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Programm für daheim

Unterhaltung in Corona-Krise: „Westtor Radio“ geht online auf Sendung - „Kulturelle Grundversorgung“ über Facebook

Veranstaltungen sind abgesagt: Trotzdem muss niemand auf Kultur verzichten. Die Westtorhalle und  der Partenkirchner Künstler Andreas M. Bräu bieten sie für daheim an.

Landkreis – Es sind Zeiten, in denen es im Minutentakt schlechte Nachrichten hagelt. Deshalb lassen sich Kulturschaffende des Landkreises wie die Westtorhalle in Riedhausen oder der Partenkirchner Künstler und Autor Andreas M. Bräu nun Aktionen einfallen, wie Unterhaltsames in die Wohnzimmer kommen kann:

Die Riedhauser Westtorhalle musste im Zuge der Corona-Krise die Schotten dicht machen. Damit die Bevölkerung trotzdem in den Genuss von Unterhaltungskunst kommt, hat ein Team rund um den Vorsitzenden Claus Auwärter das „Westtor Radio“ ins Leben gerufen. Mittels dieser Plattform sollen Künstler die Möglichkeit bekommen, in die Häuser der Menschen zu gelangen. „Von archivierten DJ-Sets über Konzertaufnahmen bis hin zu Live-Mitschnitten wollen wir das gewohnt umfangreiche Kulturangebot auch auf diesem neuen Weg zur Verfügung stellen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Laut Auwärter stecke das Projekt aber noch in den Kinderschuhen, eine Weiterentwicklung sei wünschenswert. Etwa ist geplant, Vorträge, Lesungen oder Theaterstücke über „Westtor Radio“ anzubieten. Der Zugang erfolgt über www.westtor.de – auf die Inhalte kann per Facebook oder Youtube zugegriffen werden. Die Beiträge sind auf den genannten Kanälen sowie über Soundcloud zum Nachhören abrufbar.

Coronakrise und ihre Folgen: Herber Verlust für Künstler

Im Zuge dessen will der Verein auch freiberufliche Künstler unterstützen, die im Angesicht der Krise mit fehlenden Einnahmen zu kämpfen haben: In Kürze können für die „Sendungen“ virtuelle Eintrittskarten auf freiwilliger Basis erworben werden. Der Erlös kommt den Künstlern zugute. „Dadurch wollen wir das Westtor-Konzept verwirklichen. Denn es ist uns ein großes Anliegen, allen Menschen Zugang zu Kultur zu bieten und gleichzeitig Kunstschaffende in ihrem Wirken zu unterstützen“, erklärt der Zweite Vorsitzende Felix Maderspacher. Immerhin mussten auf einen Schlag acht Veranstaltungen sowie fünf regelmäßig stattfindende Programmpunkte abgesagt werden. Was für die Künstler ein herber Verlust sei, wäre für die Halle vergleichsweise leicht zu verschmerzen: „Als ehrenamtlich geführter Verein zählen wir auf die Beiträge vieler Mitglieder. Daher ist unsere Existenz nicht bedroht.“ Hinzu kommt die gute Kooperation mit der Gemeinde Seehausen, die die Hallenpacht nach Bekanntgabe der Schließung umgehend gestundet hat. Um sich solidarisch zu zeigen, hat das die Westtorhalle mit seinen Untermietern inklusive Barbetreiberin ebenfalls getan. „Wirtschaftlich ist unser Verein kaum von der aktuellen Krise betroffen und darf sich auf anderes konzentrieren“, heißt es in der Pressemeldung.

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Und genau das haben sich die Verantwortlichen zu Herzen genommen, indem sie das „Westtor Radio“ etablierten. Dieses überträgt bislang an zwei Tagen in der Woche – donnerstags und samstags ab 21 Uhr. Ziel ist es, die Halle auf diese Weise als aktive und pulsierende Plattform weiterzuführen. „Jetzt, wo sich viele Leute angstvoll Zuhause einigeln, ist das besonders wichtig. Darum wollen wir ein Zeichen setzen“, sagt Maderspacher.

Dreh vor dem heimischen Bürgerregal

Auch der Partenkirchner Autor und Künstler Andreas M. Bräu bietet nun eine „kulturelle Grundversorgung“ via Internet an. Seine Fastenpredigt beim Starkbieranstich im Schatten musste entfallen. Danach war er erst einmal geknickt – bis ihn die Live-Streams des Bayerischen Staatstheaters und des Münchner Residenztheaters auf eine Idee brachten. Warum sollen das eigentlich bloß die „Großen“ machen? „Zimmertheater für die weite Welt, das ist doch eine schöne Idee.“ Also setzt er sich jetzt regelmäßig vor die heimische Bücherwand und dreht eine Folge seiner „Kulturellen Grundversorgung“ für jeden, der mag. Kostenlos, gegen die Langeweile – für Zuversicht, Inspiration und eine Prise Bildung.

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Den Auftakt machte er mit der frei nacherzählten Sage von Philemon & Baucis: Oha, das klassische Griechenland kann uns wieder mal allerhand lehren. „Meine Inhalte drehen sich lose um das, was gerade tatsächlich in der Welt los ist“, sagt er. „Bei Philemon & Baucis ist das Oberthema die Gastfreundschaft, die ja gerade auf die härteste aller denkbaren Proben gestellt wird. Wir dürfen unsere Werte jetzt nicht vergessen.“

Neben den Werten darf auch der Humor nicht zu kurz kommen. Die zweite, freigeschaltete Folge heißt „Eine kleine Schnitzel-Episode“. Bräu hat sie frei nach Ephraim Kishons „Großem Steak-Epos“ gestaltet: „A bisserl was Bayrisches gehört natürlich auch zur Grundversorgung“, sagt er am Telefon erfreut. Demnächst behandelt er „Karl Valentin auf Kur“: „Das ist plötzlich wieder erstaunlich aktuell.“ Er habe bereits Lob und Anregungen erhalten, denen er gerne nachkommen wird.


Zum Bräu-Programm:

Zuschauen kann jeder über Andreas M. Bräus Facebook-Seite. Es ist keine eigene Facebook-Mitgliedschaft nötig; einfach die Aufforderung „Anmelden oder Neues Konto erstellen“ ignorieren.

Zum Westtor-Programm:

Infos gibt es auf www.westtor.de. Künstler, die bei dem Projekt mitwirken möchten, oder Menschen, die Anregungen zur Entwicklung des Kanals haben, melden sich per Mail an redaktion@westtor.de.

Infos gibt es auf www.westtor.de. Künstler, die bei dem Projekt mitwirken möchten, oder Menschen, die Anregungen zur Entwicklung des Kanals haben, melden sich per Mail an redaktion@westtor.de.

Constanze Wilz & Eva Klaehn

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