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Das Plakat ist gerade: Enrico Corongiu an einer Wand in Klais, in der Nähe des Bahnhofs.

Viele Termine stehen noch an 

Der Countdown bis zu Bundestagswahl läuft

Nur noch drei Wochen bis zum Urnengang und die Spannung steigt. Der Terminkalender der Kandidaten ist voll – viele von ihnen plakatieren selbst

Landkreis – Die Spannung steigt. Nur noch drei Wochen bis zur Bundestagswahl am 24. September. Verschiedenste Plakate der Parteien hängen seit Wochen an den Litfaßsäulen der Gemeinden. Der Anwärter auf das Kanzleramt Martin Schulz (SPD) und Kontrahentin Angela Merkel (CDU) sind überall präsent. Aber auch die Kandidaten des Wahlkreises Weilheim 226 – zu dem der Landkreis Garmisch-Partenkirchen gehört. Zu ihnen zählen Alexander Dobrindt (CSU), Enrico Corongiu (SPD), Gabriela Seitz-Hoffmann (Bündnis 90/Die Grünen), Martin Schröter (FDP), Edeltraud Schwarz (AfD), Reinhard Böttger (Die Linke), Dr. Maiken Winter (ÖDP) und Siegfried Seelos (Bayernpartei). Doch wer hängt die Plakate eigentlich auf?

Auf Tagblatt-Nachfrage zeigt sich, dass fast alle Kandidaten ihre Bilder selbst an die Wände kleben. Bis auf Dobrindt, der ja als Bundesverkehrsminister hauptsächlich in Berlin arbeitet. „Die Verteilung der Plakate erfolgt über die CSU-Landesleitung“, sagt Johann Bertl vom Wahlkreisbüro in Peißenberg. SPD-Kandidat Enrico Corongiu packt selber an – wenn auch nicht im ganzen Wahlkreis. „Das schaffe ich nicht“, sagt er und lacht. Helfer der Ortsvereine helfen ihm. Nur nicht in seiner Heimat im Oberen Isartal: Da schnappt er sich Kleister und Pinsel.

Seitz-Hoffmann, Winter, Seelos, Schröter und Schwarz packen beim Plakatieren ebenfalls mit an. „Selbstverständlich“, sagt Schwarz. „Ich verteile auch Flyer.“

Schröter hängt sogar Plakate anderer Parteien wieder auf

FDP-Kandidat Martin Schröter geht sogar soweit, dass er Bilder von anderen Kandidaten bei seinen Touren durch die Gemeinden mit aufhängt. Zum Beispiel von der SPD. „Da sind einige abgerissen worden“, sagt er. Das findet er unmöglich. Darum kleistert er die, die nicht zerstört sind, wieder an die Tafeln und Säulen. „Das bedeutet Demokratie für mich.“

Bei den Kosten für den Walkampf müssen viele Kandidaten ebenfalls Eigeninitiative zeigen. Diese werden teilweise durch die Mitgliederbeiträge ihrer Partei im Wahlkreis, durch Spenden gedeckt. Aber eben nicht alles. Böttger etwa stemmt vieles mit Privatmitteln. „Wir nehmen keine Spenden von Firmen an“, sagt er. Auch Seelos muss finanzielles Engagement zeigen. „Für meine Plakate komme ich auf“, sagt er. Edeltraud Schwarz ist mit ihrem Auto viel unterwegs. Mehr als 48 000 Kilometer hat sie seit März vergangenen Jahres zurückgelegt. Mehr als 22 000 Kilometer davon für den Wahlkampf. „Das finanziere ich zu einem Großteil aus eigener Tasche“, betont sie. Auch wenn in den Programmen ihrer Parteien unterschiedliche Punkte aufgelistet sind, eines haben alle Kandidaten gemeinsam: Für den Wahlkampf opfern sie viel Zeit. Oft neben ihrem Beruf. Der Stress wird bis zum 24. September wohl nicht weniger werden.

Viele Termine - viele positive Begegnungen

Dr. Maiken Winter von der ÖDP bewertet dies positiv. Sie hatte in den vergangenen Wochen viele interessante Begegnungen, sagt sie. Zum Beispiel als sie vor einigen Wochen mit dem Fahrrad durch den Wahlkreis gefahren ist. Beim Bäcker ist sie auf einen jungen Mann getroffen, der aus einem riesigen Pick-Up gestiegen ist. „Der hat sofort für unsere Tempo-30-Kampagne unterschrieben“, betont sie. „Das hätte ich nie gedacht.“ Auch Corongiu steckt mittendrin im Wahlkampf. „Eigentlich dauert der schon fast ein Jahr an“, sagt er. Vor fast einem Jahr ist der Mittenwalder nämlich zum Bundestagskandidaten ernannt worden. Trotz vollem Terminplan begeistern ihn die Begegnungen mit den Menschen. „Ich mache viele Erfahrungen und komme mit den Bürgern ins Gespräch.“ Dem schließen sich die anderen Kandidaten an. „Der Wahlkampf ist Teil der politischen Meinungsbildung und wichtiges Element jeder Wahl“, teilt Dobrindt-Sprecher Bertl mit.

Die nächsten Wochen werden wohl für alle Politiker noch intensiv. „Klar ist es schön, wenn man abends mal wieder etwas anderes unternehmen kann“, sagt Corongiu. Momentan ist er in seiner Freizeit hauptsächlich damit beschäftigt E-Mails von Bürgern zu beantworten. Auch bei Schröter ist in den nächsten drei Wochen noch viel los. Bei ihm stehen zahlreiche Veranstaltungen im Terminkalender. Da geht es ihm nicht anders, als den anderen Bundestagskandidaten. „Ich schaue aber, dass ich mein Limit nicht überschreite“, betont er. Schließlich muss man als Wahlkämpfer gute Stimmung verbreiten. „Man muss mutig und kraftvoll auftreten, sonst kann man die Leute auch nicht von sich überzeugen.“

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