Murnaus Einzelhändler setzen ihre eigenen Corona-Lockerungen um.
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Murnaus Einzelhändler setzen ihre eigenen Corona-Lockerungen um.

Verzicht auf Testpflicht

Inzidenz-Streit: Einzelhändler setzen eigenmächtig Lockerungen um - doch dann schreitet die Polizei ein

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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In Murnau haben einige Einzelhändler eigenmächtig die Corona-Regeln außer Kraft gesetzt. Grund war ein Ministerialblatt mit einer Fehlinformation.

Landkreis – Die gute Nachricht vorweg: Die aktuelle Schlüsselfrage der Corona-Politik im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist geklärt: Die Lockerungen für eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 gelten ab Mittwoch, 28. April. Eine wesentliche Änderung: Beim Einkaufen muss kein Negativ-Test mehr vorgelegt werden – eine Erleichterung, von der sich Ladenbetreiber ein ungezwungeneres Einkaufserlebnis und höhere Umsätze in der Pandemie-Flaute erhoffen.

Corona in Murnau: Schwellenwert von 100 wird unterschritten

Zur Erinnerung: Am Montag, 26. April, war noch nicht klar, wie genau der Starttermin ermittelt wird. Die Vorgabe des Gesetzgebers klingt zwar einfach, lässt aber reichlich Raum für Interpretationen zu: Die Auflagen des Infektionsschutzes werden etwas zurückgenommen, wenn mindestens fünf Tage hintereinander der besagte Schwellenwert von 100 unterschritten wurde. Nach einem Karenztag greifen die neuen Vorschriften.

Doch welche Zählweise kommt zum Zuge? Nach Angaben des Landratsamtes sprach schließlich das Bayerische Gesundheitsministerium ein Machtwort. Gerechnet wird demnach ab dem ersten Tag unter 100 – also ab Donnerstag, 22. April. „Wir öffnen am frühestmöglichen Zeitpunkt“, fasst Stephan Scharf, Sprecher der Kreisbehörde, zusammen. Die Vorteile gegenüber Regionen mit Werten über 100 halten sich jedoch in Grenzen. Denn das Kabinett Söder beschloss am Dienstag ohnehin eine Reihe an inzidenzunabhängigen Lockerungen.

Corona im Landkreis GAP: Einzelhändler gehen ihren eigenen Weg

Wie dem auch sei: Ein Teil der Murnauer Geschäftswelt beschritt nach Tagblatt-Informationen am Samstag, 24. April, sowie am folgenden Montag auf eigene Faust einen Sonderweg – und ließ die Kunden ohne Testnachweis in die Verkaufsräume. Offenbar eine rentable Initiative. „Der Umsatz war dreimal so hoch“, berichtet Christian Echter, Chef des gleichnamigen Modehauses im Herzen des Marktes. Der Unternehmer hat eine einfache Erklärung für den Effekt: Auflagen wie die Testpflicht schrecken seiner Ansicht nach die ohnehin coronamüden Verbraucher ab.

Betreibt in Murnau ein Modehaus: Christian Echter.

Doch am Montagnachmittag schritt die Polizei ein – und setzte dem Murnauer Konjunkturprogramm ein Ende. Ob das Ganze ein juristisches Nachspiel hat, steht noch nicht fest. Echter und seine Mitstreiter haben jedenfalls eine plausible Erklärung für ihren unerlaubten Vorstoß. Sie berufen sich nämlich auf das Bayerische Ministerialblatt vom 23. April mit der Nummer 289. In dem offiziellen Papier steht irrtümlicherweise, dass der Landkreis Garmisch-Partenkirchen die 100er-Marke bereits am 20., 21. und 22. April nicht überschritten habe. Dies war aber erst ab dem 22. April der Fall.

Corona Garmisch-Partenkirchen: Ministerialblatt mit Fehlinformation

Hinzu kommt, dass in der Vergangenheit tatsächlich nur drei aufeinanderfolgende Tage ausreichten, um das Auflagenkorsett weniger straff zu ziehen. Echter verzichtete daher auf die Testpflicht – obwohl sich eine Station in seinem Modehaus befindet. Einige schlossen sich an. „Das hat sich schnell rumgesprochen“, berichtet der Betriebschef. Sogar der Bayerische Handelsverband habe grünes Licht gegeben.

Echter ist sich keiner Schuld bewusst. Der Fehler liege beim Freistaat. „Wir haben das für bare Münze genommen“, rechtfertigt er sein Vorgehen mit Verweis auf das Ministerialblatt. In Sachen Corona blicke ohnehin niemand mehr durch. „Es ist eine Zumutung“, schimpft Echter. Er bleibt aber zuversichtlich: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir da wieder rauskommen.“

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