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Als Lieferant von Primärpackmitteln an die Pharmaindustrie spielt Gaplast eine wichtige Rolle. Die Mitarbeiter werden bestmöglich geschützt.

Sie produzieren weiter, natürlich mit Auflagen

Corona-Krise: Große Betriebe im Landkreis verzichten auf Kurzarbeit

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Betriebe werden geschlossen, Angestellte in Kurzarbeit geschickt. Dieses Kapitel gehört wegen Corona nun zu zahlreichen Firmengeschichten in Deutschland. Die drei großen Betriebe Langmatz, Gaplast und Kern Microtechnik im Landkreis müssen es nicht schreiben.

Langmatz: Kein Grund zur Klage

Langmatz-Geschäftsführer Leonhard Reitzner kann nicht klagen. „Die derzeitige Auftragslage ist zufriedenstellend, eine Kurzarbeit ist bisher nicht geplant.“ Als größter Industriebetrieb im Werdenfelser Land mit 450 Mitarbeitern hat der Kunststoffverarbeiter sehr frühzeitig eine Task Force gebildet und für die Gesundheit und den Schutz der Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner präventive Maßnahmen umgesetzt.

Langmatz liefert schwerpunktmäßig Produkte zum Aufbau von schnellen Glasfaser- und Datennetzen. „Diese werden in den nächsten Jahren weiter massiv hochgerüstet“, sagt Reitzner. „Gerade jetzt in der Corona-Pandemie wird die Verfügbarkeit von gut ausgestatteten Home-Office-Arbeitsplätzen geschätzt.“ Deren Anbindung mit hohen Datenraten an das Netz sei dabei zwingend notwendig. Wie bei anderen Firmen müssen die Langmatz- Mitarbeiter strenge Hygieneregeln beachten. Man vermeidet weitgehend Kunden- und Lieferantenbesuche sowie Geschäftsreisen. Kontaktlose Anlieferbereiche wurden eingerichtet, die Belegschaft wurde in Schichten aufgeteilt. Kontakt beim Schichtwechsel gibt es nicht.

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Gaplast: Reibungsloser Ablauf

Bei der Altenauer Firma Gaplast, Verpackungsspezialist für Medizin-, Pharma- und Kosmetikprodukte, läuft der Geschäftsbetrieb, Stand heute, „in ruhigen Bahnen weiter“, teilt Julia Schade mit, die für die Pressearbeit zuständig ist. Die Firma führte demnach schon vor vielen Wochen alle nötigen Sicherheits- und weiterführenden Hygienemaßnahmen ein, um bestmöglich gerüstet zu sein. „Unsere Mitarbeiter verhalten sich äußerst umsichtig am Arbeitsplatz und auch im täglichen Miteinander, ihnen gehört unser großer Dank.“ Gaplast als Lieferant von Primärpackmitteln an die Pharmaindustrie bezeichnet Schade derzeit als unerlässlich beziehungsweise systemrelevant in der Lieferkette. „Dies schlägt sich auch in der Auftragslage nieder.“ Derzeit gewährleistet das Unternehmen nach Schades Angaben noch einen reibungslosen Ablauf der Produktion und Lieferung. Der Schutz der Mitarbeiter und der Erhalt aller Arbeitsplätze haben oberste Priorität. „Wir werden diese Krise aus eigener Kraft bewältigen.“ Aktuell sei Kurzarbeit kein Thema, „und wir tun unser Möglichstes, damit es auch nie eines werden wird“.

Kern Microtechnik: Lage ist entspannt

Wie bei den Unternehmen Langmatz und Gaplast ist die Lage auch bei der Firma Kern Microtechnik, die Werke in Eschenlohe und Murnau hat, momentan entspannt. „Wir produzieren voll an beiden Standorten“, berichtet Geschäftsführer Simon Eickholt. Nach einem „Bombenjahr“ 2019 verfügt der Maschinenbauer ihm zufolge über gute Auftragsbestände. „Wir sind in die Krise mit einem tollen Polster reingestartet.“ Für 2020 sei Kern im Hinblick auf die Liquidität gut gerüstet. Es gibt sogar Sonderzahlungen für die rund 200 Mitarbeiter. Staatshilfen sind aktuell kein Thema. „Wir brauchen nichts, wir wollen nichts, wir bringen das selber gut hin“, betont der Geschäftsführer.

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Sorgen hat Eickholt aber schon auch: nämlich, dass die Krise länger dauert und sich auf das Investitionsverhalten der Kunden auswirkt. Bis Ende Juli hat der Maschinenbauer noch gut zu tun. „Aber dann brauchen wir neue Bestellungen.“ Bei all den schlimmen und negativen Nachrichten, die mit Corona einhergehen, ein Positives hat die Sache. „Der Zusammenhalt, der eh schon Wahnsinn ist, ist weiter gewachsen“, schildert Eickholt. „Wir sind alle näher zusammengerückt.“

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