Umsonst geprobt? Auch die Ausrichtung der Passionsspiele in Oberammergau ist nicht mehr sicher
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Umsonst geprobt? Auch die Ausrichtung der Passionsspiele in Oberammergau ist nicht mehr sicher.

Täglich neue Entwicklungen zum Corona-Virus

Corona im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Passion bedroht, Saison-Aus für SC Riessersee - neuer Fall in Krün

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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    Ludwig Hutter
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Zwei Tage nach Bekanntwerden des ersten Corona-Falls im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gibt es nun den zweiten bestätigten positiv getestete Fall: eine 60-Jährige aus Krün. Die Entwicklung hat Folgen – für den SC Riessersee, für die Autotage und womöglich auch für die Passionsspiele.

+++ Update, Dienstag, 10. März, 18.45 Uhr

Landkreis – Kein Tag vergeht ohne neue Nachrichten zum Thema Corona. Das Tagblatt versucht, die Landkreis-Bürger so gut es geht auf dem Laufenden zu halten. Eine Übersicht zu den Entwicklungen vom Dienstag:

Neuer Corona-Fall in Krün

Für zunächst zwei Tage geschlossen: der Kindergarten in Krün.

Nun ist es fix: Der Landkreis hat einen zweiten bestätigten Corona-Fall. Nach dem 50-jährigen Murnauer, dessen Erkrankung am Sonntag bekannt wurde, gibt es nun auch im Oberen Isartal eine Infizierte, die positiv auf Covid 19 getestet wurde. Es handelt sich um eine 60-Jährige aus Krün. „Die erkrankte Person befindet sich nun in häuslicher Isolation“, berichtete Stephan Scharf, Pressesprecher im Landratsamt. Der Gesundheitszustand des Mannes wird den Umständen entsprechend derzeit als gut eingestuft. „Die Symptome einer schwereren Erkältung sind schon vorhanden“, sagt Scharf. „Aber es ist keine intensivmedizinische Versorgung notwendig.“ Auch das Umfeld des Krüners ist bereits durchforstet. Mindestens 16 Kontaktpersonen aus dem direkten familiären Umfeld hat das Gesundheitsamt ermittelt. Diese sind ebenfalls in häuslicher Quarantäne. Als Vorsichtsmaßnahme hat die Kreisbehörde auch den Krüner Kindergarten für zunächst zwei Tage schließen lassen. Denn eine der Kontaktpersonen ist ein Kind aus dieser Einrichtung.

Wie es zur Erkrankung des Mannes kam, steht auch fest: Er habe sich im Landkreis bei Gästen aus Südtirol angesteckt. „Die sind mittlerweile aber nicht mehr in der Region“, beruhigt Scharf.

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SC Riessersee: Es gibt keine Playoffs vor Zuschauern

Das war‘s mit den Eishockey-Playoffs für den SC Riessersee. Der Garmisch-Partenkirchner Landrat Anton Speer (Freie Wähler) verkündete Dienstagmittag nach einem einvernehmlichen Gespräch mit den Vertretern des SCR, dass es keine Spiele vor Zuschauern im Olympia-Eissportzentrum geben wird. „Ich habe sie abgesagt, das nehme ich auf meine Kappe“, betont Speer. „Ich habe das sicher nicht gerne gemacht, aber es gibt keinen anderen Weg.“ Auch hinsichtlich der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus in der Region mit dem zweiten Fall in Krün.

Quasi abgeriegelt: Im Olympia-Eissportzentrum wird es heuer sicher kein SCR-Spiel mehr vor Zuschauern geben.

Gemeinsam mit Kaufmännischem Leiter Andreas Wieland und Geschäftsführer Panagiotis Christakakis wurde die Lage gestern Vormittag im Landratsamt erörtert. Die Vertreter des Gesundheitsamts machten klar, dass es Begegnungen ohne klare Auflagen nicht geben wird. Für die SCR-Verantwortlichen wären diese Hürden nicht zu meistern gewesen. Beispielsweise hätte jeder einzelne Besucher der Partien registriert und interviewt werden müssen, wo er sich zuletzt aufhielt, mit wem er Kontakt hatte. „Das können wir nicht machen“, sagt Christakakis. „Damit können die Spiele nicht stattfinden.“

Speer betont, dass die Entscheidung von allen Beteiligten akzeptiert worden ist. Nun werde an einer Lösung gearbeitet, dass dem SCR kein Schaden entsteht. „Der Landrat macht alles für uns, was er tun kann“, sagt Christakakis.

Der Verein wartete gestern vor allem auf eine Entscheidung des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), der sich enorm Zeit ließ. Am frühen Abend gab zunächst die DEL bekannt, dass die Eliteliga mit sofortiger Wirkung den Spielbetrieb einstellen wird. Die DEL2 folgte nur wenige Minuten später mit der Bekanntgabe der Entscheidung. Fix ist damit, dass es in allen genannten Ligen keine Auf- und Absteiger gibt. „Das war es sicher auch für uns“, mutmaßte Christakakis am Abend. Vor allem, da auch bei zwei Teams der Oberliga Nord mittlerweile Verdachtsfälle bekannt wurden.

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Passionsspiele in Oberammergau: Corona bedroht Megaveranstaltung

Steht Oberammergau unmittelbar vor einer Verschiebung, ja vielleicht sogar vor einer Absage der Passionsspiele? Dieses Szenario kann nach der kontinuierlichen Ausbreitung des Coronavirus’ in Deutschland nicht mehr ausgeschlossen werden. Pressesprecher Frederik Mayet erklärte gestern Nachmittag dazu: „Wir hoffen alle das Beste, aber keiner kann im Moment sagen, ob und wann dieser Tag X für uns kommen wird. In zwei, drei Wochen wissen wir, wo die Reise hingehen wird. Wir bereiten uns auf alle Eventualitäten vor.“ Nicht nur materiell, auch ideell wäre der Schaden für Oberammergau gigantisch. „Daran möchte ich im Moment gar nicht denken“, so Mayet.

Verantwortliche der Passionsspiele sowie der Gemeinde, darunter auch Bürgermeister Arno Nunn, erörterten gestern Mittag die Situation – das Ergebnis: Man trifft sich jetzt jeden zweiten Tag, um die Lage neu zu bewerten. Nach Aussage des Pressesprechers gehe man Stand jetzt davon aus, dass die Premiere am 16. Mai wie gewohnt stattfinden werde: „Gerade laufen die Einzelproben für den Bildband, Volksproben sind gerade nicht angesetzt.“ Die Leitung der Spiele fordert alle Mitwirkenden, die sich zuletzt in Risikogebieten aufgehalten haben, auf, daheim zu bleiben und bei Symptomen ärztlichen Rat einzuholen. Eine Meldung, wonach sich ein Darsteller bereits infiziert hat, bestätigte Mayet nicht.

In Oberammergau weiß man, dass die Passionsspiele in diesem Jahr eine der größten Veranstaltungen in Bayern sind, mit erwarteten rund 500 000 Besuchern, darunter viele Ältere. Ausgefallen ist das Gelübdespiel erst einmal: 1770. Zweimal wurde abgebrochen und später weiter gespielt – 1870 (Deutsch-Französischer Krieg) und 1920 (I. Weltkrieg). Zum ersten Mal in der knapp 400-jährigen Geschichte haben die Verantwortlichen diesmal eine Ausfallversicherung (bis 25 Millionen Euro) abgeschlossen, in die auch Seuchenschutz eingeschlossen ist. Mayet: „Wir haben da an Terror- oder Kriegsgefahr gedacht, niemals an eine Epidemie.“ Auch wenn das Dorf dadurch einen großen finanziellen Schaden vermeiden würde, durch fehlende Einnahmen (geschätzte 31 Millionen Euro) müsste die Kommune den Gürtel künftig ganz, ganz eng schnallen.

Werdenfelser Autotage in Garmisch-Partenkirchen fallen aus

Der Coronavirus bremst auch die Werdenfelser Autotage, die für das Wochenende 18./19. April geplant waren, aus. Für die 18. Auflage der Automobil- und Zweiradausstellung in der Garmischer Fußgängerzone hatten sich 20 regionale Händler, Dienstleister und Organisationen mit mehr als 230 Ausstellungsfahrzeugen angemeldet. In der Geschichte der Autotage ist dies der erste Ausfall, merkt Bettina Zopf, langjährige Veranstalterin, an: „Wir haben allen Widrigkeiten getrotzt, insbesondere sämtliche Witterungsbedingungen durchlebt. Aber die aktuelle Situation erfordert ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, weshalb die Absage zum aktuellen Zeitpunkt unumgänglich ist.“ Ob die Veranstaltung später im Jahr nachgeholt oder ersatzlos ausfällt, steht noch nicht fest. Dies ist davon abhängig, wie sich die Lage rund um das Thema Corona entwickelt. „Wir sind in Kontakt mit allen Beteiligten und werden zunächst einmal abwarten“, erklärt Mitorganisator Sven Wiggershaus.

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+++ Ursprüngliche Meldung:

Das war‘s vermutlich mit den Eishockey-Playoffs für den SC Riessersee. Garmisch-Partenkirchens Landrat Anton Speer (Freie Wähler) verkündete am Mittag nach einem einvernehmlichen Gespräch mit den Vertretern des SCR, dass es keine Spiele vor Zuschauern im Olympia-Eissportzentrum geben wird. „Ich habe das abgesagt, das nehme ich auf meine Kappe“, betont Speer. „Ich habe das sicher nicht gerne gemacht, aber es gibt keinen anderen Weg.“ Hintergrund ist offenbar auch ein weiterer bestätigter Fall im Landkreis, der heute noch bekannt gemacht werden soll. 

Gemeinsam mit den Verantwortlichen des SC Riessersee, Kaufmännischer Leiter Andreas Wieland und Geschäftsführer Panagiotis Christakakis, wurde die Lage am heutigen Dienstagvormittag im Landratsamt erörtert. Die Vertreter des Gesundheitsamts machten klar, dass es Begegnungen ohne klare Auflagen nicht geben wird. Für die SCR-Verantwortlichen wären diese Hürden nicht zu meistern gewesen. Beispielsweise hätte jeder einzelne Besucher der Partien registriert und interviewt werden müssen, wo er sich zuletzt aufhielt, mit wem er Kontakt hatte. „Das können wir nicht machen“, sagt Christakakis in einer ersten Stellungnahme. „Damit können die Spiele nicht stattfinden.“ 

Speer betont, dass die Entscheidung letztlich von allen Beteiligten akzeptiert worden ist. Auch hinsichtlich einer wohl weiteren Ausbreitung des Corona-Virus in der Region. Zudem werde an einer Lösung gearbeitet, dass dem SCR kein Schaden entsteht. „Der Landrat macht alles für uns, was er tun kann“, bestätigt Christakakis. 

Der Verein wartet nun vor allem auf eine Entscheidung des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), wie weiter verfahren wird. Am späten Nachmittag soll es dazu weitere Informationen geben. Eines macht Christakakis nochmals klar: „Playoff-Spiele vor leeren Rängen wird es bei uns nicht geben.“

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