Elisabeth Koch spricht
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Elisabeth Koch kennt die Sorgen und Nöte der Tourismus-Betriebe.

„So kann es nicht weitergehen“

Lockdown trifft Tourismus hart: Bürgermeister schreiben an Söder -„Da gehen Familien vor die Hunde“

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Eine Perspektive in der Corona-Pandemie - das fordern Garmischs Bürgermeisterin Elisabeth Koch und sechs weitere Bürgermeister für den Tourismus in einem offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder.

  • Perspektivlosigkeit im Corona-Lockdown macht Tourismus-Betrieben und ihren Mitarbeitern zu schaffen.
  • Auch in Garmisch-Partenkirchen ist Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
  • Sieben Bürgermeister haben nun einen Brief an Söder geschrieben - darin fordern sie Lockerungen für den Tourismus.
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Garmisch-Partenkirchen – Markus Söder bekommt momentan viel Post. Von Eltern, die vom bayerischen Ministerpräsidenten verlangen, den Schulbetrieb wieder zu starten, von Kulturschaffenden und Einzelhändlern, denen an verbindlichen Aussagen zu Lockerungen liegt. Genau darum geht es auch den Bürgermeistern aus sieben touristisch geprägten Gemeinden – darunter Elisabeth Koch aus Garmisch-Partenkirchen. Sie fordern endlich Aussichten für Beherbergungsbetriebe, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen.

Corona in Garmisch: Bürgermeister schreiben Brief an Söder - und fordern Lockerungen für Tourismus

„So kann man nicht weitermachen“, empört sich Koch, die in puncto Corona „extrem vorsichtig“ ist. Die „diffusen Regeln, die niemand mehr versteht“, und vor allem die Perspektivlosigkeit machen ihr aber zu schaffen. „Ich sehe und erlebe täglich, wie’s weiter den Bach runtergeht.“ Damit spielt sie auf den Tourismus und den Einzelhandel an. „Da gehen Familien und Existenzen im Kleinen wie im Großen vor die Hunde.“

Um dem Einhalt zu gebieten, haben sie und ihr Kollege aus Oberstdorf sich den fünf Gemeinden der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee angeschlossen. Unter dem Titel „Wo sind unsere Perspektiven?“ verlangen die Rathauschefs eine Lockerung für alle Hotels und Pensionen, für Betriebe in der Gastronomie und Freizeitwirtschaft zu Ostern 2021. Schließlich gebe es in dieser Branche längst verlässliche Hygienekonzepte, so ihre Botschaft.

Tourismus-Regionen in Bayern: Bürgermeister fordern von Söder Lockerungen zu Ostern

Der Vorstoß der Kommunalpolitiker freut Christian Bär, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. „Nachdem wir mit unserem Verband bisher nicht zur Bundes- und Landesregierung vorgedrungen sind, sind wir auf die Bürgermeister zugegangen.“

Neben den sieben, die den offenen Brief unterzeichnet haben, weiß der Direktor des Alpenhofs in Murnau von weiteren, die ihn und seine Kollegen unterstützen. „Jeder, der unsere Anliegen vertritt und auf unser Dilemma aufmerksam macht, ist hilfreich.“

Nach derzeitigem Stand darf der Einzelhandel zum 7. März wieder öffnen, Hotellerie und Gastronomie allerdings nicht. „Eine unglaubliche Ungerechtigkeit, darin sehe ich totale Willkür“, empört sich Bär. Die ausgetüftelten Hygienekonzepte der einzelnen Betriebe in Verbindung mit den jetzt zugelassenen Schnelltests „sind doch ein machbarer Ansatz“.

Corona-Lockdown in Bayern: Situation für viele Unternehmen kritisch

Dem kann sich Koch nur anschließen. Für sie ist das, was aktuell passiert, „eine Salamitaktik“. So könne es aber nicht weitergehen, vielmehr müssen den Menschen jetzt Perspektiven eröffnet und ihre gravierenden Ängste ernst genommen werden. Zudem „leben wir vom Tourismus“, unterstreicht die Bürgermeisterin. In den Alpenregionen sei der Fremdenverkehr für eine stabile Wirtschaftslage unverzichtbar, heißt es in dem offenen Brief. Allein in Garmisch-Partenkirchen betrug der touristische Bruttoumsatz 2019 rund 330 Millionen Euro.

Die direkte und und indirekte Abhängigkeit des Arbeitsmarkts vom Tourismus sei immens. Zwar konnten die Betriebe den ersten Lockdown mit Hilfe des Sommergeschäfts einigermaßen kompensieren, durch die neuerliche Schließung seit 20. November 2020 „ist die Situation vieler Unternehmen kritisch“.

Video: Bayern-Gipfel mit Merkel und Söder: Landräte wollen Lockerungen

Tourismus in Bayern: Großer Frust und Hoffnungslosigkeit im Corona-Lockdown

Das bestätigt Bär, der weiß, wie groß der Frust und die Hoffnungslosigkeit unter seinen Kollegen ist. Koch und Co. haben zudem nicht gewerbliche Privatvermieter oder Ferienwohnungsbesitzer auf dem Schirm, die bislang keinerlei Anspruch auf Corona-Hilfen haben. Trotzdem müssen sie, wie jeder andere Betrieb, Steuern und weitere Gebühren abführen.

Dazu kommt, dass die Buchungslage für diese Sommersaison schlecht ist. Die mangelnde Planungsperspektive wirkt sich auch auf die Gäste aus. Sollten jedoch nur Beherbergungsbetriebe öffnen, Ausflugsziele und Gastronomie aber weiterhin geschlossen bleiben, „verliert der Aufenthalt in den Urlaubsregionen zu stark an Attraktivität“, schreiben die Bürgermeister.

„Wir fürchten um die Qualität in unseren touristischen Betrieben, die stark von geeignetem Personal abhängt. Sollten wichtige Destinationen außerhalb Bayerns in der unmittelbaren Umgebung früher wiedereröffnen, riskieren wir eine Abwanderung von qualifiziertem Fachpersonal.“

Bürgermeisterin appelliert an Söder: Tourismus bei Lockerungen berücksichtigen

Aussichten, die Koch die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Deshalb pocht sie darauf, endlich auch den Tourismus bei den anvisierten Lockerungen zu berücksichtigen. „Hier geht es um Familien, alleinerziehende Mütter, Väter, die keinen Unterhalt mehr zahlen können.“ Sie alle verbinden Hoffnungslosigkeit und Existenzängste. „So kann es nicht weitergehen.“

Ein Pizza-Brand löste kürzlich in Grainau einen Feuerwehr-Großeinsatz aus. 65 Mann rückten aus - und weckten einen 23-Jährigen aus dem Tiefschlaf. Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen hingegen befand sich zu Beginn der Woche im Dauereinsatz wegen der neuen Grenz-Regelungen. Wichtig: Pendler nach Tirol müssen vor der Rückkehr die elektronische Einreiseanmeldung ausfüllen und sich regelmäßig auf das Corona-Virus testen lassen.

(Von Tanja Brinkmann)

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