Ein Screenshot zeigt einen Bericht auf Facebook des Satire-Magazins Postillon.
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Satire pur: Auch der Postillon griff den Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen auf und brachte auf Facebook diese Nonsens-Meldung.

Aufmerksamkeit, die keiner will

Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen: Ganz Deutschland berichtet – Satire-Beitrag im Postillon

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Die Aufmerksamkeit für Garmisch-Partenkirchen in den vergangenen Tagen war enorm. Der Grund: Corona. Landesweit haben die Medien über den Fall berichtet. Sogar in den Postillon hat er es geschafft.

  • Der Coronavirus-Ausbruch vergangenes Wochenende in Garmisch-Partenkirchen schaffte es international in die Schlagzeilen.
  • Ein Überblick über den Medienrummel zur trotz Corona-Infektion feiernden US-Amerikanerin.
  • Selbst der Postillon berichtete über den Fall.

Garmisch-Partenkirchen – Google hilft immer gern. Seit 2008 noch besser – nach eigener Darstellung. Damals hat der Suchmaschinendienst die sogenannte Autovervollständigung eingeführt. Man tippt ein paar Buchstaben – schwupps: Google liefert Vorschläge, was man denn meinen könnte. Und was die meisten anderen Nutzer suchen, die diese Buchstaben oder Begriffe in die Leiste hacken. Denn darauf basieren offenbar die automatischen Ergänzungen.

Für das Stichwort „Garmisch-Partenkirchen“ fallen die Vorschläge derzeit wenig schmeichelhaft aus. Nichts, was man als Tourismusregion gerne liest. Man kommt beim Tippen gerade einmal bis „Gar“ – schon bietet der Google-Helfer „Garmisch corona“ als Such-Idee. Wählt man die Stichwörter aus, erkennt man den Grund dafür: Deutschlandweit berichten Medien – Print, TV- und Radiosender – über den Fall der US-Amerikanerin, die trotz Symptomen und vorsorglicher Quarantäne durch Bars in Garmisch-Partenkirchen zog. Die Folge: zahlreiche Infizierte, hunderte Tests, Einschränkungen für den Ort, insbesondere für die Gastronomie. Bayerns oberste Politiker schalteten sich ein, Innenminister Joachim Herrmann und Ministerpräsident Markus Söder verurteilten das Verhalten der Frau scharf. Ein Fall, der interessiert. Den Medien ganz offensichtlich gerne aufgreifen.

Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen: Die „Superspreaderin“ schafft es deutschlandweit in die Titel

Die Online-Plattformen der Nachrichtenmagazine Spiegel – mit 22,2 Millionen Unique Usern im Juli – und Focus – mit 27,9 Millionen Unique Usern – berichten ebenso wie die Online-Portale der Tageszeitungen Zeit, Welt, des Berliner Tagesspiegel, der Süddeutschen Zeitung des Boulevardblatts Bild oder der Plattform t-online – mit 29 Millionen Unique Usern im Juli – und vielen mehr.

Die Schlagzeilen lauten überall ähnlich, verändern sich über die Tage. Denn das Medieninteresse hält unvermindert an. Die „Superspreaderin“, die „trotz Symptomen“ in Garmisch-Partenkirchen in Bars feierte, schaffte es in fast alle Überschriften. Auch der Bayerische Rundfunk berichtete und berichtet natürlich ausführlich. Sogar das britische Boulevard-Blatt Daily Mirror berichtete ausführlich.

Unter anderem greifen Medien auch lokale Aspekte auf. Die Stuttgarter Zeitung etwa fragt: „Hat Superspreaderin drei junge Männer aus der Region Stuttgart angesteckt?“ Offenbar hatten sie in derselben Bar gefeiert wie die 26-Jährige.

Fernsehsender wie RTL, SAT1 oder n-tv rückten ebenfalls in der Marktgemeinde an, baten Landrat Anton Speer und Sprecher Stephan Scharf zu Interviews, bauten am Dienstag ihre Kameras für die Pressekonferenz auf. Sogar in die Tagesschau und in das Morgenmagazin von ARD und ZDF hat es der Corona-Fall aus Garmisch-Partenkirchen geschafft. Selbst in den Postillon.

Postillon: „Superspreaderin von Garmisch-Partenkirchen lädt zu riesiger Entschuldigungs-Party ein“

Das Online-Satiremagazin sorgt mit seinem Bericht „Superspreaderin von Garmisch-Partenkirchen lädt zu riesiger Entschuldigungs-Party ein“ für Lacher in den sozialen Netzwerken – sofern den Menschen zum Lachen zumute ist. Für ihre Feier, so schreibt der Postillon am Montag, will die 26-Jährige einiges springen lassen. Kistenweise Bier, den besten Sekt habe sie besorgt. Zudem mietete sie die größte Location im Ort an, mindestens 1000 Leute passen rein. „Wenn sich alle bisschen drängen auch 2000“, wird die US-Amerikanerin zitiert. Denn bei all dem Chaos, das sie da im Ort verursacht habe, sei es „das Mindeste, wenn ich den Leu… Leu… HATSCHI! Entschuldigung, da hätte ich lieber mal in die Ellbogenbeuge, aber naja... Also ich will den Leuten eben etwas Gutes tun, damit sie nicht mehr sauer auf mich sind.“ Allein auf Facebook sammelte der Satire-Beitrag bis Mittwochvormittag 14 350 Likes, 1215 Kommentare und wurde 1257 Mal geteilt.

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