Hofft auf eine baldige Wiedereröffnung: Peter Eursch, Direktor der Spielbank Garmisch-Partenkirchen – hier ein Archivfoto.
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Hofft auf eine baldige Wiedereröffnung: Peter Eursch, Direktor der Spielbank Garmisch-Partenkirchen – hier ein Archivfoto.

Ertrag sinkt um 31 Prozent

Corona verhagelt der Garmisch-Partenkirchner Spielbank das Geschäft

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Die Spielbank Garmisch-Partenkirchen bekommt das Corona-Jahr 2020 besonders hart zu spüren: Der Bruttospielertrag sackte um 31 Prozent ab auf rund 7,8 Millionen Euro. Dies hat auch Folgen für den Markt, der eine jährliche Abgabe aus dem Kasino-Geschäft erhält.

Garmisch-Partenkirchen – Jede Krise hat ihre Gewinner und Verlierer. Dies ist bei der Corona-Pandemie nicht anders: So jubelt beispielsweise der Versand- und Online-Handel über boomende Geschäfte. Katzenjammer herrscht hingegen bei den neun bayerischen Spielbanken, zu denen auch das Haus in Garmisch-Partenkirchen zählt. Die Staatsbetriebe wurden 2020 arg gebeutelt: Über viereinhalb Monate hinweg blieben ihre Türen während der beiden Lockdowns geschlossen. Und auch in der restlichen Zeit war das Kasino-Fieber gedämpft – kein Wunder angesichts der Hygieneauflagen. Maskenpflicht und Plexiglas-Scheiben als Infektionsschutz fördern nunmal nicht gerade den Spielspaß.

Die Folge: verhagelte Bilanzen. Der Bruttospielertrag aller Spielbanken des Freistaats, die dem Finanzministerium unterstellt sind, lag am Jahresende bei rund 57 Millionen Euro – etwa ein Drittel weniger als 2019. Damit ist, vereinfacht gesagt, das Geld gemeint, das die Gäste an den Tischen und Automaten verlieren. Das Kasino in Garmisch-Partenkirchen, das sich in bester Lage Am Kurpark befindet, konnte sich dem Negativ-Trend nicht entziehen. In der jetzt vorgelegten Statistik wimmelt es nur so von Minuszeichen. Der Bruttospielertrag stürzte demnach im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent ab – auf rund 7,8 Millionen Euro (rund 800 000 Euro im Großen Spiel und 7 Millionen Euro an den Automaten). Insgesamt wurden an die 46 000 Besuche gezählt – ein Minus von satten 63 Prozent.

„Der Rückgang ist enorm“, teilt Spielbank-Direktor mit

Spielbank-Direktor Peter Eursch redet nicht um den heißen Brei herum: „Der Rückgang ist enorm“, sagt der Beamte. Ob unterm Strich ein wirtschaftlicher Verlust oder Gewinn stehen wird, könne aber noch nicht gesagt werden. Der Jahresabschluss werde derzeit erst erstellt. „Ich hoffe auf eine schwarze Null oder geringe Verluste“, sagt Eursch.

Der Rückschlag schmerzt seiner Ansicht nach doppelt, weil der 80 Mitarbeiter starke Betrieb, der seit 1955 besteht, zuletzt stets Zuwächse verzeichnen konnte. Besonders bitter: Im Corona-Jahr 2020 blieben die internationalen Gäste fern – und damit zahlungskräftige Kunden, die an den Roulette-, Black-Jack- und Poker-Tischen sowie an den Automaten für hohe Umsätze sorgen.

Negativ-Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Finanzlage der Marktgemeinde

Die Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Finanzlage der Marktgemeinde. Denn diese streicht jedes Jahr 15 Prozent des Bruttospielertrags ein – eine hübsche Summe, die angesichts der vielen Projekte, die gestemmt und finanziert werden müssen, guttut. Damit die Mindereinnahmen heuer nicht ganz so heftig ausfallen, kommt laut Eursch eine Sonderregelung zum Tragen. Die Kommune erhält dabei vom Freistaat eine Art Ausgleich. Genaue Zahlen liegen zwar noch nicht vor, da es sich um eine komplizierte Berechnung handelt, die die Spielbank-Erlöse in den Jahren 2017 bis 2019 berücksichtigt. Eursch geht aber davon aus, dass Garmisch-Partenkirchen nur einen moderaten Abschlag verkraften muss. „Dies ist eine Hilfe für die Standortkommunen, die ohnehin mit weniger Steuergeldern auskommen müssen“, erläutert er.

Der Direktor bleibt optimistisch – und hofft, dass sich heuer die Lage wieder normalisiert: „Man muss nach vorne blickt. Wir lassen uns von Corona nicht einschüchtern.“ Derzeit ist zwar die Einrichtung noch geschlossen. Doch hinter den Kulissen wird bereits an Konzepten gefeilt, um das Spielbank-Erlebnis noch attraktiver zu machen. So ist unter anderem eine Neugestaltung des Großen Spiels geplant – mit Unterstützung der Studenten der Schulen für Holz und Gestaltung, die Design-Entwürfe erarbeiten. Eursch ist sich aber bewusst, dass der Neustart kein Spaziergang wird: „Wir müssen um die Gäste neu kämpfen.“

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