Volle Kraft voraus: In Anlehnung an das frühere Autohaus hat Nina Strauß (2.v.l.) die Front eines Fahrzeugs zum Tresen umfunktioniert. Die Einrichtung des „alpen.work“ trifft den Geschmack von Oliver Steinbach (l.), Dr. Sigrid Meierhofer (M.), Peter Imminger (2.v.r.) und Sebastian Kramer. 

Neue Arbeitsform in Garmisch-Partenkirchen

Coworking Space „alpen.work“: Eine Denkfabrik für Freischaffende

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Arbeiten, Kontakte knüpfen, die Aussicht genießen – und das alles gleichzeitig und an einem Ort. Widerspricht sich eigentlich. Der neue Coworking Space „alpen.work“ in Garmisch-Partenkirchen soll’s möglich machen. Kopieren erwünscht.

Garmisch-Partenkirchen– Es klopft an der Tür. Ein Geschenk wird geliefert. Ein Blumenstrauß für Nina Strauß. Währenddessen lässt sich Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) in einen Sitzsack plumsen, streckt Beine und Arme von sich. Oliver Steinebach gesellt sich in das Exemplar daneben. „Ist das gemütlich“, sagt er und schaut dabei durch die große Fensterfront auf das Wetterstein-Gebirge. In einer Ecke sitzen Peter Imminger und Sebastian Kramer an einem Arbeitstisch Probe. Sie alle sind begeistert – von den Räumen, von der Einrichtung, vom Konzept und von der Betreiberin des neuen Coworking Space an der Hindenburgstraße 30.

Mit „alpen.work“ hat sich Strauß einen Traum erfüllt. Die 44-Jährige arbeitet freiberuflich als Lern-Coach, nutzte in der Vergangenheit zum Beispiel in München diese Art von „Büro“. In Garmisch-Partenkirchen, dem Ort, in dem sie lebt, bot sich ihr eine solche Möglichkeit nicht. Also machte sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Objekt. Im vergangenen Sommer trat Strauß in Kontakt mit der Marktgemeinde – heute ist sie am Ziel angelangt. Das „alpen.work“ öffnet offiziell am 1. Dezember.

Ergebnis eines langjährigen Prozesses

Die Idee, einen Coworking Space in Garmisch-Partenkirchen einzurichten, reifte aber bereits über Jahre hinweg. Zum ersten Mal wurde Meierhofer damit 2014, als frischgebackene Bürgermeisterin konfrontiert, sagt sie. Sie nahm an Sitzungen der Kreisentwicklungsgesellschaft (KEG; heute Zugspitz Region GmbH) teil, die aber gleich den großen Schritt mit einem Gründerzentrum wagen wollte. Nach dem G7-Gipfel forcierte die Kommune die Pläne weiter, befragte Unternehmen, hielt die Augen nach einem Betreiber offen und stimmte die Verantwortlichen bei der Zugspitz Region um. „Mir ist es gelungen, Herrn Imminger zu bezirzen“, sagt die Rathauschefin und grinst. Über den Wandel ist der Vorsitzende des Beirats für Wirtschaft und Soziales im Nachhinein froh. „Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem die Zugspitz Region etwas vorzuweisen hat.“ Die GmbH unterstützte das Privatprojekt heuer mit einer Anschubfinanzierung von 10 000 Euro, die Marktgemeinde mit 15 000 Euro. Der gleiche Betrag soll für den Haushalt 2018 genehmigt werden. Imminger hofft, dass das „alpen.work“ der Beginn einer Erfolgsstory sei, die im Landkreis weitergeschrieben werden kann. Heißt konkret: Das Angebot soll im Idealfall in anderen großen Orten wie Mittenwald oder Oberammergau Nachahmer finden.

Den Hauptanteil am Gelingen trägt aber Strauß, die die „Denkfabrik“ vorantrieb, wie sie Oliver Steinbach, Wirtschaftsförderer des Marktes, bezeichnet. Sie rief eine Facebook-Seite und -Gruppe ins Leben, um das Projekt zu bewerben und potenzielle Nutzer anzulocken. Selbst die geschmackvolle Einrichtung mit Farbkonzept, 18 Arbeitsplätzen mit Trennwänden, Küche samt Tresen sowie kleinen Tischen mit Stühlen, einem Besprechungsraum gestaltete sie. „Hier müssen die Gedanken nur so fließen“, schwärmt Meierhofer. Die Betreiberin hat aber noch ein weiteres Anliegen: der Austausch zwischen den Freiberuflichen, die im Coworking Space aufeinandertreffen. Außerdem plant Strauß Workshops, Filmeabende und informelle Treffen. „Ich will, das etwas Lebendiges entsteht.“

Anfragen trudeln schon ein

Schon jetzt gehen bei ihr die ersten Anfragen ein. Falls der Platz nicht reicht, besteht die Möglichkeit, neben dem ersten Obergeschoss auch das zweite anzumieten. Langfristig wird beabsichtigt, dass sich das „alpen.work“ zu einer Pendlerstation entwickelt. Große Arbeitgeber zum Beispiel aus München sollen einsteigen und es ihren Angestellten ermöglichen, dort für eine gewisse Zeit zu arbeiten. Das Lockmittel: Der Gewerbesteuersatz sei im Vergleich zu Ballungsgebieten noch relativ günstig, meint Steinbach. Mit diesem Ziel verbindet man eine Hoffnung: „Damit unsere Söhne und Töchter hier wohnen können“, betont die Bürgermeisterin. Der Nebeneffekt: Vereine wie Feuerwehr oder Musikkapelle würden wieder gestärkt, weil ihnen das Personal nicht abwandert.

Trotz des Coworking Spaces verliert man das Gründerzentrum nicht aus den Augen. „Das sind wir der Bevölkerung schuldig“, sagt Imminger. Es wäre eine Ergänzung. Dabei geht es weniger um eine Denkfabrik als vielmehr um Büro- und Produktionsflächen für Gründer im Bereich Handwerk beispielsweise. Wie Kramer, in Personalunion Geschäftsführer der Zugspitz Region und Wirtschaftsförderer des Landkreises, mitteilt, sei das Geiger-Gelände längst nicht aus dem Spiel. Der Coworking Space – er soll einen Beginn markieren.

Die Kosten

Vollzeitplatz (24 Stunden/7 Tage): 290 Euro inklusive Mehrwertsteuer; Teilzeit: 180 Euro; 1 Tag: 25 Euro; halber Tag: 15 Euro; Geschäftsadresse für Post: 59 Euro im Monat.

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