Ein Mann ist auf einer großen Videoleinwand zu sehen, davor sitzen Zuhörer, CSU-Plakate hängen an den Wänden.
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Nicht da und doch präsent: Alexander Dobrindt spricht per Videobotschaft zu den CSU-Vertretern.

Das Zepter bleibt in Murnauer Hand

95 Prozent für Rapp: Vize-Landrat erneut zum CSU-Kreisvorsitzenden gewählt

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Die Krise der CDU und CSU war bei den Christsozialen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen Thema. Zudem eine wichtige Personalie. Mit Michael Rapp bleibt die CSU-Kreisregentschaft in Murnauer Hand. Wie seit 20 Jahren.

Garmisch-Partenkirchen – CSU und CDU haben wieder eine waschechte Krise. Die Masken-Affäre um die Bundesparlamentarier Georg Nüßlein (CSU) und Nikolas Löbel (CDU), die für dubiose Maskendeals Provisionen kassiert haben sollen, erschüttert das konservative Lager bis auf die Grundfeste. Auch Dr. Michael Rapp kam bei der Kreisvertreterversammlung am Freitagabend in der Bayernhalle nicht umhin, das Thema anzusprechen. „Solche Fehlgriffe von einzelnen Abgeordneten gehen überhaupt nicht“, betonte der Vize-Landrat. „Ich bin beschämt und kann nur den Kopf schütteln, aus dieser Krise heraus Geld zu machen, in solch’ einer Situation, das ist unmöglich.“

Rapp bekam von den 98 Vertretern der Ortsverbände im Landkreis Beifall für seinen Beitrag. Und erhielt auch deren Vertrauen. Denn im Anschluss an seine Rede standen Wahlen an bei der Kreis-CSU: Rapp stellte sich erneut zur Verfügung – und 95 Prozent sahen in ihm den richtigen Vertreter in dieser Zeit.

CSU-Kreisvorsitz: Garmisch-Partenkirchen will offenbar nicht

Seit exakt 20 Jahren liegt das Zepter bei den Christsozialen nun in Murnauer Hand. Zunächst hatte 2001 Harald Kühn den Vorsitz übernommen, 2013 folgte der frühere Gymnasiallehrer Rapp. „Wir beharren nicht auf dieser Konstellation“, hatte der Murnauer im Vorfeld der Sitzung im Tagblatt-Gespräch noch betont. Bei Online-Konferenzen war durchaus die Rede davon gewesen, die Führung wieder in Richtung Süden zu vergeben. Nach Garmisch-Partenkirchen. „Das ist schließlich der größte Ortsverband“, erinnerte Rapp. Doch: Die CSU im Kreisort winkte ab. Bürgermeisterin Elisabeth Koch stand nicht zur Verfügung. Und so bleibt Toni Neidlinger der letzte Kreisfürst der Garmisch-Partenkirchner CSU, der 2001 abdankte.

Bleibt im Amt: Kreischef Dr. Michael Rapp.

Rapp musste keine Konkurrenz fürchten. Niemand hob die Hand, als Wahlleiter und Kreisgeschäftsführer Peter Bitzl nach einem weiteren Kandidaten fragte. Ein wenig kurios fiel das Wahlergebnis von Rapp dann aber doch aus. 14 Stimmzettel musste der Wahlvorstand für ungültig erklären. Nicht, weil einige Anwesende Rapp nicht haben wollten, die Betroffenen hatten Probleme, den richtigen Zettel zu wählen. Sie kritzelten andere Namen durch, schrieben Rapp drauf. „Der Wahlvorstand hat entschieden, sie für ungültig zu erklären, wir wollen uns da nichts nachsagen lassen“, erläuterte Bitzl. Und 95 Prozent waren es auch immer noch für Rapp.

Alexander Dobrindt sendet Videobotschaft nach Garmisch-Partenkirchen

Der Abend, der eine intensive Vorarbeit in Corona-Zeiten erfordert hatte, stand insgesamt sehr im Fokus der Wahlen. „Wenn nicht die Bundeswahlkreis-Konferenz bevorstehen würde, hätten wir diesen Termin auch abgesagt“, verdeutlichte Bitzl. Doch es mussten eben jene bestimmt werden, die am 27. März möglicherweise im Peißenberger Eisstadion Alexander Dobrindt erneut zum Kandidaten des Wahlkreises ernennen, der aus den beiden Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau besteht.

Dobrindt selbst fehlte an diesem Abend – und dennoch war er präsent: Er richtete eine Videobotschaft an seine Parteikollegen. Der Peißenberger schwor sie ein, warnte jedoch offen vor einer Bundestagswahl, „die nicht ganz leicht wird, das zeigt sich jetzt“. Zudem richtete er den Blick auf wichtige Themen wie die Verkehrsentlastung, versprach mit Hochdruck auf die Realisierung der Tunnel zu drängen, verwies auf weitere Investitionen in die Bundeswehrstandorte.

Michael Rapp geht auf Corona-Pandemie ein

Rapp ging auf die Nöte und Probleme in der Corona-Pandemie ein. „Jede Geduld hat ihre Grenzen, das ist mir klar“, betonte er. „Aber wir können nichts anderes tun, als auf die Entscheidungen zu warten. In dieser Pandemie läuft es nicht so, wie wenn ich etwas auf Amazon bestelle, dass es am nächsten Tag da ist.“ Der alte und neue Kreisvorsitzende beglückwünschte die Bürgermeister Christian Hornsteiner und Andreas Rödl zu ihren Wahlsiegen, ebenso Rathauschefin Elisabeth Koch. Für den Kreis kündigte er unter dem neuen Fraktionschef Peter Imminger ein weiterhin „konstruktives Mitgestalten“ an.

Hinsichtlich der Wahl im Herbst stimmte er die Kreisvertreter schon mal auf einen anderen Wahlkampf ein. „Unsere Stammtische, die stets gut funktioniert haben, werden wir schon wieder haben, allerdings dann zum Streamen“, merkte Rapp an. Es soll auch Clips für die Internet-Auftritte geben. Bei den Plakaten wird die Flut an kleinen Formaten verschwinden, die CSU will eher auf großflächige Motive bauen.

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