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Organisieren das Gemeinschaftsprojekt: (v.l.) Annett-Maria Jonietz, Alexander Huhn, Sarah-Jean Buck, Dr. Sigrid Meierhofer, Anton Speer und Günther Sponar.

Anerkennung für immenses Engagement

Dankesfest: Flüchtlingshelfer werden gefeiert

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Sie opfern ihre Freizeit für die Allgemeinheit. Oft viele Stunden pro Woche. Nun wird für die Freiwilligen in der Flüchtlingshilfe ein Fest im Garmisch-Partenkirchner Kongresshaus organisiert – als ein kleines Zeichen der großen Dankbarkeit.

Landkreis – Es gibt sie nicht, die Stellenbeschreibung für einen Flüchtlingshelfer. Das Anforderungsprofil – es wäre kaum zu erfüllen. Die Leistung – unbezahlbar. Denn er muss alles zugleich sein: Berufsberater, Psychotherapeut, Rechtsbeistand, Wohnungs-Makler, Lehrer. „Manchmal“, sagt Annett-Maria Jonietz, „gehört sogar Trauerarbeit dazu.“ Wenn Migranten den Abschiebungsbescheid erhalten und mitten aus ihrem neuen Leben gerissen werden. Der Job kann an die Substanz gehen. Viele haben kapituliert. Aus Frust, weil der gewünschte Erfolg ausblieb. Doch den rund 800 Menschen im Landkreis geht der Atem nicht aus, auch wenn die Anfangseuphorie schwindet.

Immenses Bedürfnis, „Danke“ zu sagen

Ihr ehrenamtliches Engagement ist alles andere als selbstverständlich. Zumal sich das Anforderungsprofil im Vergleich zur Anfangszeit der Flüchtlingskrise geändert hat. Damals waren sie noch mehr Lotsen im Behördendschungel, heute begleiten sie die Flüchtlinge als erfahrene Partner auf dem Weg zu einer gelungenen Integration. Sie sind die leisen Stützen der Gesellschaft. Ihr Einsatz wird geschätzt. „Wir haben ein immenses Bedürfnis, Danke zu sagen“, betont Alexander Huhn, Geschäftsführer des Caritas-Zentrums Garmisch-Partenkirchen. Dieses organisiert zusammen mit dem Landkreis, der Marktgemeinde und dem Freiwilligen Zentrum „Auf geht’s“ deshalb nun ein Gemeinschaftsprojekt – ein Dankesfest am Freitag, 5. Mai, für alle ehemaligen und aktiven Freiwilligen im Kongresshaus.

An diesem Tag stehen sie im Fokus. Nicht die Politiker, nicht die Flüchtlinge. Nur ihre Wünsche, Sorgen und Erfahrungen. Sie sollen sich in lockerem Ambiente kennenlernen, sich austauschen und Antworten auf Fragen bekommen, die ihnen seit langen auf der Seele liegen. „Vielleicht motiviert der Abend auch“, sagt Günther Sponar von der Caritas-Asylsozialberatung.

An Arbeit mangelt es den Ehrenamtlichen nicht

An Arbeit mangelt es den 17 Helferkreisen, die sich in den vergangenen zwei Jahren formiert haben, nicht, machte Landrat Anton Speer deutlich. Auch wenn die rückläufigen Zahlen anderes vermuten lassen. Aktuell leben 1043 Flüchtlinge im Landkreis, verteilt auf 28 Unterkünfte. Davon befinden sich 703 Personen im laufenden Asylverfahren, 55 sind unbegleitete Flüchtlinge und 285 Fehlbeleger. Den Löwenanteil trägt Garmisch-Partenkirchen mit 352 Migranten. „Das funktioniert gut bei uns“, sagt Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Trotz der „Unruhen“ im vergangenen Jahr, ist das kein neues Phänomen. Damals „gab es einfach Probleme mit der Erstaufnahmeeinrichtung“. Als „rechtsfreien“ Raum bezeichnet sie das Abrams. Vergangenheit. „Das hat sich geändert.“

Freude und Frust geben sich die Klinke in die Hand

Schwierigkeiten treten trotzdem immer wieder auf, die aber nicht die Asylbewerber verursachen, sondern die ein ablehnender Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge auslöst. Weil dieses letzter Zeit viele Entscheidungen trifft, herrscht „Mandantenflut“, sagt Sarah-Jean Buck. Denn die Betroffenen wollen klagen. „Das Verwaltungsgericht fällt oftmals ein besseres Urteil“, berichtet die Fachdienstleiterin der Asylsozialberatung. Zu wenig Anwälte, zu viele Fälle. Das lockt schwarze Schafe an. Es gibt Kanzleien, „die nicht seriös arbeiten“. Sie schreiben Rechnungen, ohne Leistung zu bringen. Auch in diesen Fällen müssen die Flüchtlinge an die Hand genommen werden. Keine leichte Aufgabe. Und sicher steht am Ende nicht immer der Erfolg. Das ist das Los der Ehrenamtlichen. Freude und Frust geben sich manchmal die Klinke in die Hand. Ihr Lohn ist die Dankbarkeit fürs Durchhalten.

Das Helferfest

findet am Freitag, 5. Mai,  von 18 bis 22 Uhr im Richard-Strauss-Konzertsaal im Kongresshaus statt. Anmeldungen sind bei der Caritas Asyl-Ehrenamtskoordination unter Telefon 0 88 21/ 7 30 60 00 oder per mal an asylberatung-gap@caritasmuenchen.de möglich. Auf dem Programm stehen ein Sektempfang, Musik, Kabarett und Kleinkunst sowie eine moderierte Gesprächsrunde mit Freiwilligen, Kommunal- und Landtagspolitikern.

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