Harte Arbeit war nötig, um die Höllentalklamm frei zu bekommen. Bernhard Dörfler ist mit der Schaufel am Werk.
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Harte Arbeit war nötig, um die Höllentalklamm frei zu bekommen. Bernhard Dörfler ist mit der Schaufel am Werk.

Corona-Lockerungen

Pünktlich zu Pfingsten: Öffnungen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen - ein Überblick

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  • Christof Schnürer
  • Josef Hornsteiner
    Josef Hornsteiner
  • Tanja Brinkmann
    Tanja Brinkmann
  • Alexander Kraus
  • Christian Fellner
    Christian Fellner

Sie kehrt stückweise zurück: die Normalität. Pfingsten ist in Garmisch-Partenkirchen der Startpunkt für einschneidende Corona-Lockerungen. Doch Vorsicht bleibt weiter geboten.

Landkreis – „Die dritte Welle ist am Abklingen“ – eine positive Nachricht, mit der Hansjörg Wiesböck, der Organisatorische Einsatzleiter Corona beim Gesundheitsamt, zuletzt die Kreisräte konfrontierte. „Mit den Fallzahlen, die wir derzeit haben, können wir uns auch in den kommenden Wochen sicher im Bereich einer Inzidenz von 50 bewegen.“ „Derzeit“ ist bei dieser Aussage das Schlüsselwort.

Corona-Lockerungen in Garmisch-Partenkirchen: Hotels, Theater, Kinos und Freibäder öffnen

Eine Garantie gibt es nicht. „Das kann bei einem Ausbruchsgeschehen ganz schnell gehen“, warnt Wiesböck und verweist dabei auf 2020: „Da hatten wir die Öffnungen bei einer Inzidenz von quasi Null, jetzt öffnen wir bei zirka 50.“ Vorsicht ist weiterhin geboten.

Dennoch: Hat man Pfingsten in den vergangenen Jahren stets mit Hochwassern und deren Gefahren verbunden, so bürgert sich nun ein neuer Bezug ein: Corona-Lockerungen. Zum zweiten Mal nach 2020 ist es das kirchliche Fest, das als Startpunkt für einschneidende Lockerungen, vor allem im touristischen Bereich, gilt.

Hotels öffnen, Vermieter und Jugendherbergen dürfen wieder Gäste empfangen, Kinos und Theater öffnen, Freibäder dürften – wenn das Wetter es tragen würde –, und auch die Seilbahnen können die Maschinen wieder anwerfen. Das Tagblatt gibt einen Überblick über die Öffnungen, die Szenarien dahinter – und die Regeln, die nach wie vor streng zu befolgen und die Grundlage für die Erleichterungen sind:

Corona-Inzidenz unter 100: Bergbahnen dürfen wieder fahren - Teststation an der Zugspitzbahn

Fünf Kamerateams waren da am Donnerstagmorgen zum Pressetermin. Alle wollten ein gutes Bild: Matthias Stauch, der Chef nicht nur der heimischen Zugspitzbahn, sondern auch der Vorsitzende des Verbands, dahinter als Kulisse die Talstation der Seilbahn Zugspitze und malerisch der Eibsee. Und nach tristen Grau in Grau öffnete sich gegen 9 Uhr sogar der Himmel. Wirkte wie ausgemacht, dieses Szenario.

Natürlich lachte Stauch. Auch wenn längst nicht alles golden glänzt. „Wir dürfen nicht die Millionenverluste in der Branche vergessen, viele Betriebe stehen tatsächlich vor dem Aus“, merkte er an. Und doch: Sie dürfen wieder fahren, die Bergbahnen in Bayern. Also zumindest die, in deren Landkreisen die Inzidenz passt, unter 100 liegt. Das tut sie im Kreis Garmisch-Partenkirchen stabil (siehe Infokasten).

Damit ist klar: Es geht wieder los zwischen Ammer- und Isartal. Unter Auflagen versteht sich. „Eines der drei G sollte schon erfüllt sein“, betont Stauch. Geimpft, genesen, getestet – sonst kommt keiner rein in die Kabine und rauf auf Deutschlands höchsten Gipfel. Für diejenigen, die gar nicht an einen Test rankommen, hat das Unternehmen eine Kooperation mit Michaela Nelhiebel von der Firma Optik Schneider geschlossen.

Sie betreibt eine Teststation am Parkplatz der Zahnradbahn. „Aber wir können da nicht alle testen“, kündigt der BZB-Vorstand an. Die Kapazität ist derzeit noch ein wenig undurchsichtig. „Wir müssen mal schauen, wer kommt“, sagt Nelhiebel. „Bis zu sechs Personen können zeitgleich getestet werden.“ Dafür wurde die Infrastruktur oben am Eibsee mit Containern der Bergbahn geschaffen.

Corona in Garmisch-Partenkirchen: Seilbahn öffnet - 1500 Tickets täglich im Internet

Wenn sie ins Tal wollen, müssen sie einen Test kaufen und machen.“

Matthias Stauch

1500 Tickets wird die BZB täglich im Internet zum Verkauf anbieten. Sind die weg, ist Schluss. „Wir haben nur sehr wenige Karten an der Tageskasse“, sagt Stauch. Da gilt dann: Wer zuerst kommt, malt zuerst. Mehr als 2000 Menschen wollen die Verantwortlichen zu Beginn nicht hinauf lassen, maximal 50 oder 60 in der auf 120 Personen ausgelegten Kabine befördern.

Das Prozedere ist nicht schwierig: Sind die Fahrgäste durchgecheckt, bekommen sie zur Identifikation ein Armband. Das macht auch die Arbeit am Gipfel einfacher. Kommen Bergsteiger, sind sie leicht zu erkennen, weil sie kein Band haben. „Wenn sie ins Tal wollen, müssen sie einen Test kaufen und machen.“ Anders geht’s nicht.

Was den Seilbahnen den Aufwand erleichtert: Sie müssen keine Kontakte erfassen. „Das hilft uns enorm, gerade den kleinen Betrieben, die gar nicht das Personal haben“, sagt Stauch. Und so hat er aus der Region nur positive Rückmeldungen vernommen. „Alle wollen aufmachen.“

Inzidenzen und Co.

Natürlich spielt die Inzidenz im Landkreis eine große Rolle hinsichtlich der nun geplanten Öffnungen: Erstmals seit dem 19. März fiel sie am Donnerstag wieder unter 50 auf exakt 35,1. Damit scheint die 100, die eine Rückkehr in die Bundesnotbremse und die Schließung aller Angebote bedeuten würde, erst einmal nicht so nah. Weiterhin ist für einen Wechsel in eine andere Inzidenz-Stufe die 3/5-Regel gültig. Drei Tage in Folge, um nach einem Karenztag hoch zu gehen (verschärfen), fünf Tage in Serie unter einem Wert, um zu lockern.

Weitere nahende Grenzwerte:
Inzidenz unter 50: Ein stabiler Wert unter 50 würde für den Tourismus durchaus Konsequenzen bedeuten. Denn die Angebote wie Seilbahnen, Bäder oder Theater könnten dann ohne Testpflicht genutzt werden. Das gilt jedoch nicht für die Übernachtungsangebote. Außengastronomien und Handel dürften unter Hygieneauflagen komplett öffnen.

Inzidenz unter 35: Sinkt der Wert stabil unter 35, dann gibt es Veränderungen hinsichtlich der Kontaktbeschränkungen, nicht aber für touristische Belange. Unter 35 dürften sich Menschen aus drei Haushalten (maximal zehn) treffen.

Doch selbst seinem Großunternehmen sind Grenzen gesetzt: bei der Grenzthematik. Dass die Österreicher nach Deutschland ohne Test einreisen dürfen, hat zur Folge, dass sich Gäste der Tiroler Zugspitzbahn zwar am Gipfel bewegen, aber nicht auf den Gletscher fahren dürfen. Selbst dann nicht, wenn sie einen Test hätten. „Wir können das nicht auch noch kontrollieren“, sagt Stauch deutlich.

Geschlossen bleibt allerdings bis auf Weiteres die Karwendelbahn in Mittenwald. „Da wir die Innengastronomie nicht öffnen dürfen, haben wir uns dazu entschieden“, informiert Vorstand Wolfgang W. Reich via Pressemitteilung. Da ihm zufolge am Mittwoch ein halber Meter Neuschnee gefallen ist, sei ein Biergartenbetrieb auf 2244 Metern Höhe faktisch nicht möglich. „Wir gehen aufgrund der Wettervorhersage davon aus, dass wir die kommenden sieben Tage geschlossen haben werden.“

Corona-Lockerungen: Kinos sperren wieder auf - Gäste aus einem Haushalt dürfen zusammenv sitzen

Raya macht sich auf die Suche, um den letzten Drachen im Lande Kumandra zu finden. Dieser soll Licht und Einheit in die Welt zurückbringen – und in den Landkreis endlich wieder ein Stück Normalität in die Kinosäle. Der Disney-Kinderfilm war am Donnerstag um Punkt 15 Uhr der erste, der nach monatelanger Pause auf der Leinwand des Murnauer Kinos im Griesbräu lief. Strahlende Augen, kullernde Freudentränen – die Emotionen sind zurück.

„Endlich“, sagt Betreiber Georg Betzmeir. Maximal 50 Personen darf er in seinen Saal lassen, der eigentlich 216 Menschen Platz bietet. „Aber alles geht ganz unkompliziert.“ Kommen dürfen Getestete, Geimpfte, Genesene (mit Nachweis), oder der Besucher trägt sich mit seinen Daten in eine Liste ein.

Gäste aus einem Haushalt dürfen zusammen sitzen, ansonsten müssen Besucher Plätze freilassen, um den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Im gesamten Kino gilt Maskenpflicht – lediglich am Platz dürfen Gäste darauf verzichten. Trotz aller Maßnahmen freut sich Betzmeir über die Wiedereröffnung, er glaubt fest an die Magie des Kinos. „Ein Film muss einfach auf der großen Leinwand angeschaut werden.“

Derweil macht eine betrübliche Nachricht aus Oberammergau die Runde: Das idyllische Heimgartenkino hat für immer den Vorhang geschlossen. Vom Kinocenter Lamm und Hochland in Garmisch-Partenkirchen waren gestern keine Informationen zu erhalten.

Corona: Urlaub an Pfingsten - Wichtigste Säule für Jugendherbergen könnte wegbrechen

Man kann schon von Euphorie sprechen, die in den Worten von Petra Weckerle mitschwingt: „Wir freuen uns einfach, dass wieder Leben bei uns einzieht“, sagt die Leiterin der Familien-Jugendherberge in Burgrain. „Unsere letzten Gäste haben wir am 24. Oktober 2020 verabschiedet.“ Seitdem herrschte Stillstand in all den vier Jugendherberge im Landkreis. In den Pfingstferien ist die Auslastung in Burgrain durch Familien gut, auch für die Wochenenden danach und die Sommerferien gibt es Grund zu Optimismus. „Die Menschen wollen verreisen und sind dankbar für unser Angebot“, betont Weckerle.

Die wichtigste Säule für Jugendherbergen könnte jedoch wegbrechen: Das Geschäft mit den Schulklassen ist auf Eis gelegt, hier droht der Totalausfall. Das trübt auch die Vorfreude von Daniel Eisfeld. „Schulklassen machen gut ein Drittel unserer Gäste aus“, betont der Leiter der Jugendherberge in Oberammergau. Deshalb erwartet er ein durchwachsenes Jahr 2021. Familien können die Schüler nicht ersetzen: „Es wird ein großes Defizit bleiben.“ In Oberammergau gibt es für die Pfingstferien 1050 Buchungen, eine deutliche Steigerung trotz gleicher Situation zum Vorjahr. Nach den Ferien ist jedoch Luft nach oben.

Hygienekonzepte sind überall vorhanden. Klar ist auch: Bei der Anreise muss ein Negativtest vorliegen, wer länger bleibt, braucht alle 48 Stunden einen weiteren Nachweis. Selbst können die Herbergen die Abstriche aktuell noch nicht anbieten, der Verband arbeitet aber an einer Lösung.

Corona in Garmisch-Partenkirchen: Höllentalklamm und Partnachklamm wieder für Gäste geöffnet

„Es ist schon viel Arbeit, schweißtreibend.“ Bernhard Ostler sagt’s ganz nüchtern. Was der Referent der Höllentalklamm und seine drei, manchmal vier Kameraden von der Alpenvereinssektion Garmisch-Partenkirchen in den vergangenen Wochen geleistet haben, war enorm. Dabei hatten sie ein Ziel vor Augen: Das Naturdenkmal bis zum morgigen Samstag wieder für die Öffentlichkeit herzurichten. Das ist ihnen geglückt. Ab 8 Uhr können Wanderer und Alpinisten – „unbedingt mit festem, wasserdichtem Schuhwerk, auch Grödel wären nicht schlecht“ – den Weg durch die Klamm nutzen. An der Eingangshütte gibt’s Getränke und Essen „zum Geh’n“.

Vor allem der „ungewöhnlich viele“ Schnee machte Ostler und seinen Helfern zu schaffen. Die betonharten Lawinen, die von der Alpspitz- oder Waxensteinseite in die Klamm gestürzt waren, galt es zunächst zu sprengen. „Anschließend haben wir den Schnee in die Klamm geschaufelt.“ An einer Stelle erwartet die Besucher noch immer nicht der Blick auf den Hammersbach. Stattdessen gehen sie an einer massiven Schneewand entlang. Geländer und Seile sind aber angebracht. „Heute werden noch die Elektrokabel kontrolliert und die Beleuchtung überprüft“, sagt Ostler. Dann kann die Tour Richtung Höllental am Samstag beginnen. Mit Auflagen: „In der Klamm herrscht natürlich Maskenpflicht“, betont der Referent. Zudem empfiehlt er eine Regenjacke als Schutz vor dem tropfenden Wasser.

Ab Samstag öffnet auch die Partnachklamm wieder für Gäste. In diesem Jahr war die Klamm noch bis Mitte April teilweise mit Eis und Schnee bedeckt, und auch Corona verzögerte Teile der notwendigen Baumaßnahmen bis Mitte März. Neben den üblichen Revisionsarbeiten mussten heuer noch rund 80 Meter Weg in der Klamm teilweise sogar mithilfe eines Helikopters saniert werden. Der Durchgang selbst ist wie im vergangenen Corona-Sommer nur einseitig möglich. Das heißt: von Norden nach Süden. Damit ist klar, dass sich Besucher auf den etwas beschwerlicheren Rückweg über Vordergraseck einstellen müssen. Beim Besuch der Klamm ist eine Maske zu tragen, die Abstandsregeln sind zu beachten.

Nicht nur die Wege sind ab sofort wieder in Top-Zustand, auch technisch ist im Bereich der Kasse alles neu. Tickets gibt es ab sofort auch bargeldlos am Automaten. Auch der Einsatz der Luca-App ist an der Klamm möglich. Die Besucher können sich mit ihrem Smartphone über eigens angebrachte Plakate registrieren.  tab/cf/akr/joho/csc

Genesen, geimpft oder getestet: Dieses Prinzip steht ab kommendem Wochenende in Bayerns Ausflugsregionen auf dem Prüfstand. Urlauber sollten sich genau informieren, welche Corona-Regeln in Bayern wo gelten. Grainau sieht derweil kein Land mehr. Bürgermeister Stephan Märkl treibt eine Sorge um. Er weiß nicht, wie ein kleiner Ort wie seiner die Corona-Testvorgaben in Grainau für Urlauber erfüllen soll. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen GAP-Newsletter.

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