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Viele Hochzeiten wurden 2020 erst einmal abgesagt. Die Branche leidet. (Symbolbild)

„2021 wird ein super Hochzeitsjahr“

Seit März nur Absagen: Hochzeitsplanerin über ihren „Traumjob“ in der Coronakrise

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Hochzeitsplanerin - das ist der Traumjob von Uschi Glas aus Garmisch-Partenkirchen. Doch seit Mitte März kann sie ihn nicht mehr machen. Zahllose Hochzeiten mussten wegen Corona abgesagt werden. Das trifft Dienstleister wie Glas hart. 

Landkreis– Es ist der Tag der Tage für viele Menschen. Vor allem junge Pärchen fiebern ihrer Hochzeit entgegen. Ob ganz in Weiß, in der Kirche oder im Freien – für die perfekte Trauung haben Braut und Bräutigam oft ganz unterschiedliche Vorstellungen. Mindestabstand, Mundschutz und keinerlei Händeschütteln dürfte aber bei den Wenigsten auf der Wunschliste gestanden haben.

Das weiß zur Zeit keine besser als Uschi Glas. Die Garmisch-Partenkirchnerin ist Hochzeitsplanerin und verantwortlich dafür, dass der schönste Tag im Leben auch tatsächlich der schönste wird. Die Corona-Pandemie hat Heiraten bisweilen fast unmöglich gemacht. Damit hat natürlich auch Glas und ihre gesamte Dienstleistungsbranche zu kämpfen.

15 Hochzeiten musste Hochzeitsplanerin Glas aus Garmisch-Partenkirchen seit März absagen

Seit Mitte März ist ihr Terminkalender leer gefegt. 15 Hochzeiten musste sie auf nächstes und übernächstes Jahr verschieben. Die einzige Trauung, die heuer – noch – stattfindet, organisiert sie im Oktober. „Da kommt ein Pärchen aus New York.“ Sie wollen in Bamberg heiraten. Glas ist noch vor dem großen Shutdown ins Frankenland gefahren, um die Locations zu prüfen, wie Kirchen und Restaurants. Nun muss sie warten und hoffen, dass die Lockerungen bis Oktober eine Feier dieser Art zulassen.

Bis dahin arbeitet sie in dem Restaurant „4Eck“ an der Klammstraße. Glas ist dort Mitinhaberin. Somit kann sie die Corona-Pause zwar recht gut überbrücken. Allerdings juckt es ihr schon wieder in den Fingern. Sie vermisst weiße Brautkleider, schwarze Anzüge, Blumen, Sekt, die heitere ausgelassene Stimmung. „Es ist einfach mein Traumjob“, sagt sie, „den ich seit über 20 Jahren mit Leib und Seele mache.“

Kunden kommen vor allem aus USA, Kanada, Australien - Nicht in Zeiten von Corona

Besonders hart trifft es Glas, da sie hauptsächlich internationale Kunden bedient. Sie kommen aus USA, Kanada, Australien, Niederlande. Einem beeindruckenden Online-Auftritt hat sie das weltweite Interesse an ihr zu verdanken. Manche Verlobte lernt sie aber auch vor Ort in Garmisch-Partenkirchen kennen. Um die Hochzeit auszurichten, ist Glas mittlerweile in ganz Europa unterwegs. Die Grenzschließungen und die unterschiedlichen Corona-Regelungen in anderen Staaten machen ihr aktuell deshalb noch mehr zu schaffen.

Doch nicht nur sie leidet. „An einem Hochzeitstag hängen ja noch viel mehr Dienstleister dran“, erklärt sie. Neben Gastronomie und Hotellerie auch Floristen, Friseure, Visagisten, Fotografen, Musiker – die Liste könnte noch lange fortgeführt werden.

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45 kirchliche Trauungen in größeren katholischen Pfarreien abgesagt  

Selbst die weltliche Kirche kommt aufgrund der Corona-Pandemie ins Schwitzen. So mussten alleine in den größeren katholischen Pfarreien im Landkreis, also Garmisch, Partenkirchen, Murnau, Oberammergau und Mittenwald, über 45 kirchliche Hochzeiten abgesagt und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. „Nächstes Jahr wird eine echte Herausforderung“, sagt beispielsweise Regina Hornsteiner, Pfarrsekretärin in Mittenwald. Die verlegten Hochzeiten von 2020 kollidieren nun mit den bereits geplanten im Jahr 2021. „Aber noch haben wir alle kirchliche Trauungen untergebracht.“ Doch wer im kommenden Jahr heiraten will, sollte zügig einen Tag reservieren, damit der Wunschtermin auch wirklich klappt.

Ähnlich ist es in Oberammergau. Dekan und Geistlicher Rat Thomas Gröner musste vor allem zu Beginn der Corona-bedingten Schließungen teils schwierige Gespräche mit den Brautpaaren führen. „Sie waren sehr traurig“, sagt Gröner. Erst nach und nach, als die Pandemie alle Lebensbereiche betroffen hat, wurden auch die Verlobten verständnisvoller.

Doch Hochzeitsplanerin Glas ist jetzt schon überzeugt: „2021 wird ein super Hochzeitsjahr“.

Info: Ist das Heiraten erlaubt?

Das sagt das Bayerische Staatsministerium zur aktuellen Hochzeitssituation in Bayern (Stand: 27. Juni): Veranstaltungen, die üblicherweise nicht für ein beliebiges Publikum angeboten oder aufgrund ihres persönlichen Zuschnitts nur von einem absehbaren Teilnehmerkreis besucht werden (insbesondere Hochzeiten, Beerdigungen, Geburtstage, Schulabschlussfeiern und Vereins- und Parteisitzungen) sind mit bis zu 50 Teilnehmern in geschlossenen Räumen oder bis zu 100 Teilnehmern unter freiem Himmel gestattet, wenn der Veranstalter ein Schutz- und Hygienekonzept ausgearbeitet und auf Verlangen der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde vorlegen kann.

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