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Rund 500 geplante Operationen mussten allein bei endogap abgesagt werden.

Krankenhaus seit 2015 in der Gewinnzone - das ist vorbei

Millionen-Minus: Corona sorgt im Klinikum Garmisch-Partenkirchen für rote Zahlen

  • Peter Reinbold
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Leere Betten, wenige Operationen: Wenn es ganz schlecht läuft, wird das Klinikum Garmisch-Partenkirchen wegen der Corona-Pandemie und deren Auswirkung auf die Krankenhäuser 2020 einen Verlust schreiben. Das Minus könnte sich bis Ende des Jahres auf fast fünf Millionen Euro summieren.

Bernward Schröter ist des Geschäftsführer des Klinikums.

Landkreis – Ein Mann der klaren Worte ist Bernward Schröter (66). Was er meint, sagen zu müssen, sagt er. Das zeichnet den Geschäftsführer des Klinikums Garmisch-Partenkirchen aus. Deshalb hat er auch den Bürgermeistern und dem Kreistag vor Kurzem reinen Wein eingeschenkt und nicht um den heißen Brei herumgeredet. Das Klinikum, das sich seit seinem Amtsantritt 2015 stets in der Gewinnzone befand – für 2019 erwirtschaftete des Krankenhaus einen Überschuss von etwas mehr als zwei Millionen Euro –, wird wegen die Corona-Pandemie in die tiefroten Zahlen rutschen. „Maximal fünf Millionen Euro könnten am Ende des Jahres in der Kasse fehlen“, sagt Schröter.

Allein bei endogap fielen bislang 500 Operationen aus

Dem Klinikum sind durch die Corona-Pandemie die Erlöse weggebrochen. Allein bei endogap, die Abteilung für Gelenkersatz von Chefarzt Dr. Christian Fulghum, die einen Großteil der Gewinne erzielt, fielen bislang 500 Operationen aus, zum Teil war das Haus an der Auenstraße 6 nur zu 40 Prozent belegt. Dass das Minus von fünf Millionen Euro letztlich in den Büchern steht, hofft Schröter nicht. Die Bundesregierung hat einen Rettungsschirm auch für Krankenhäuser aufgespannt. Nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums gibt es einen finanziellen Ausgleich für planbare Operationen und Behandlungen, die verschoben wurden, um Kapazitäten für die Behandlung von Patienten mit einer Coranavirus-Infektion frei zu halten. Für jedes Bett, das dadurch im Zeitraum vom 16. März bis zum 30. September nicht belegt wird, erhalten Krankenhäuser derzeit eine Pauschale in Höhe von 560 Euro pro Tag. Schröter hofft, dass sich die Bundesregierung dazu durchringt, diesen Satz anzuheben. „Spruchreif ist noch nichts“, sagt Klinikum-Sprecherin Martina Tille. Zudem erhält das Krankenhaus einen Bonus in Höhe von 50 000 Euro für jedes Intensivbett mit Beatmungsgerät, das man zusätzlich geschaffen hat. In der zweiten Märzhälfte waren es Tille zufolge 30. „Wir haben den Bonus beantragt, ausgezahlt ist er noch nicht.“

Auch Geld des Bundes wird Minus nicht ausgleichen

Das Minus ausgleichen werden die Zahlungen des Bundes nicht. Derzeit ist das Klinikum mit fast 60 Prozent ausgelastet. Der Betrieb wird laut Schröter bis Jahresende mit „angezogener Handbremse“ laufen. 25 Prozent der Betten müssen freigehalten werden, falls eine zweite Corona-Welle auftritt. „Es wird ein Millionenbetrag hängen bleiben“, erklärt Schröter. Wer dafür aufkommt? Schröter hofft der Landkreis. Deshalb hat er alle relevanten Kommunalpolitiker über die wirtschaftliche Situation des Klinikums informiert. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich der Landkreis als Träger in der Vergangenheit mit Zuschüssen vornehm zurückgehalten habe. Eine Kreditaufnahme hält er für die schlechteste aller möglichen Lösungen. „Das würde ich nicht gerne machen“, sagt er.

Einen Sparkurs zu fahren – auch davon rät der Geschäftsführer ab, der Ende des Jahres in Ruhestand geht und dessen Nachfolger mit hoher Wahrscheinlichkeit Frank Niederbühl (37) heißen wird, derzeit Schröters Stellvertreter. Der Geschäftsführer will weder beim Personal, das eh auf Kante genäht und enorm wichtig ist, wie die Corona-Pandemie gezeigt hat, noch bei der Ausstattung des Klinikums oder den geplanten Bauprojekten wie der Zentralen Notaufnahme oder des Intensivbereichs Abstriche machen. Alles sollte aus der eigenen Kasse bezahlt werden – bis Corona kam. „Wer weiter oben mitspielen möchte, der muss Geld in die Hand nehmen.“

Kein Sparkurs, aber Kosten nicht aus den Augen verlieren

Allerdings, so Schröter, müsse man auch auf die Kosten achten und dürfe sie nicht aus den Augen verlieren. Obwohl seine Zeit als Klinikum-Geschäftsführer endlich ist, gedenkt er die Weichen zu stellen und will das Haus „für die nächsten fünf Jahre ausrichten. Wir müssen uns fragen, wo wir Schwerpunkte setzen“. Derzeit lässt er von externen Beratern eine Wettbewerbsbeobachtung erstellen, um zu erfahren, ob es Wanderbewegungen von Patienten zu anderen Krankenhäusern der Region gibt, etwa nach Weilheim, Starnberg oder Bad Tölz. Zudem will er eine Doppelversorgung etwa mit der BG-Klinik Murnau vermeiden, mit der eine Kooperation besteht. „In manchen Bereichen werden wir in Zukunft weniger machen, in manchen mehr.“ Klare Worte.

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