Ein liebevoller Großvater ist Rainer Pokorny nicht nur auf der Bühne, wo er 2016 mit seinen Enkelinnen Helena und Lilian Weckmann (r.) „Die kleine Gräfin“ zeigt.
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Ein liebevoller Großvater ist Rainer Pokorny nicht nur auf der Bühne, wo er 2016 mit seinen Enkelinnen Helena und Lilian Weckmann (r.) „Die kleine Gräfin“ zeigt.

Garmisch-Partenkirchner sieht Theater als Heimat und Familie

„Ich habe ein gutes Leben“: Rainer Pokorny wird 80 - sein großes Glück im Kleinen Theater

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Einer Rolle wegen kam Rainer Pokorny 1968 nach Garmisch-Partenkirchen. Und er blieb. Im Kleinen Theater fand der Wiener sein berufliches, aber vor allem auch sein privates Glück. Am Sonntag, 28. März, feiert er seinen 80. Geburtstag.

Garmisch-Partenkirchen – Der sprichwörtliche Blitz war’s, der Rainer Pokorny im November 1968 getroffen hat. Beim ersten Blick auf Regina Rohrbeck war ihm klar: die oder keine. Dem Objekt seiner Begierde ging’s allerdings nicht so, da musste der junge Schauspieler erst noch Überzeugungsarbeit leisten. Letztlich konnte sich die Tochter der Gründer des erst Kur-, jetzt Kleinen Theaters, Fritz Rohrbeck und Ludmilla Rohrbeck-Holten, aber dem Charme und möglicherweise auch dem Schmäh des Wieners nicht entziehen. Über 50 Jahre sind sie schon verheiratet und nach wie vor glücklich. „Meine besten Freunde haben unserer Ehe nur ein halbes Jahr gegeben“, erinnert sich Pokorny und schmunzelt. Möglicherweise auch, weil die beide Schauspieler ganz unterschiedliche Charaktere sind. Genau das könnte aber das Geheimnis ihrer tiefen Verbundenheit sein, die sie nicht nur privat, sondern auch beruflich zusammengeschweißt hat.

Eine große Liebe verbindet Regina Rohrbeck und Rainer Pokorny, hier 1970 in „Match“.

„Ich habe ein gutes Leben“, sagt Pokorny. Er wiederholt diesen Satz häufig im Gespräch. Genauso betont er mehrfach: „Ich habe viel Glück gehabt.“ Das wird ihm jetzt, wo sein 80. Geburtstag bevorsteht, ganz deutlich. Zwar kann er den am Sonntag wegen Corona nicht so feiern, wie er es sich gewünscht hätte, seine Lieben werden aber da sein, um ihm zu gratulieren. Neben seiner Frau sind es vor allem seine Tochter Tatjana sowie die Enkelinnen Lilian und Helena, denen sein Herz gehört. Dass sie ebenfalls die Leidenschaft fürs Theater gepackt hat, erfüllt ihn mit Stolz, aber auch mit ein bisschen Sorge. Leicht hat man’s dabei nicht immer, vor allem, wenn man wie die Rohrbeck-Pokornys eine eigene Spielstätte betreibt.

Rainer Pokorny vom Kleinen Theater: Situation ist „zum Verzweifeln“

Das Kleine Theater ist für Rainer Pokorny und seine Familie, die Schwiegersohn Matthias Weckmann komplettiert, auch Heimat. Eine, die er jetzt im Corona-Lockdown sehr vermisst. „Zum Verzweifeln“ sei die momentane Situation, der größte Tiefschlag seiner Karriere.

Eine Traumrolle: Als Mephisto in Goethes Faust überzeugt der Wiener 1980 im Kleinen Theater. Noch heute denkt er gern daran zurück: „Das war so gut.“

Dass er einmal auf der Bühne stehen wird, war ihm schon als Kind bewusst. Zunächst versuchte er es mit Geige. „Das schien vielversprechend“, erinnert sich Pokorny an seine Zeit an der Musikakademie. Doch dann entdeckte er das andere Geschlecht und entschied sich gegen sechs- bis achtstündige Übungsmarathons. Wohlgemerkt täglich. Der nächste Versuch: die Ausbildung seiner Gesangsstimme. Daraus einen Beruf zu machen, kam allerdings auch nicht in Frage. „Das hätte ich nervlich nicht ausgehalten“, verrät Pokorny. Und so entschied er sich nach der Matura und dem Wehrdienst für eine Beamten-Laufbahn beim Telegraphenamt, um dann nach drei Jahren festzustellen, dass es das nicht gewesen sein kann. Also besuchte er die Schauspielschule und blieb seither den Brettern, die die Welt bedeuten, treu.

Wiener Schauspieler kommt zufällig nach Garmisch-Partenkirchen

Nach Garmisch-Partenkirchen verschlug es ihn eher zufällig. Ein Kollege rief an und fragte, ob er den Bluntschli in „Helden“ von Bernhard Shaw spielen möchte. Pokorny wollte und blieb. „Ich hab’s nie bereut, auch wenn der Ruf nach Hollywood nicht kam.“ Ob der ihm auch so viel Glück gebracht hätte, wie sein Engagement unter der Alpspitze. Pokorny bezweifelt’s. „Ich habe hier so viel gespielt, über 50 Rollen in mehr als 50 Jahren. Ein Segen. Genau wie seine „wahnsinnig gute Ehe“. Und vor allem seine Tochter, „die all meine Erwartungen übertroffen hat“. Tatjana Pokorny sei ein Glück fürs Theater. „Ich hätte nie gedacht, dass sie eine derartige Stütze wird und sich so klug und intelligent einbringt. Was die alles auf die Beine stellt – einfach unglaublich.“

Unter ihrer Regie probt er, sobald es wieder möglich ist, „Wir sind die Neuen“. Eine Komödie, die den Generationenkonflikt aufgreift. Auf der Bühne den Anweisungen seiner Tochter oder Frau zu folgen, fällt Pokorny nicht schwer. „Wenn jemand etwas zu sagen hat, höre ich gerne zu.“ Zumal er von seinen drei, eher kläglichen Regie-Versuchen weiß, dass er bei den beiden in sehr guten Händen ist. Der Wiener begnügt sich mit der darstellenden Kunst. Er lebt sich aber auch am Bühnenbild aus. „Wenn der Vorhang aufgeht, muss eine Zauberwelt entstehen“, findet er. In die entführt er das Publikum auch wieder, sobald es die Corona-Vorschriften zulassen.

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