Prominentes Trio bei der Entscheidung über eine Bewerbung Garmisch-Partenkirchens: (v.l.) Eishockey-Präsident Franz Reindl mit Dr. Franz Steinle und Peter Fischer.
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Prominenter Unterstützer: (v.l.) Eishockey-Präsident Franz Reindl mit DSV-Präsident Dr. Franz Steinle und OK-Chef Peter Fischer.

Der Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat sagt „Ja“ zu einer erneuten Bewerbung

Das Ziel: eine beispielhafte Ski-WM im Jahr 2027

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Nach dem positiven Votum für eine weitere Bewerbung wollen Bürgermeisterin Elisabeth Koch und Bewerbungschef Peter Fischer auch die Skeptiker mitnehmen.

Garmisch-Partenkirchen – Elisabeth Koch (CSU) hatte sich den ganzen Abend zurückgehalten. „Bewusst“, wie sie nach der Beschlussfassung betonte. Ihre Haltung als Befürworterin einer neuerlichen WM ist bekannt. Sie wollte sich nicht einmischen in den Gedankenaustausch der Gemeinderäte, die sich vor dem Votum rund zwei Stunden mit Argumenten pro und contra (siehe unten) befeuert hatten. Mit dem Resultat, dass sich letztlich die große Mehrheit für eine Bewerbung für 2027 aussprach. 23:6 lautete das Abstimmungsergebnis – fälschlicherweise hatten wir aktuell 22:7 vermeldet. Koch nun meldete sich erst nach dieser Abstimmung – mit einem Appell: „Ich bitte darum, dass diejenigen, die ihre Stimme nicht gegeben haben, sich reinhängen, dass diese Bewerbung beispielhaft wird, denn das habe ich mir persönlich als Bürgermeisterin auf die Fahnen geschrieben.“ Sie sei der festen Überzeugung, dass es dem Bewerbungsteam gelinge, „eine WM auf die Beine zu stellen, die beispielhaft auch für andere Orte wird“.

Peter Fischer verfolgt die rege Diskussion mit teilweise harscher Krtik sehr ruhig

Nach außen hin ruhig hatte auch Peter Fischer die Debatte verfolgt. Der lokale Chef des Bewerbungskomitees und Vorsitzende des Skiclub Garmisch wie auch des Weltcup-OK mischte sich nicht in die Wortbeiträge aus den beiden Lagern ein. Verzog das eine oder andere Mal das Gesicht, nahm die teilweise harsche Kritik der WM-Gegner hin, ohne zu widersprechen oder richtigzustellen. „Ich bedanke mich für die faire Diskussion“, leitete er seine Schlussworte ein. Der oftmals unnahbar wirkende Weltcup-Frontmann verstand sich in dieser Stunde als Vermittler. An „die Skeptiker“ richtete er ein paar aufmunternde Worte. „Das ist ihr demokratisches Recht, aber: Binden Sie sich ein, damit wir es gemeinsam schaffen, den Zuschlag für diese WM zu bekommen!“ Mit einem Bild schloss er: „Wir alle sind Garmisch-Partenkirchen, nicht nur die, die für eine WM sind, sondern auch die dagegen sind.“

Die Gegner hatten sich schon im Vorfeld der Sitzung am Richard-Strauss-Platz in Szene gesetzt. Eine Gruppe gemischt aus Vertretern der Grünen und des Bund Naturschutz demonstrierte mit Plakaten gegen die Ski-WM. An der Spitze Grünen-Landtagsabgeordneter Andreas Krahl, dazu Kreisrätin Christl Freier, Ortsverbandssprecher Philipp Golka, aber auch die lokalen BN-Größen Axel Doering und Dr. Andreas Keller. Ihr Leitspruch: „Tourismus für morgen statt Schnee von gestern.“

Gegner einer neuerlichen Bewerbung: die Vertreter der Grünen und des Bund Naturschutz mit Andreas Krahl (3.v.l.) und Axel Doering (4.v.l.) an der Spitze.

Auch Anton Hofers markiger Appell an die Kollegen ändert nichts mehr am Ergebnis

An der Grundstimmung des Gemeinderates änderte das nichts mehr. Anton Hofer (Ga-Pa miteinander) überraschte das nicht. „Ich weiß, Ihr werdet sagen, der Hofer kann noch eine halbe Stunde reden, und das ändert nichts.“ Aber er wollte es zumindest versucht haben und konfrontierte die Kollegen einmal mehr mit der Anschuldigung, sich vom Gruppen- oder Fraktionszwang leiten zu lassen. Worte, die für Empörung in der CSU-Fraktion sorgten. Und Mike Bräu auf den Plan riefen. Der Pistenchef beim Weltcup spielte den Ball zurück. „Seids doch dafür, vielleicht so einer wie der Braun Peppi, der wechselt ja gerne einmal.“ Eine Anspielung auf dessen politischen Wechsel von den Freien Wählern hin zu den Grünen. Es blieb die einzige echte Spitze an diesem frühen Abend im Kongresshaus.

Als überraschend oder eher sogar unverständlich darf das Votum von Lilian Edenhofer eingestuft werden. Denn die derzeit fraktionslose Vertreterin der Freien Wähler stimmte tatsächlich gegen die WM-Bewerbung – und das als Vorsitzende des BLSV-Sportkreises Garmisch-Partenkirchen, also quasi als Chefin des regionalen Dachverbands der Sportvereine in der Region.

Duell mit Crans-Montana steht bevor - Steinle: „Brauchen eine gute Bewerbung“

Die große Mehrheit von 22 Gemeinderäten plus Bürgermeisterin Koch stimmte für das Duell mit Crans-Montana (Schweiz), das nun bevorsteht. „Wir rechnen derzeit damit, dass es bei einem Mitbewerber bleibt“, hatte Ski-Verbandspräsident Dr. Franz Steinle eingangs betont. Ein starker freilich. Auch das verhehlten die Verantwortlichen nicht. Steinle: „Wir brauchen eine gute Bewerbung.“

Fürsprecher für die WM: DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier.

Die könne Garmisch-Partenkirchen gemeinsam mit dem SC Garmisch und dem Deutschen Skiverband (DSV) bieten. Daran ließ Sportvorstand Wolfgang Maier keinen Zweifel. „Die Kandahar ist eine der besten Abfahrten weltweit.“ Bei der Bewerbung für 2025 war die Idee geboren worden, für mehr Nachhaltigkeit auf ein Ziel am Kreuzeck zu gehen, die Vision eines Zielstadions entstand. „Aber wenn es der Wunsch der Gemeinde ist, dann sehen wir davon ab. Für den Sport ist das kein Problem“, führte Maier aus. Laut dem langjährigen Funktionär auch für den Weltverband FIS nicht, dessen Council (16er-Vorstand, Anm.d.Red.) im Mai 2022 über den WM-Ort entscheiden wird. Die Abkehr vom Gudiberg als Slalomhang hatte vielmehr mediale Gründe. „Die TV-Stationen wollten ihre Technik nicht an zwei Standorten aufbauen.“ Aber auch da habe der Fortschritt die Situation verändert. Final versicherte Maier den Gemeinderäten, dass „wir keine Nachteile im Voting bei der FIS haben werden, wenn wir die Bewerbung so präsentieren, wie die Entscheider das wünschen“.

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