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Sie haben viel Neues dazugelernt: die Teilnehmer des Trainings. 

Was tun bei Aggression und Gewalt?

Deeskalations-Schulung am Klinikum Garmisch-Partenkirchen  

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Am Krankenbett Ruhe bewahren - auch in stressigen Situationen. Darum geht es bei einem speziellen Kurs im Kliniku,

Garmisch-Partenkirchen – Was tun, wenn ein Patient aggressiv reagiert, schreit oder sogar um sich schlägt? Antworten auf diese Fragen gaben Monika Haas und Angelika Baader jetzt bei einer Deeskalationsschulung im Klinikum Garmisch-Partenirchen. „Wir möchten mit unserem Training den Mitarbeitern ein Werkzeug an die Hand geben“, erklärt Haas, die als Fachkrankenschwester in der Notfallpflege und stellvertretende Bereichsleitung tätig ist.  „Wenn Patienten gewalttätig reagieren, ist es für unsere Mitarbeiter oft sehr schwer, eine angemessene und schützende Reaktion zu finden“, erklärt Baader, Fachkrankenschwester für Intensiv- und Anästhesie, die Intention dieses Angebotes für die Belegschaft im Klinikum.

Um dieses Wissen zu vermitteln, haben die beiden Krankenschwestern eine Ausbildung zur Deeskalations-Trainerin absolviert. Zuvor hatten Befragungen bei Mitarbeitern einen Anstieg aggressiver Verhaltensweisen von Seiten der Patienten offen gelegt – diese Entwicklung ist übrigens nicht spezifisch für den Klinik-Bereich, sondern Teil der allgemeinen, gesellschaftlichen Veränderung hin zu mehr Gewalt- und Aggressionsbereitschaft. Das Klinikum reagierte vor sieben Jahren und erarbeitete als eine der ersten somatischen Kliniken im Landkreis ein umfangreiches Konzept zur Gewaltprävention. Neben baulich-technischen Veränderungen und der Etablierung eines Meldesystems werden seither im Rahmen eines professionellen Deeskalationsmanagements externe Kurse angeboten.

In verschiedenen Stufen nach dem so genannten „ProDeMa-Modell“ lernen die Mitarbeiter, wie sie mit Worten und mit angemessenen Handlungen (hierzu gehören Lösungsgriffe, die nicht verletzen) eine aggressions-geladene Situation entschärfen können. Dabei wird berücksichtigt, dass jeder Klinikaufenthalt für die Betroffenen eine Belastung bedeutet. Hinter den so genannten Primär-Emotionen wie Wut, Ärger und aggressivem Verhalten versteckten sich, verdeutlicht Baader, häufig Ängste, Hilflosigkeit, Überforderung und innere Not. Wenn das alles an die Oberfläche gelangt und der Patient sich verstanden fühlt, „ist das meiste schon erreicht“. Es gelte in den Schulungen, aggressionsauslösende Reize zu erkennen, sie zu reflektieren und somit zu minimieren. Auch die Wertschätzung der Patienten sei immens wichtig und eine eigene Abgrenzung. „Je weniger man persönlich nimmt, desto besser“, empfiehlt Haas.

Die Mitarbeiter würden lernen, „Missverständnisse in der Kommunikation und eigene Sichtweisen und Interpretationen zu hinterfragen. Denn gerade in Grenzsituationen gibt es oft zu wenig Puffer“. Mit Video-gestützten Situationstrainings können die Teilnehmer die neuen Inhalte dann praktisch einüben. „Für mich ist dieses Training sehr wichtig, denn hier lerne ich Maßnahmen im Umgang mit meinen kleinen, aggressiven Patienten“, meint die Kinderkrankenschwester Andrea Psychogias. Und ihre Kollegin Jessica Neuner (25) von der Akut-Pädiatrie weiß nun, „wie wichtig es ist, richtig und angemessen mit den Patienten zu kommunizieren.“ Ein wichtiger Bereich der Schulungen ist zudem die kollegiale Nachsorge. Wenn es doch zu belastenden Vorfällen kommt, lernen die Mitarbeiter, ihre betroffenen Kollegen zu unterstützen.

Die Einheiten bestehen aus dreitägigen Basisseminaren, zusätzlichen Auffrischungen („Refreshings“) und Konfliktkursen. Schon die Teilnehmer in der eigenen Gesundheits- und Krankenpflegeschule lernen die Deeskalations-Methoden, um sie als spätere Berufsanfänger rechtzeitig für das Thema zu sensibilisieren.

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