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Olympia-Gold ist ein neues Kriterium

Dahlmeier wird Ehrenbürgerin: Und wie sieht‘s mit anderen Sportlern aus?

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Neureuther, Höfl-Riesch, Mittermaier, Reindl - Garmisch-Partenkirchen hat viele Sportler aufzubieten, die große Erfolge eingefahren haben. Ehrenbürger der Marktgemeinde wurde noch niemand. Laura Dahlmeier macht den Anfang.

Garmisch-PartenkirchenDie Politik zeigt eindrucksvoll, wie problemlos und flott sich eine Haltung verändern lässt. Es ist kein Jahr her, da betonte Sigrid Meierhofer – SPD-Bürgermeisterin Garmisch-Partenkirchens –, Laura Dahlmeier könne noch keine Ehrenbürgerin in ihrem Heimatort werden. Solche Weihen verleihe man für die Lebensleistung. Nicht für fünf Weltmeistertitel – auch wenn es so etwas in der Geschichte des Biathlons noch nie gegeben hat. Dahlmeier sei zu jung. Übrigens galt das Argument damals auch für Felix Neureuther. Er war und ist 33 Jahre alt.

Im Februar 2018 läuft und schießt Laura Dahlmeier noch immer. Sie ist jetzt 24 und seit Kurzem Ehrenbürgerin Garmisch-Partenkirchens. Noch hat sie ihre Auszeichnung nicht erhalten. Das wird bei einem großen Festakt zelebriert werden. Aber den Entschluss hat die Marktgemeinde gefasst. Er fiel einstimmig. Man muss das extra betonen: Keiner der Politiker im Gremium hat sich dagegen ausgesprochen. Ein Olympiasieg verrückt Maßstäbe, verdreht Ansichten. Meierhofer räumt im Tagblatt ein: Die Diskussion habe sie im Vorjahr überrumpelt. Nun hat der Gemeinderat reagiert und die Ehrenordnung um eine Passage erweitert. Wer bei Olympia Einzel-Gold gewinnt, der soll Ehrenbürger werden. So steht es geschrieben. Dieser Zusatz soll alle Probleme und Diskussionen für die Zukunft lösen. Eigentlich. Tatsächlich entstehen ganz neue Probleme.

Franz Reindl ist aufgrund seines Lebenswerks ein Kandidat.

Was zum Beispiel geschieht mit erfolgreichen Mannschaftssportlern? Franz Reindl etwa, der nicht nur Deutscher Meister mit dem SC Riessersee war, sondern auch Olympia-Bronze 1976 (die größte Sensation im Deutschen Eishockey aller Zeiten) gewann und seit Jahrzehnten als Verbandsfunktionär und zuletzt als Präsident den Namen des Ortes in die Welt hinausträgt. Meierhofer sagt: Man könne in Reindls Fall über sein Lebenswerk diskutieren. Getan hat man’s offenbar noch nicht. „Wir wollen mit der Auszeichnung nicht inflationär umgehen“, betont sie. Aber was bedeutet in diesem Kontext schon inflationär. Unter den 37 Ehrenbürgern der Marktgemeinde findet sich kein einziger Sportler. Wintersport-Ort – damit wirbt Garmisch-Partenkirchen jedoch bei den Touristen.

Ein weiterer Punkt: Wie geht Garmisch-Partenkirchen mit Sportlern um, die die Anforderungen erfüllen. Maria Höfl-Riesch gewann 2010 in Vancouver Doppel-Gold. „Eine Rück-Abwickelung funktioniert aber nicht“, stellt Meierhofer klar – obwohl die Skifahrerin ihre Heldentaten als Garmisch-Partenkirchnerin vollbracht hat. Seit einigen Jahren wohnt sie in Kitzbühel. Die Auszeichnung steht jedoch nur dem zu, der in Garmisch-Partenkirchen wohnt. Bei Rosi Mittermaier – der Doppel-Olympiasiegerin von 1976 – verhält es sich umgekehrt. Sie mag zwar nun in Garmisch-Partenkirchen leben, ihre Medaillen gewann sie aber als Reit im Winklerin. Was nicht heißt, dass keiner der drei nachträglich geehrt wird. Manchmal kann sich alles ganz schnell ändern.

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