Dr. Felix Groß aus Hagen ist neuer Versorgungsarzt im Landkreis.
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Dr. Felix Groß aus Hagen ist Versorgungsarzt im Landkreis.

Neue Aufgabe: Dr. Felix Groß ist ein wichtiger Verbindungsmann

Coronakrise: Deshalb besitzen Hausärzte „überragende Bedeutung“

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
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Niedergelassenen Hausärzten, die den Löwenanteil der Covid-19-Erkrankten betreuen, kommt eine „überragende Bedeutung“ in der Coronakrise zu. Das untermauert Dr. Felix Groß, neuer Versorgungsarzt im Landkreis. Er ist der Verbindungsmann zwischen wichtigen Behörden, Kliniken und ambulanten Medizinern.

Landkreis – Ruhestand? Von wegen. Der hausärztliche Internist Dr. Felix Groß hat seine Murnauer Praxis zwar Ende 2018 übergeben, aber er steckt bis zum Hals in einer „sehr, sehr intensiven Arbeit. Meine Nächte sind deutlich kürzer geworden“. Seine Gedanken kreisen täglich bis zum späten Abend um seine neue Aufgabe: Was sind die nächsten Schritte, was gilt es zu organisieren?

Corona im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Niedergelassene Allgemeinmediziner betreuen das Gros der Erkrankten 

Seit rund einer Woche ist Groß Versorgungsarzt bei der Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landkreis. Er steht in engem Kontakt mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten, damit Kranke, die nicht akut in Kliniken behandelt werden müssen, in der Corona-Pandemie medizinisch gut versorgt bleiben – auch Covid-19-Patienten mit leichten Symptomen. Groß ist Verbindungsmann zwischen Gesundheitsamt, Führungsgruppe, Kliniken sowie den niedergelassenen Medizinern im Landkreis – und damit auch der Mann am Puls der ambulanten Hausärzte, denen er eine „überragende Bedeutung“ beimisst: Sie betreuten etwa 90 bis 95 Prozent der Covid-19-Erkrankten, betont Groß; bei diesen Fällen komme es „auf den guten Kontakt zwischen Hausarzt und Patient an“. Es gilt, schwere Verläufe, die in der Minderheit sind, rechtzeitig zu erkennen. Sie machen eine Klinik-Aufnahme nötig.

Derzeit halten Mitarbeiter des Gesundheitsamts die Verbindung zu Kontaktpersonen, zu Infizierten. Das sei originäre Aufgabe des Hausarztes, sagt Groß. Im Gesundheitsamt arbeite man am Anschlag. „Es muss geklärt werden: Wer macht in dieser Situation was? Wir haben noch ein paar Tage Zeit, bevor es eine Überlastung gibt.“ Hier gelte es, die vorhandenen Ressourcen in Hausarztpraxen optimal einzusetzen. Ehemalige Mediziner könnten bei Engpässen im Hintergrund – etwa am Telefon – Unterstützung leisten. Bei niedergelassenen Fachärzten macht vernetztes Arbeiten nach Ansicht von Groß ebenfalls Sinn. Zu seinen Aufgaben zählt, sich darum zu kümmern. Ebenso richtet er den Blick auf die Gruppe der aus Kliniken entlassenen Covid-19-Patienten und die Frage, wer im Anschluss wie die weitere Betreuung und Überwachung übernimmt.

Mangel an Corona-Schutzkleidung: Situation wird sich „in den nächsten Wochen deutlich entspannen“ 

Aktuell lotet der Fachmann aus Hagen/Riegsee die Bildung von insgesamt sechs bis sieben Covid-19-Schwerpunktpraxen in den Landkreis-Talschaften aus. Dazu läuft eine Umfrage unter den Hausärzten. Groß, der wohl Versorgungsarzt bleiben wird, so lange der Katastrophenfall gilt, kennt die Probleme der Kollegen in diesen Corona-Zeiten. Persönliche Schutzausrüstung (PSA), derzeit international Mangelware, sei auch im Landkreis „brutal knapp“. Sobald Nachschub eintrifft – das soll in dieser Woche geschehen –, ist es Aufgabe von Groß, für ein System zu sorgen, mit dem die PSA transparent, gerecht und vor allem sinnvoll verteilt wird. Praxen, die bei der Behandlung von Covid-19-Patienten an vorderster Front stehen, müssten neben Pflegeheimen und Dialysestationen „vorrangig beliefert werden“, betont Groß. Er rechnet damit, dass sich die PSA-Situation „in den nächsten Wochen deutlich entspannen wird“. Aktuell stellt sich die Lage sehr unterschiedlich dar: Die eine Praxis habe nur noch 2 Schutzkittel, eine andere 20.

Coronakrise: „Vereinzelt“ haben sich Hausärzte im Landkreis bereits mit dem Virus infiziert

Für manchen kommt dieses wichtige Material zu spät: „Vereinzelt“ haben sich niedergelassene Mediziner im Landkreis bereits mit dem Coronavirus infiziert und sind erkrankt. Generell gibt es nach Angaben von Groß unter den Hausärzten „eine gewisse Sorge“, die mit der Behandlung von Corona-Patienten und Verdachtsfällen einhergeht: Muss ich in der Folge meine Praxis schließen, steckt sich Personal an, infiziere ich mich selbst? Wie kann man die Situation managen? Dennoch hat Groß den Eindruck, dass seit seiner Installation als Versorgungsarzt unter den Allgemeinmedizinern „die Stimmung sehr positiv ist und es in dieser Gruppe eine überragend große Bereitschaft gibt, daran teilzunehmen“. Zu Beginn der Coronakrise habe große Verunsicherung geherrscht. Das habe sich geändert. Man hat eine gewisse Erfahrung im Umgang sowie die Erkenntnis gewonnen, dass man sich untereinander abstimmt. Und es gibt Groß, der sein Aufmerksamkeit auf die Gruppe der Hausärzte richtet, denen bei der Bewältigung der Pandemie eine so wichtige Rolle zukommt.

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