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Inzidenz-Rekorde in bayerischer Urlaubsregion: Gastronomen verzweifelt - „Situation kurz vorm Eskalieren“

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Von: Andreas Seiler

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Die sich laufend ändernden Corona-Regeln überfordern die Gastronomie in Garmisch-Partenkirchen. © Jan Woitas/dpa

So schnell ändern sich während Corona die Vorzeichen: Erst blickte Garmisch-Partenkirchens Tourismus noch zuversichtlich auf die Wintersaison. Doch Inzidenzen und Unsicherheiten lösten jetzt eine Stornierungswelle aus.

Garmisch-Partenkirchen – Nach langen Debatten war den Garmisch-Partenkirchner Gemeinderäten am Donnerstag gar nicht zumute. Die Rathaus-Verwaltung hatte die Tagesordnung des öffentlichen Teils kurzfristig zusammengekürzt, um die Sitzung nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Der Grund für den Schnelldurchlauf: die Corona-Krise, die hier im Hotspot-Landkreis droht, außer Kontrolle zu geraten. „Es ist eine fatale Situation“, sagte Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU), bevor sie im Festsaal Werdenfels den Inzidenz-Höchststand von 548,3 (tags darauf waren es 566,4) bekanntgab – ein Wert, bei dem alle Alarmsignale schrillen.

Corona in Garmisch-Partenkirchen: Wut und Verunsicherung in Gastronomie

Doch trotz des komprimierten Programms fand Freie-Wähler-Sprecher und Hotelmanager Daniel Schimmer die Zeit für eine Brandrede, die die Wut und Verunsicherung im Gastgewerbe zum Ausdruck brachte. „Diese Planungslosigkeit ist nicht mehr zu ertragen und verursacht ein absolutes Chaos“, schimpfte der Ortsobmann des Bayerische Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) über das Krisenmanagement der großen Politik.

Daniel Schimmer hielt im Gemeinderat eine Brandrede.
Daniel Schimmer hielt im Gemeinderat eine Brandrede. © Sehr (OH)

2G (plus), 3G (plus), Ampel gelb, Ampel rot – laufend änderten sich die Hygienevorschriften, mit denen die Regierung versucht, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Da verliere man in den Betrieben schnell den Überblick. „Es ist weder Zeit, in der Kürze der Bekanntgaben die Regeln zu verstehen, sie den Gästen zu kommunizieren oder die Mitarbeiter zu schulen“, kritisierte Schimmer – und warnte: „Die aktuelle Situation ist kurz vorm Eskalieren. Täglich erreichen mich unzählige Anrufe von Kollegen meiner Branche, die mit der aktuellen Situation überfordert sind.“

Corona-Regeln sorgen für Chaos: 2G, 2G-plus oder 3G? Gastronomie „überfordert“

Hinzu kommt: Die anfangs gute Buchungslage für die wichtige Wintersaison bröckelt. Laut Schimmer werden reihenweise Veranstaltungen gestrichen, ob Weihnachtsfeiern oder Firmen-Treffen. „Die Stornierungswelle ist am Anlaufen“, berichtet der Chef des Garmischer Hofs auf Nachfrage. „Die Leute sind verunsichert“, erklärt er sich diesen Negativ-Trend.

Video: 2G in der Gastro

Und der Unternehmer befürchtet, dass dies noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist. „Wenn sich die Situation nicht bald ändert, dann haben wir leere Restaurants und Hotels, Mitarbeiter ohne Kurzarbeit und keinerlei staatliche Hilfen. Schlimmer als im Lockdown“, prophezeit Schimmer, der obendrein die gesellschaftliche Spaltung im Zuge der Pandemie beklagt. Seine Forderung an die Bundes- und Landespolitik: „Wir brauchen Planbarkeit und saubere Regeln.“

Corona in Garmisch-Partenkirchen: Wut in Gastronomie - „Schlimmer als im Lockdown“

Keine Frage: Es rumort in der Branche, der in Garmisch-Partenkirchen eine zentrale Rolle zukommt. Der Tourismusort zählt etwa 1000 Gastgeber, darunter rund 40 Hotels. Schimmer ist mit seinen Erfahrungen und Ansichten nicht allein. Die Absagen bekommt etwa auch Volker Neuroth, Chef des Berggasthofs Pflegersee, mit voller Wucht zu spüren. Rund 40 Prozent der Weihnachtsreservierungen seien schon weggebrochen, berichtet er.

Dabei seien diese Feierlichkeiten ein wichtiges Standbein. „Uns wäre mit einer klaren Ansage der Regierung geholfen“, sagt der Gastronom. Zusätzlich werde es immer schwieriger, Personal zu finden. Denn viele Fachkräfte hätten nach den Lockdowns den Beruf gewechselt. Er habe den Sommer mit vielen Aushilfen bestritten.

Dramatische Töne schlägt auch Jutta Gries, Betreiberin des Rheinischen Hofs, an. „Das ist eine Katastrophe“, sagt die Dehoga-Bezirksvorsitzende zur jetzigen Situation. Im Notfall müsse der Staat wieder Finanzspritzen verteilen. Dabei funktionierten die Hygienekonzepte in den Betrieben sehr gut. Gries findet: Die aktuelle 3G-plus-Regel (geimpft, genesen oder mittels PCR getestet) reicht aus. Das verschärfte 2G-Modell (geimpft oder genesen), das geplant ist, würde ihrer Meinung nach die Freiheitsrechte zu sehr einengen. Schließlich sei Deutschland „keine Art Polizeistaat“.

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