+
Ausflug in den Garten: (v. r.) die Betreuerinnen Claudia Beyer und Maria de Lourdes Segura Martinez mit Bewohnern des Lenzheims. 

Nur Ärzte, Therapeuten und Angestellte dürfen rein

Kein Besuch für die Bewohner: Seniorenheim in Garmisch-Partenkirchen hält strenge Regeln ein - steht aber vor Herausforderungen

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
    schließen

Gut 120 Senioren leben im Lenzheim in Garmisch-Partenkirchen. Und wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Regeln im Ausnahmezustand. Die Bewohner müssen auf Besuch verzichten.

Garmisch-Partenkirchen – Mit Mütze und dicker Jacke drehen zwei Senioren eine Runde im Park. Vorbei am Vogelkäfig, den Klangspielen und den bunten Ostereiern, die an der Hecke hängen. Eisiger Wind pfeift durch die Bäume. Ein paar Meter weiter sitzt ein Mann auf seinem Terrassenstuhl, streckt sein Gesicht den Sonnenstrahlen entgegen und zieht genüsslich an seiner Zigarette. Im Lenzheim in Garmisch-Partenkirchen dreht sich die Welt weiter. Alles ist wie immer – und doch so ganz anders als sonst.

Die gut 120 Bewohner müssen unter sich bleiben. Keine Tochter, kein Sohn, kein Enkel, kein Freund darf ins Gebäude. Es herrscht Kontaktsperre. Wegen der Corona-Pandemie ist die Einrichtung der Rummelsberger Diakonie wie anderen Seniorenheime für Besucher geschlossen. An der Eingangstüre hängt ein Zettel mit einer roten Hand darauf. Das Stoppschild des Lenzheims.

Das Verbot trat bereits eine Woche vor der Ausgangsbeschränkung in Bayern in Kraft. „Wir fahren das schärfer“, sagt Rahel Schön. Zum Schutz der Menschen, die zur Risikogruppe zählen. Nur Ärzte oder Therapeuten dürfen rein. Oder Angehörige der Bewohner, die sich in der Sterbephase befinden. Und natürlich die Leiterin und ihr Team selbst. Geht ja nicht anders. „Wir waschen uns oft die Hände“, macht die 25-Jährige im Gespräch mit dem Tagblatt deutlich. Das findet im Garten statt, mit Sicherheitsabstand.

Vom selbstständigen Einkauf wird abgeraten

Die meisten Familienmitglieder zeigen Verständnis für die Restriktionen. Wie auch die Senioren. „Sie sind alle relativ einsichtig“, sagt Schön. Die Anlage verlassen können die Bewohner, um Einkäufe zu erledigen. „Das dürfen wir nicht verbieten“, sagt Maik Haas von der Pflegedienstleitung. „Das wäre Freiheitsberaubung.“ Die Angestellten raten davon ab. Am Ausgang müssen die Senioren einen Knopf drücken, damit sich die Tür öffnet. „Wir fragen sie dann noch einmal, ob sie wirklich raus müssen“, erzählt Schön. Als Alternative bietet das Lenzheim einen Lieferservice an. Ehrenamtliche übernehmen die Besorgungen.

Schön leitet erst seit Anfang des Jahres die Einrichtung und wird gleich mit einer nie dagewesenen Herausforderung konfrontiert. Desinfektionsmittel gibt’s noch im Haus, sie gehen aber langsam zur Neige. Die 25-Jährige steht in ständigem Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Allein den Dienstplan zu erstellen, gestaltete sich anfangs als Herkulesaufgabe. Wegen der Beschäftigten mit Kindern. „Wir haben Schichten getauscht“, schildert die Leiterin, „und geschafft, dass alle kommen.“ Dass Angestellten in den so genannten systemrelevanten Berufen nun Kinderbetreuung zusteht, vereinfacht das Ganze.

Das könnte Sie auch interessieren: Coronavirus: Das Gesundheitsamt Garmisch-Partenkirchen informiert über die aktuelle Lage

Bei Corona-Verdacht: Betroffene wird im Zimmer isoliert

Auf das übliche Programm müssen die Senioren derzeit verzichten. „Wir haben die Angebote runtergefahren“, sagt Haas. Die Gruppenbetreuung ist gestrichen, existiert nur noch im kleinen Kreis. Die Assistenten, erklärt Schön, gehen mit zwei, drei Leuten an die frische Luft. In den parkähnlichen Garten, auf virusfreies Terrain.

Dass sich nicht doch einmal einer der Bewohner mit Covid-19 infiziert, kann Schön nicht komplett ausschließen. Das Prozedere läuft dann ähnlich wie bei der Influenza ab: Der Betroffene muss zunächst isoliert werden. „Die Versorgung und das alltägliche Leben wie die Nahrungsaufnahme finden nur noch im Zimmer statt“, erklärt sie. Das Personal benötigt dafür eine entsprechende Schutzausrüstung, bei der aber ein „ganz akuter Versorgungsengpass“ besteht. In Verdachtsfällen greifen vorsichtshalber die gleichen Abläufe, bis ein Testergebnis vorliegt.

So viel Normalität wie möglich bieten

Das Lenzheim abzuriegeln, kommt erst bei einem Worst-Case-Szenario in Frage. Im Extremfall. Wenn zum Beispiel mehr als 80 Prozent der Bewohner und des Personals erkranken. „Komplett dicht zu machen, ist aber nur in Absprache mit dem Gesundheits- und dem Landratsamt möglich“, stellt Schön klar.

Was da draußen in der Welt derzeit passiert, warum so viel Vorsicht geboten ist – die Senioren begreifen’s. Sie verfolgen die Nachrichten. Die Generation, die den Zweiten Weltkrieg miterlebte, sagt gerne mal: „Die Zeit damals war schlimmer.“ Anderen sei die Verunsicherung anzumerken. Schön und ihrem Team liegt deshalb vor allem eines am Herzen: „Wir wollen weiterhin so viel Normalität wie möglich bieten.“

Mehr zum Thema: 

Corona-Ausbreitung in Würzburger Seniorenheim: Leitung schlägt Alarm - elfter Todesfall bestätigt

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zehn neue Glocken für drei Kirchen: Jetzt sind sie in Garmisch-Partenkirchen eingetroffen
Willkommen in der Heimat: Über 50 Menschen nehmen am Rathausplatz den Transporter mit den zehn neuen Partenkirchner Glocken in Empfang. Zum ersten Mal sind die …
Zehn neue Glocken für drei Kirchen: Jetzt sind sie in Garmisch-Partenkirchen eingetroffen
Neuer Hochbehälter in Grainau: Drei Millionen fließen in Wasserversorgung
Grainaus Großprojekt, der Bau eines neuen Hochbehälters, befindet sich allmählich auf der Zielgeraden. Nächstes Jahr soll das rund drei Millionen Euro teure Bauwerk für …
Neuer Hochbehälter in Grainau: Drei Millionen fließen in Wasserversorgung
Tragischer Bergunfall: Wanderinnen finden Toten am Fuß einer 120 Meter hohen Felswand
Ein tragischer Bergunfall hat sich im Gemeindebereich von Oberammergau ereignet. Zwei Wanderinnen fanden einen leblosen Mann am Fuß einer 120 Meter hohen Felswand.
Tragischer Bergunfall: Wanderinnen finden Toten am Fuß einer 120 Meter hohen Felswand
Kein Schalter-Service mehr in Uffing, Weindorf, Schlehdorf: Sparkasse fährt Präsenz vor Ort massiv zurück
Die Sparkasse Oberland fährt ihre Präsenz in der Fläche massiv zurück. In der Region sind die Filialen Uffing, Murnau-Weindorf und Schlehdorf von den Einschnitten …
Kein Schalter-Service mehr in Uffing, Weindorf, Schlehdorf: Sparkasse fährt Präsenz vor Ort massiv zurück

Kommentare