, dass weitere Öffnungsschritte, die ab 12. April für Außengastronomie, Kultur und Sport geplant waren, bis 26. April ausgesetzt sind. Von dieser Art der Politik fühlt sich Nelhiebel im Stich gelassen: „Es gibt keine verlässlichen Entscheidungen und damit auch keine Perspektive.“

Constanze Wilz

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