Ordentlich Betrieb: der zugefrorene Froschsee bei Murnau am Samstag.
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Ordentlich Betrieb: der zugefrorene Froschsee bei Murnau am Samstag.

Probleme quer durchs Werdenfelser Land

Riesen-Ansturm trotz Corona: Kleiner See plötzlich „Hotspot“, Bürgermeister greift durch - Es hagelt Anzeigen

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Die Kältewelle hat erste Seen zufrieren lassen – und einen Freizeitansturm ausgelöst. Murnau musste am Samstag die Notbremse ziehen und einen See sperren. Corona-Regeln wurden reihenweise gebrochen.

Murnau/Landkreis Garmisch-Partenkirchen – Als Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) am Samstag nach einem Hinweis seines Ordnungsamtschefs zum Froschhauser See, der im Volksmund einfach nur Froschsee genannt wird, eilte, traute er seinen Augen nicht: Auf der verhältnismäßig kleinen Eisfläche ging es zu wie in einem Taubenschlag – obwohl es bereits spät am Nachmittag war. Schätzungsweise 100 bis 200 Menschen tummelten sich auf dem Eis, genossen die frische Winterluft, fuhren Schlittschuh oder spielten Eishockey. Beuting spricht von einer „großen Ansammlung“. Am Parkplatz ging es derart zu, dass die Polizei 40 Verstöße ahnden musste.

Corona in Oberbayern: Winterwetter lockt ins Freie - Abstandsregeln verletzt

Doch das Autochaos war noch das geringste Problem: Viele der Froschsee-Besucher hielten sich nicht an die Kontaktbeschränkungen, die eine Ausbreitung der Corona-Pandemie verhindern oder zumindest eindämmen sollen. So wurde beispielsweise dem Vernehmen nach reihenweise die Abstandsregel gebrochen. Und dass ein Mannschaftssport wie Eishockey eigentlich tabu ist, interessierte an diesem herrlichen Wintertag auch niemanden.

„Das geht nicht“, sagt Beuting. „Wir haben einen kompletten Lockdown.“ Und da dürfe es nicht – bei allem Verständnis für den Erholungs- und Freizeitbedarf – zu solchen Hotspots kommen. Der Murnauer Ortschef und seine Verwaltung zogen daher noch am Samstag die Reißleine – und verhängten per Eilverordnung ein Betretungsverbot.

Seen im Werdenfelser Land und Isartal plötzlich im Brennpunkt: Am Pflegersee hagelt es Anzeigen

Nach Tagblatt-Informationen ist es bislang die einzige Sperrung eines Sees im Landkreis. Dies ergaben eine Umfrage unter Bürgermeistern und eine Nachfrage bei der Polizei (Stand: Sonntagmittag). Am Wochenende ging es nicht nur am Froschsee ziemlich zu, sondern auch an den ebenfalls bereits zugefrorenen Gewässern im Werdenfelser Land und Isartal. Übrigens: Auch in München, am Nymphenburger Kanal, musste die Polizei eingreifen.

Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen wiederum gab es am Pflegersee bereits eine Auseinandersetzung mit den Ordnungshütern, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd berichtet. Dort weigerten sich Samstagmittag sieben Personen, den Abstand einzuhalten – obwohl sie von den Beamten explizit dazu aufgefordert worden waren. Die Folge: Es hagelte Anzeigen. „Wir versuchen, das immer zuerst kommunikativ zu lösen“, sagt Polizeisprecher Martin Emig. Doch wenn der Appell an die Vernunft nichts bringt, bekomme man die Härte des Gesetzes zu spüren. Auch die bayerische Landespolitik hat die Ausflugs-Problematik im Blick.

Landkreis Garmisch-Partenkirchen in der Corona-Krise: Bürgermeister und Polizei beobachten Situation an den Seen

Bürgermeister und Polizei beobachten indes sehr genau die Situation im Landkreis. Noch ist die Hoffnung groß, dass die Menschen einsichtig bleiben. Und möglicherweise sorgt eine anhaltende Kälteperiode für Entspannung. Dies könnte dann der Fall sein, so das Kalkül, wenn auch größere Seen wie der Staffelsee geschlossene Eisdecken gebildet haben und sich die Erholungssuchenden besser verteilen.

Doch es ist nicht auszuschließen, dass weitere Sperrungen folgen, wenn der Ansturm und damit das Ansteckungsrisiko zu groß werden. Beispielsweise will Grainaus Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) das Thema mit seiner Verwaltung besprechen. Denn die Situation auf dem Eibsee – der herrlich gelegene Bergsee ist ebenfalls seit vergangener Woche zugefroren und daher ein beliebtes Ausflugsziel – sei mitunter „grenzwertig“.

Winter in Bayern: Vorsicht beim Gang aufs Eis

Abgesehen von der Corona-Thematik muss sich jeder, der sich aufs Eis begibt, der Gefahren bewusst sein. Es ist Vorsicht geboten. Das eisige Idyll hat viele Tücken, etwa an den Ein- und Ausflüssen. Mitunter besteht Lebensgefahr. Erst wenn bei stehenden Gewässern die Eisfläche mindestens 15 Zentimeter dick ist (bei Bächen und Flüssen sind es sogar 20 Zentimeter), sei sie tragfähig, warnt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft.

Alleine steht Oberbayern mit den Winter-Sorgen übrigens nicht da: In Österreich wurden „katastrophale Bilder“ aus den Skigebieten übermittelt.

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