Mit Symptomen durch Garmisch

Corona-Chaos: Herrmann kündigt deutliche Konsequenzen für Bar-„Superspreaderin“ an - Söder legt nun nach

Der heftige Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen geht offenbar auf eine einzige Frau zurück. Sie soll bewusst die Quarantäne missachtet haben. Bayern Innenminister Herrmann reagiert empört und fordert ein klares Signal.

Update, 15. September, 14.07 Uhr: Aktuell läuft eine Pressekonferenz zum Infektionsgeschehen in Garmisch-Partenkirchen durch die Corona-Superspreaderin. Wir tickern live.

Update vom 14. September, 9.03 Uhr: Nach dem turbulenten Wochenende im Markt Garmisch-Partenkirchen und Umgebung gibt es einige neue Details zu der US-Amerikanerin, die ihre Coronaviren offenbar in Bars und Kneipen verteilt haben soll und zur Corona-Lage im Landkreis Garmisch-Partenkirchen allgemein.

Update vom 13. September, 22.25 Uhr: Nach dem Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen hat sich jetzt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zu dem Fall in einem Gespräch mit bild.de geäußert. Dem CSU-Chef nach müsse man über ein empfindliches Bußgeld sprechen. Es sei unverantwortlich, die Quarantäne-Zeit nicht einzuhalten.

Besonders junge Menschen seien im Augenblick diejenigen, die die Infektionen nach oben treiben. Deshalb sei es entscheidend, dass sich jeder an die gegebenen Regeln hält, um ein weiteres Ansteigen der Infektions-Zahlen zu verhindern, so Söder.

Erstmeldung vom 13. September 2020

München - Nach einem heftigen Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen fordert Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Konsequenzen für die mutmaßliche Verursacherin. „Sollte sich bestätigen, dass die Frau bewusst trotz eindeutiger Corona-Symptome die Quarantäne ignoriert hat, muss sie mit einem empfindlichen Bußgeld rechnen“, sagte er. „Gegen so eine Rücksichtslosigkeit sollte ein klares Signal und ein mahnendes Beispiel gesetzt werden, dass jeder mit empfindlichen Sanktionen rechnen muss, der in dieser besonderen Situation gegen die Regeln verstößt und andere vorsätzlich in Gefahr bringt.“

Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen: Superspreaderin im Visier des Gesundheitsamtes

Das Landratsamt geht davon aus, dass der Ausbruch auf eine sogenannte Superspreaderin zurückzuführen ist. Die 26-Jährige soll durch verschiedene Kneipen in der Marktgemeinde gezogen sein und dabei mehrere Menschen angesteckt haben. Nach Angaben der Behörde hat sie auf der Kneipentour schon Symptome* gehabt und auf die Ergebnisse ihres Tests gewartet. In Bayern kann bei Verstößen gegen Quarantäne-Auflagen ein Bußgeld von 2000 Euro verhängt werden.

„Die Dame hat Symptome gehabt, war bei uns bei der Teststation und wurde aufgrund der Symptome aufgefordert, in Quarantäne zu bleiben. Das hat sie aber nicht getan“, sagt Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamtes. Die 26-Jährige sei kurz zuvor aus einem Urlaub in Griechenland zurückgekehrt. Ob sie sich auf der Reise angesteckt hat oder danach, das sei aber unklar.

„Fälle, in denen die Leute das Testergebnis nicht abwarten, gibt es ja öfter“, sagt Scharf. „Und die Nationalität ist ja im Grunde auch wurscht. Aber wir wollten, dass möglichst viele Menschen sich melden, die sich daran erinnern, in den letzten Tagen in einer Kneipe Kontakt zu der Frau gehabt zu haben.“ Um die Identifikation für mögliche Kontaktpersonen einfacher zu machen, veröffentlichte die Behörde darum, dass es sich bei der Frau um eine US-Amerikanerin handelt, die in Garmisch-Partenkirchen lebt und arbeitet.

Coronavirus-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen: Wer in Bars unterwegs war - soll sich melden

Weil sich bislang nicht alle Kontaktpersonen nachverfolgen ließen, fordert die Gesundheitsbehörde diejenigen, die an oder vor diesem Abend in örtlichen Bars unterwegs waren, auf, sich bei der Hotline des Gesundheitsamtes (08821/751-500) zu melden und sich testen zu lassen. Der Aufruf richtet sich vor allem an junge Leute zwischen 18 und 35 Jahren.

Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen: Besonders Menschen zwischen 18 und 35 sollen sich testen lassen.

In einem Hotel, in dem die Frau arbeitet, wurden nach Angaben Scharfs bislang 24 Menschen positiv getestet. Insgesamt belief sich die Zahl der Neuinfektionen bis Samstag auf 37. Die Sieben-Tage-Inzidenz* lag bei 54 und damit über der kritischen Marke von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen. „Die müssen sich natürlich nicht alle bei ihr angesteckt haben“, betont Scharf.

„Wir wollen das Nachtleben runterfahren“ Garmisch-Partenkirchen will Corona-Ausbruch bremsen

„Aus medizinischer Sicht ist mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Infektionen im Landkreis zu rechnen“, teilte das Landratsamt mit und verhängte bereits am Freitag Beschränkungen für das öffentliche Leben. „Wir wollen das Nachtleben, das der Auslöser war, runterfahren.“ Alle Gaststätten müssen nun um 22 Uhr schließen. Nur noch maximal fünf Personen dürfen sich im öffentlichen Raum gemeinsam treffen – das gilt auch für alle Gastronomiebetriebe. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Die Corona-Zahlen in Bayern steigen aktuell wieder. Drei bayerische Städte haben derzeit den Grenzwert an Neuinfektionen überschritten. Alle News im Ticker*. Topvirologe Hendrik Streeck fordert einen Strategiewechsel im Umgang mit der Corona-Pandemie. Alle Entwicklungen in Deutschland zum Thema Corona finden Sie hier.

Weil die Zahl der Corona-Infizierten in Österreich konstant ansteigt, werden jetzt wieder striktere Maßnahmen eingeführt. Auch die Wahl in Wien könnte betroffen sein.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/AFP

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