Hält sich gern in Garmisch-Partenkirchen auf: Thailands Monarch Rama X. 
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Hält sich gern in Garmisch-Partenkirchen auf: Thailands Monarch Rama X. 

Rama X. genießt Diplomatenstatus

„... an Corona verrecken“: Landrat bekommt Drohbriefe wegen Thailand-König in Garmischer Hotel

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Der Aufenthalt von Thailands König in Garmisch-Partenkirchen bewegt viele Menschen - und manche sind richtig wütend. Landrat Anton Speer bekommt das zu spüren.

  • Immer wieder sorgt der thailändische König für Aufsehen, weil er auch in Corona-Zeiten in Garmisch-Partenkirchen in einem Hotel residiert.
  • Einige ärgern sich über die scheinbare Sonderbehandlung für den Thai-König in Sachen Corona-Auflagen.
  • Jetzt bekommt diesen Ärger auch Landrat Anton Speer zu spüren - per Hass-Anrufe und Drohbriefe.
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Garmisch-Partenkirchen – Drohszenarien sind für Anton Speer nichts Neues. Wie auch. Er hat den G-7-Gipfel auf Schloss Elmau 2015 in federführender Position erlebt, stand an vorderster Front. „Ich hatte sogar Polizeischutz“, blickt der Landrat zurück. Logisch, dass er in der Schusslinie der Gipfelgegner stand. „Da bekam ich sehr viele Drohungen.“

Thai-König residiert in Garmisch-Partenkirchen: Landrat wird bedroht

Fast fünf Jahre sind seither vergangen. Zum Start in seine zweite Amtsperiode nach seinem Erdrutschsieg vom 15. März aber sieht sich der Unterammergauer (61) mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Dieses Mal ist es Thai-König Maha Vajiralongkorn, genannt Rama X., der dem Landkreis-Oberhaupt einiges an Ärger bereitet. Dass die Behörde dem entsprechenden Hotel die Erlaubnis, den umstrittenen Monarchen zu beherbergen, nicht verweigert hat, da lediglich touristische Übernachtungen verboten waren, nehmen viele Speer persönlich krumm. „Ich habe Hass-Anrufe, Drohbriefe und sogar eine Dienstaufsichtsbeschwerde bekommen“, betont der Landrat.

FDP-Politiker befürchtet Negativpresse wegen Thai-König in Garmisch-Partenkirchen

Das Thema war im ersten Kreistag wieder aufgekommen. Ganz am Ende der öffentlichen Sitzung unter dem Punkt Sonstiges. Martin Schröter (FDP) hatte das Wort ergriffen und seinem Unmut über die Situation Luft gemacht. „Wir kommen immer wieder wegen desThai-Königs in die Schlagzeilen, haben es sogar in den Spiegel geschafft“, führte Schröter aus. „Ich weiß nicht, ob wir uns solche Negativpresse auf Dauer leisten können.“ 

Garmisch-Partenkirchen als Corona-Residenz für Thai-König: Bevölkerung protestiert

Kämpferisch : Landrat Anton Speer lässt sich von den Drohungen nicht unterkriegen. 

Zudem habe es Proteste aus der Bevölkerung gegeben. Der deutsche Vize-Botschafter Luxemburgs konnte sich auch einen Seitenhieb auf die alte und neue Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, Dr. Sigrid Meierhofer und Elisabeth Koch, nicht verkneifen. „Laut dem Spiegel-Artikel waschen sie ihre Hände in Unschuld.“ Schröter mahnte an, diesen „Monarchen mit einer eher skandalösen Vita“, nicht bevorzugt zu behandeln. „Kann man auf rechtsstaatlichem Wege nicht Lösungen finden?“, fragte er den Landrat.

Landrat ist zum Thai-König-Hotel gefahren, um mit dem Geschäftsführer zu sprechen

Speer nahm den Ball auf, konnte Schröter aber wenig Hoffnung machen. „Wir haben dem König einen Bescheid zukommen lassen, wie er sich verhalten soll.“ Speer selbst ist sogar zum Hotel gefahren, nachdem ein Anruf im Landratsamt eingegangen war, dass der König mit einem Tross von 30 Mann vor dem Hotel stehe und eine Radltour unternehme. Ohne Resultat.

Landrat im Hotel, in dem Thai-König wohnt: Monarch wollte angeblich zum Radeln

Im Gespräch mit dem Tagblatt wurde Speer konkreter. Er selbst habe vor dem Hotel niemanden angetroffen, dann aber mit dem Geschäftsführer gesprochen, der ihm versicherte, dass sich die Gruppe des Königs im Hotel befände. „Wir haben nochmals darauf hingewiesen, dass der König die Vorgaben einhalten muss.“ 

Thai-König genießt Diplomatenstatus

Allerdings sind der Kreisbehörde in gewisser Hinsicht auch die Hände gebunden. „Er genießt Diplomatenstatus“, sagt Speer. Diese Information habe er auch aus dem Innenministerium erhalten. „Und ich werde keinen Diplomaten 14 Tage in Quarantäne stecken. Da gelten schlichtweg andere Regeln.“ Für Staatsoberhäupter sei zudem das Auswärtige Amt zuständig, fügt Amtssprecher Stephan Scharf an.

Drohbriefe an Landrat wegen Thai-König sogar aus den Niederlanden

Die Drohbriefe und E-Mails füllen im Landratsamt mittlerweile einen Ordner, verrät Scharf. „Die kommen aus ganz Deutschland, sogar aus den Niederlanden, kaum aus der Region, die kann man an einer Hand abzählen.“ Speer spricht die Inhalte offen an. „Da heißt es, ich sollte gesteinigt werden, an Corona verrecken.“ Nicht die feine englische Art. Scharf ging den Schreiben nach. „Ich habe unzählige Telefonate geführt.“ Und erlebte überraschende Reaktionen. „Die meisten waren klein mit Hut und haben sich entschuldigt.“

Landrat von Garmisch-Partenkirchen will auf keinen Fall mit Thai-König Kaffee trinken

Für Speer ist das Thema erledigt – zumindest, solange keine neuen Nachrichten über Verfehlungen des Thai-Monarchen im Amt eintrudeln. Er hat auch keinerlei Interesse an einem Treffen mit Rama X. „Ich will es gar nicht“, betont er. „Sonst werden da vielleicht noch Bilder gemacht, wie man einen Kaffee trinkt, dann heißt es doch gleich wieder, dass etwas gemauschelt wird.“ 

Dass dem nicht so ist, darauf legen die Verantwortlichen der Kreisbehörde größten Wert. „Da gibt es nichts zu mauscheln, was wir getan haben, war seinerzeit durch die Allgemeinverfügung gedeckt“, betont Scharf nochmals.

FDP-Politiker wird wegen Kritik an Umgang mit Thai-König zurechtgewiesen

Im Kreistag bekam zum Abschluss Schröter noch sein Fett ab. Koch ließ die Kritik an ihr freilich nicht gelten, betonte, der „Markt hat damit gar nichts zu tun“ und merkte an, sie hätte sich „von einem, der selbst dem diplomatischen Korps angehört“ mehr Sachkenntnis in dieser Sache erwartet. 

Das Thema Negativ-Schlagzeilen rief Gerhard Schöner (CSU) auf den Plan. „Dass Sie hier aufstehen, trägt sicher nicht dazu bei, dass wir positiver drin stehen“, monierte der Mittenwalder. „Da hätten Sie sich besser mit dem Landrat in Verbindung gesetzt, als das populistisch auszuschlachten.“ Schröter nahm’s zur Kenntnis. Kritik ist auch für ihn nichts Neues.

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