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Die Zahl der Abstriche hat abgenommen – nun landen die Rechnungen für die Laboranalysen im Gesundheitsamt. 

Weitere Rechnungen erwartet

Corona kommt dem Landkreis teuer zu stehen: Allein die Tests kosten viel Geld

  • Christian Fellner
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Corona geht auf den Geldbeutel. Auf den Landkreis kommen hohe Ausgaben zu. Dabei hat er schon gespart.

Garmisch-Partenkirchen – Corona kostet Geld. Ob es nun fehlende Einnahmen sind bei Unternehmern, Gastronomen, Hoteliers, Vermietern oder den Kommunen. Oder aber erhöhte Ausgaben im medizinischen Bereich etwa, wiederum bei den Geschäftsleuten, die Kunden, Mitarbeiter und sich selbst schützen müssen. Nicht zu vergessen: Der Mensch, der vielleicht in Kurzarbeit daheim sitzt, möglicherweise nur 60 Prozent Einkommen zur Verfügung hat, aber dennoch seine Ausgaben stemmen muss. Keine Frage: Corona schmerzt überall´und fast jeden.

Auch die Kreisverwaltung bekommt die Pandemie zu spüren. Die Landkreisbehörde in Garmisch-Partenkirchen bildet per Gesetz die Einsatzzentrale in der Corona-Krise, im Kampf gegen das Virus. Das Gesundheitsamt ist die maßgebliche Stelle und dem Landkreis angegliedert. Dort laufen auch alle Kosten auf, die die Bewältigung der Seuche anhäuft. Rechnungen landen bei Amtsärztin Dr. Karin Kübler auf dem Tisch. Sie schluckt sicher kurz – und reicht sie weiter in die Zentrale an der Olympiastraße.

Landrat Anton Speer (Freie Wähler) nennt nun erste Zahlen in der Krise. Allein die Analyse der Abstriche hat dem Landkreis bisher 270 000 Euro gekostet. 130 000 Euro für den März, 140 000 Euro im April. „Und da kommen noch weitere Rechnungen“, stellt Speer klar. Logisch, für den Mai beispielsweise. Getestet wird ja weiterhin. Auch wenn es nicht mehr ganz so viele Abstriche sind wie noch vor einigen Wochen. Dennoch dürfte da nochmals ein ordentliches Sümmchen auf den Kreis zukommen.

Tests in Innsbruck: schneller und günstiger

Dabei hat die Verwaltung schon gespart, zu Beginn der Krise die Uniklinik Innsbruck als primären Labor-Partner ausgewählt. Zum einen, weil bereits eine Kooperation mit den Tiroler Nachbarn bestand. „Da wird schon länger eng zusammengearbeitet“, bestätigt Speer. Zum Beispiel im Bereich der Frühgeburten. „Wir bekommen immer wieder Patientinnen aus Innsbruck.“ Zum anderen: „Die Auswertung ging schneller und war preiswerter“, erläutert Stephan Scharf, Sprecher der Kreisbehörde. Konkret: Ein Test im Innsbrucker Labor kostet den Kreis brutto 110 Euro, vergleichbare Einrichtungen in Bayern verlangen 120 bis 140 Euro. Die Labore des Bayerischen Landesgesundheitsamts, die die Analyse für den Kommunalbereich kostenlos abwickeln, waren in der Start- und Hochphase komplett überlastet. Die Wartezeit auf ein Ergebnis betrug fünf bis sieben Tage. Aus Innsbruck kamen die Resultate in maximal 48 Stunden zurück. Ein wichtiger Zeitfaktor in der Pandemie, um Kontaktpersonen schneller und leichter zu ermitteln, die Betroffenen frühzeitig in Quarantäne zu schicken.

50 000 Euro hatte der alte Kreistag bei seiner letzten Zusammenkunft im März noch schnell als Sondertopf bereitgestellt. Ein Tropfen auf den heißen Stein, wie sich nun herausstellt. „Wir werden im Herbst wohl einen Nachtragshaushalt brauchen“, kommentiert Speer.

Das dürfte mit ziemlicher Sicherheit so sein. Denn die Tests sind bei Weitem nicht die einzige zusätzliche Belastung, die auf den Landkreis noch zukommt. Speer erwähnt das Jobcenter, das der Kreis mit der Agentur für Arbeit als gemeinsame Einrichtung betreibt, um die Grundsicherung für Arbeitssuchende (Hartz IV) abzuwickeln. Beim Mehraufwand geht es um das Kurzarbeitergeld, das auch in diesem Fall anfällt. „Wir haben da eine Nettomehrbelastung von mindestens 400 000 Euro, und diese Zahl stammt von Ende April“, betont Speer. „Diese Kosten werden auch noch steigen.“

Landrat will auch Kommunen helfen

Bei allen Aufwendungen, die auf den Landkreis zukommen, will der Landrat die Kommunen nicht vergessen. „Wir müssen trotzdem schauen, dass wir die Gemeinden unterstützen, wenn sie in einen finanziellen Engpass kommen.“ Ein schwieriger Spagat. Die Kreisumlage um einen Punkt auf 47,3 zu senken, war ein erster Schritt. Zudem hat der Kreistag den Kassenkreditrahmen für den Landkreis von 5 auf 17 Millionen Euro erhöht – „damit wir unsererseits mehr Spielraum haben“, betont Speer.

Lesen Sie mehr: „Viele aus München und dem Umland“: Behörde zieht Bilanz zu Corona-Verstößen

Die Behörde selbst wird es auch bei den Personalkosten treffen. Das Gesundheitsamt musste enorm aufgestockt werden. Statt regulär 17 Angestellten arbeiteten teilweise bis zu 50 Kräfte im Corona-Zentrum mit, diese bauten massig Überstunden auf. „Wir haben allein 20 Leute vom Landratsamt nur für das Gesundheitszentrum abgestellt“, sagt Speer. Die bildeten die Telefonzentrale, um den Dauerkontakt mit den Patienten möglich zu machen.

Und noch ein Projekt führt Speer an: die Betreuung für den Nachwuchs von Eltern in systemrelevanten Berufen. „Das waren rund 250 Kinder, da hatten wir aber wenigstens kein Problem, das Personal zu bekommen, da die Betreuungseinrichtungen ja geschlossen waren.“

Auf die große Corona-Abrechnung am Ende darf man gespannt sein. „Ich befürchte, dass wir nicht alle Kosten ersetzt kriege n“, sagt Speer ganz offen. Mit einem Schnee-Katastrophenfall wie im Januar 2019 sei eine solche Infektion eben nicht zu vergleichen. Das Landratsamt wird Krankenkassen, Kliniken und auch den Freistaat kontaktieren. „Wir müssen prüfen, ob wir denen etwas in Rechnung stellen können, denn wir haben ja zum Beispiel für die Krankenhäuser Tests übernommen“, betont Scharf. Fraglich sei auch, ob das Land Bayern einspringt für die Kosten, die durch die Analyse der Abstriche in Österreich angefallen sind. „Das ist alles noch unklar“, betont der Amtssprecher. „Derzeit können wir dazu gar nichts sagen.“

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