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Damit könnte bald Schluss sein: (v. l.) Stella Heiß, Andrea Schöpp und Corinna Scholz beim Curlen in Halle III. 

Curler sind erbost

Traditionsclub vor dem Aus

Einer traditionsreichen Sportabteilung wird wohl die Existenzgrundlage entzogen. Denn nach aktuellem Stand kann die Curling-Abteilung des SC Riessersee die Halle III ab März nicht mehr nutzen. Die Gemeindewerke Garmisch-Partenkichen wollen diese anderweitig verwenden. 

Garmisch-Partenkirchen – Die Stimmung von Rainer Schöpp ist momentan nicht die beste. „Es kann nicht sein, dass man eine ganze Sparte abschafft“, schimpft der Abteilungsleiter Curling des SC Riessersee. Er sieht sich und seine Sportler vor vollendete Tatsachen gestellt. „Das ist unfair.“

Grund von Schöpps Unmut: Die Garmisch-Partenkirchner Curler können die Halle III ab Ende Februar 2018 nicht weiter nutzen. Dies hat der Verwaltungsrat der Gemeindewerke beschlossen. Somit steht die Abteilung, die 35 bis 40 Aktive hat und auf eine mehr als 50-jährige Geschichte zurückblicken kann, vor dem Aus. „Der deutschland- und europaweit erfolgreichste Curling-Club wird plattgemacht“, beklagt Schöpps Schwester Andrea.

Mangelnde Fairness?

Dass die Hallennutzung ausläuft, war schon seit längerem klar. Was die Schöpps aber besonders wurmt, ist, dass in den vergangenen ein bis zwei Jahren kein Gespräch mit den Verantwortlichen von den Gemeindewerken zustandekam, um nach einer Lösung zu suchen. „Man hätte sich treffen und Ideen austauschen können“, betont Rainer Schöpp. Gemeindewerke-Vorstand Wodan Lichtmeß weist den Vorwurf der mangelnden Fairness zurück. „Es kam keiner auf uns zu mit der Bitte, da müssen wir reden.“ Rainer Schöpp bestreitet dies.

Lichtmeß legt in einem Brief an den Abteilungsleiter die Gründe für den Schritt dar. „Ab Ende Februar 2018 soll die Halle III künftig ganzjährig anderen Nutzungsmöglichkeiten offenstehen, die das Defizit des Eisstadions von rund 1,4 Millionen jährlich senken sollen. Eventuell soll sie sogar komplett verpachtet werden“, schreibt Lichtmeß. Für den laufenden Betrieb der Curlinghalle flossen lange jährlich Bundesmittel in Höhe von 20.000 Euro, die über den Olympiastützpunkt Bayern an die Gemeindewerke weitergereicht wurden. Diese Zuschüsse wurden jedoch 2014 eingestellt. „Die Förderung deckte im Übrigen das Betriebskostendefizit der Curlinghalle schon lange nicht mehr“, erklärt Lichtmeß.

Die Gemeindewerke stellten trotz Einstellung der Bundes-Förderung die Halle weiterhin zur Verfügung. Für die Curler sei das Ganze ohnehin weitgehend kostenlos gewesen, „weil sie ihre Eiszeiten durch einen Zuschuss des Marktes gefördert bekamen“. Die Betriebskosten betrugen laut Lichtmeß jährlich 60.000 bis 80.000 Euro.

Geschwister Schöpp wollen drohendes Ende nicht akzeptieren

Bei der Erarbeitung von Konzepten für eine bessere Auslastung insbesondere der Halle III erwies sich der „Eisblock“ von Oktober bis Februar nach Darstellung des Gemeindewerke-Vorstands immer wieder als Planungshindernis. „Die Curlinghalle ist unter diesen Umständen deutlich unattraktiver für potentielle Anbieter von Freizeitaktivitäten.“ Was Lichtmeß zudem betont: „Curling unterliegt auch nicht der Daseinsvorsorge.“

Er persönlich „finde es immer bedauerlich, wenn eine Sportart aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiterbetrieben werden kann“. Lichtmeß ist überzeugt: Bei gutem Willen hätte „eine Weiterförderung, wenn nicht sogar deutliche Aufstockung der Betriebskostenförderung durch den Bund möglich sein müssen“. Zu einer etwaigen Verpachtung des Gebäudes will Lichtmeß noch nichts sagen. Nur so viel: Ein Interessent müsste pro Jahr einen höheren fünfstelligen Betrag berappen.

Die Geschwister Schöpp wollen das drohende Ende nicht akzeptieren. Sie fordern einen Termin mit dem Verwaltungsrat beziehungsweise den Gemeindewerken, um zu klären, „welche andere Lösungen es gibt“.

Mittel für Sportart werden gekürzt - bundesweit

Beim Deutschen Curling Verband (DCV) bedauern sie die Entwicklung. Dort stellt man fest, dass bundesweit die Mittel für diesen Sport gekürzt werden. Garmisch-Partenkirchen sei da „keine Ausnahme“, erklärt DCV-Präsident Bernhard Mayr. Er hat Abteilungsleiter Schöpp angeboten, dass man sich zusammensetzt und über etwaige Strategien spricht. Vielleicht, sagt Mayr, könnte man mit regelmäßigen Firmenbuchungen und anderen Veranstaltungen Einnahmen generieren. „Da gibt es gute Ansätze.“ Der DCV selbst hat wenig Geld. „Unsere Mittel sind beschränkt“, betont Mayr. Ein Ende des Curlings in Garmisch-Partenkirchen hielte der DCV-Präsident jedenfalls für ein „schlechtes Signal“, zumal in der Halle III auch viele Meisterschaften ausgetragen wurden.

Roland Lory

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