Eine Gruppe Skifahrer steht an der Talstation eines Schlepplifts.
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Stillstand herrscht derzeit auch am kleinen Wildenseelift im Kranzberg-Skigebiet. Wann die Tourismus-Betriebe wieder öffnen können, steht bislang völlig in den Sternen.

Tourismus in Gefahr

Corona-Lockdown „zehrt sehr stark an den Nerven“: Zugspitz Region fragt bei Hotellerie und Gastronomie nach

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Ein repräsentatives Stimmungsbild, das verspricht sich die Zugspitz Region von der Umfrage, die derzeit unter Tourismusbetrieben läuft. Die Daten sollen auch für Gespräche mit der Landesregierung dienen.

  • Corona-Lockdown bringt Tourismus im Landkreis Garmisch-Partenkirchen „in Gefahr“.
  • Ergebnisse der Umfrage sollen als Grundlage für Gespräche mit Entscheidungsträgern dienen.
  • Stimmung unter Hoteliers, Gastronomen und ihren Mitarbeitern kippt allmählich.

Garmisch-Partenkirchen – Die Stimmung kippt. Da ist sich Christian Bär sicher. Die neuerliche Verlängerung des Lockdowns bis zum 7. März „hat viele Kollegen völlig demotiviert“, sagt der Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG). Zumal eine Öffnung der Hotels und Gaststätten noch gar nicht in Sicht ist. „Geht das so weiter, ist der Tourismus auf Jahre in Gefahr.“

Diese Sorge haben Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch und sechs ihrer Kollegen auch in einem offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder kundgetan. Bär freuen diese Initiativen. Jeder, der sich in diesen Zeiten für die Tourismusbetriebe stark macht, „ist hilfreich“. Deshalb begrüßt der Direktor des Alpenhofs in Murnau auch die aktuell laufende Umfrage der Zugspitz Region GmbH.

Umfrage läuft bis Ende Februar

Damit „möchten wir ein Bild der aktuellen Situation von Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben einfangen“, erklärt Geschäftsführer Sebastian Kramer, der zudem Wirtschaftsförderer des Landkreises ist. Die Erkenntnisse sollen dann als Datengrundlage für Gespräche mit Entscheidungsträgern und Interessensvertretungen dienen. Um ein realistisches Bild zu bekommen, hofft er, dass sich möglichst viele Betriebe aus dem Landkreis daran beteiligen. Bisher haben er und seine Kollegen nur den Tourismus- und Eventbereich im Blick. „Wir können uns aber vorstellen, das auszuweiten“, betont Kramer. Etwa auf den Einzelhandel. Zunächst warten die Mitarbeiter der Zugspitz Region ab, wie viele Antworten ihnen bis Ende Februar vorliegen. Neben Details zum Betrieb und der Zahl der Mitarbeiter werden auch Umsatzverluste, staatliche Unterstützung und die Situation des Unternehmens abgefragt.

„Klar ist jedem, wie es in der Hotellerie und Gastronomie ausschaut“, sagt Manuel Huber, stellvertretender Geschäftsführer der Alpenwelt Karwendel GmbH. Gerade der zweite Lockdown, der seit 1. November 2020 läuft, „zehrt sehr stark an den Nerven“. Die Stimmung unter den Gastgebern sei gedrückt. Gerade die Privatvermieter, die bislang keine staatlichen Hilfen erwarten können, treffe die erzwungene Untätigkeit hart. Das weiß Huber schon von zwei vorherigen Umfragen, die allein im Isartal gemacht wurden. Nachdem der aktuelle Lockdown bereits zum zweiten Mal verlängert wurde, hält er es für sinnvoll, jetzt ein landkreisweites Stimmungsbild einzuholen. „Auch um für Gespräche mit der Landesregierung gerüstet zu sein.“

Hoffnung, dass Zugspitz Region Gehör findet

Ähnlich sieht’s Christian Bär. Nachdem der BHG mit seinen 17 000 Mitgliedern bisher nichts erreichen konnte, hofft er, dass die Zugspitz Region – „eine starke Marke“ – Gehör findet. Die Perspektivlosigkeit nach bald vier Monaten mache den Hoteliers, Gastronomen und ihren Mitarbeitern massiv zu schaffen, unterstreicht der BHG-Kreisvorsitzende. „Das bricht uns das Kreuz.“ Zwar sei für gewerbliche Betriebe staatliche Unterstützung geflossen – von den Novemberhilfen wurden bereits 84, von denen für Dezember knapp 50 Prozent ausgezahlt. „Sonst wäre es gar nicht gegangen.“ Bis Ostern sei dieses Geld aber aufgebraucht. Ob Bär und seine Kollegen dann aber wieder öffnen dürfen, steht derweil zu seinem Unverständnis noch gar nicht fest. „Offenbar sind wir das letzte Glied in der Reihe.“

Die ausgeklügelten Hygienekonzepte, in die Hoteliers und Gastronomen viel investiert haben, werden dabei völlig außer Acht gelassen. Allein die Inzidenz-Werte zählen. „Aber auch da sollte man bei den Ankündigungen bleiben“, findet Bär. Erst habe es geheißen, dass eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 für Lockerungen ausschlaggebend ist, „jetzt ist’s plötzlich 35“. Auch das trübt die Stimmung unter seinen Kollegen und verstärkt die Existenzängste. Bär gehört keinesfalls zu denen, die die Corona-Maßnahmen verteufeln. „Ich habe wirklich großen Respekt vor der Krankheit und den Toten“, versichert er. Allerdings fordert er, „dass wir endlich unser Leben zurückbekommen – in vertretbarem Rahmen“.

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