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Hält die Lockerungen für vertretbar: Dr. Karin Kübler, Amtsärztin im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Gesundheitsamt hält Strukturen aufrecht

Corona: Keine Neuinfizierten seit Mitte Mai - doch es gibt ein Aber

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Die Situation entspannt sich. Seit 17. Mai wurde kein neuer Corona-Infizierter mehr registriert. Für das Gesundheitsamt ist die Beurteilung der Lage dennoch weiter schwierig. 

Landkreis – Eine Erkenntnis hat Dr. Karin Kübler in den vergangenen zwölf Wochen der Corona-Krise gewonnen: „Man weiß, dass man vieles eben nicht weiß.“ Das sagt die Amtsärztin im Landkreis ohne Umschweife. Vor allem eine Frage kann keiner aus dem Gesundheitsamt, dem sie vorsteht, beantworten: Wie es weitergeht mit dem Virus?

Die Statistik der vergangenen Tage nennt Kübler „toll“. Der letzte registrierte Neuinfizierte in der Region ist datiert auf 17. Mai. „Die Situation hat sich beruhigt“, fügt Hansjörg Wiesböck, der organisatorisch Einsatzleiter, hinzu. Nur eines merken beide sehr deutlich an: „Wir können nicht sagen, dass wir die Situation im Griff hätten“, betont Kübler mit ernster Miene. Von einer Stunde auf die andere könnte ein positives Testergebnis hereinschneien. Denn es gibt aktuell Verdachtsfälle, es wird schließlich weiterhin „engmaschig beobachtet und niederschwellig getestet“. Vor allem die Hausärzte streichen offenbar noch viele Menschen ab, die sich mit Symptomen bei den Medizinern melden.

„Corona wird sich nicht in Luft auflösen“

Eine sichere Beurteilung der Lage gestaltet sich nach wie vor schwierig. „Das ist sehr komplex, weil wir die Entwicklung ja nicht im Vorfeld absehen können. Und wir gehören nicht zu den Gelehrten, deren Glaskugel auskunftsfreudiger ist als die anderer“, sagt Wiesböck und lacht. Wenn die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten werden, könne es in Gruppen sehr schnell zu Neuinfektionen kommen. Da verhält sich die Situation im Landkreis nicht anders als im Rest Bayerns. „Es ist ruhig, aber einzelne Hotspots können jederzeit auftreten.“

Kübler hat dazu eine klare Meinung: „Corona wird sich nicht in Luft auflösen“, betont die Medizinerin. „Wir werden lernen müssen, damit zu leben.“ Vergleichbar mit der Influenza-Infektion. Dennoch will sie nicht schwarzmalen. Die Reproduktionszahl R ist zwar zuletzt deutschlandweit wieder gestiegen, lag in der vergangenen Woche mit 0,6 aber sogar so niedrig wie nie in der Pandemie. „Daher ist eine Rückführung zum normalen Leben möglich“, betont Kübler. Die Lockerungen hält sie allesamt für vertretbar.

Keine Angst vor dem Tourismus

Auch die touristischen Regelungen. Seit Pfingstsamstag dürfen Hotels und Campingplätze wieder öffnen, private Vermieter Urlauber in ihren Wohnungen beherbergen. „Ich lasse mich überraschen“, sagt Kübler. Ihr ist bewusst, dass viele Menschen nun Szenarien kreieren, dass das Virus von außen in die Region eingeschleppt wird. Dennoch brauche niemand in Angst zu leben. „Schließlich liegt es doch an jedem einzelnen, wie er sich verhält. Wenn wir uns sagen, Corona ist vorbei und alles so machen wie vorher, dann wird es wieder mehr Neuinfektion geben“, betont Wiesböck. Ihm ist vor der touristischen Öffnung nicht bange. „Es gibt doch Regeln, klar definierte Vorschriften, die auf wissenschaftlichen Untersuchungen basieren.“ Wer sich daran halte, könne das Risiko minimieren. „Und ein Großteil der Wertschöpfung hier vor Ort geschieht eben durch den Tourismus.“

Kübler verspricht bei allen Lockerungen, dass ihr Amt die Entwicklungen genauestens verfolgen wird. „Da muss sich keiner Sorgen machen.“ Die Behörde hält die Strukturen solange aufrecht, wie es nötig ist. Wie ein idealer weiterer Verlauf der Pandemie für die Amtsärztin aussieht, verrät sie auch: „So wenige Infektionen wie möglich.“ Ganz pragmatisch. Die Voraussetzungen dafür sieht sie in der Region gegeben: „Wir sind ein Flächenlandkreis, keine Großstadt, in der die Menschen eng aufeinander sitzen. Ich bin optimistisch, dass alles gut funktioniert.“

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