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Biber-Plage in Garmisch-Partenkirchen: 18 Tiere schon getötet - Höchste Quote in ganz Bayern

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Von: Katharina Brumbauer

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Das Werk eines Bibers: Dieses Foto entstand heuer im April in der Nähe von Oberau.
Das Werk eines Bibers: Dieses Foto entstand heuer im April in der Nähe von Oberau. © Landratsamt

Etwa 550 Biber leben derzeit in Garmisch-Partenkirchen. Wegen der hohen Population gibt es in dem Landkreis bayernweit die meisten Entnahmen.

Landkreis – Sie erobern nach und nach die letzten freien Plätze an den Gewässern des Landkreises. An der Loisach zwischen Eschenlohe und Oberau. Weiter flussaufwärts rund um Grainau. An der Ammer zwischen Altenau und Unterammergau. Überall dort sind Biber fleißig am Werk, nagen die Rinde von Bäumen ab, bauen aus den geschälten Hölzern, Zweigen und Ästen Dämme und Burgen.

Viele Biber im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Fallen zur Tötung der Tiere erlaubt

„Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gibt es eine sehr hohe Biberpopulation“, betonte Landrat Anton Speer (Freie Wähler) erneut. Besonders häufig sind Biber seit Jahren rund um den Staffelsee zu finden. Die Anzahl der Nager blieb dort in den letzten Jahren aber ziemlich konstant. Der Grund: An mehreren Stellen am Südufer ist es seit 2018 erlaubt, Fallen zur Tötung der Tiere aufzustellen. Speer legt offen: Der Landkreis hat eine der höchsten Entnahmezahlen in ganz Bayern. Im Jahr 2021 sind 36 Biber entnommen worden, heuer waren es bislang 18.

Der Landrat unterstreicht auch, dass der Biber zu den streng geschützten Arten zählt. „Dennoch sind Entnahmen dort möglich, wo Gefahr in Verzug ist.“ Sensible Bereiche sind etwa die Umgebung von Hochwasserschutzanlagen oder Rad- und Wanderwege, wo es gefährlich werden kann, wenn ein spitzer, abgenagter Baumast abbricht und auf den Weg fällt.

Das größte Problem aber stellen überschwemmte landwirtschaftlich genutzte Wiesen dar, von denen das Wasser nicht abfließen kann. Allerdings gibt es für die Bauern hier „in verschiedenen Fällen Möglichkeiten zur Entschädigung“, erklärt Landratsamtssprecher Stephan Scharf.

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Weiter verweist er auf Zäune und Baumschutz als wirksame Vorrichtungen. So haben etwa die Sportler vom Golfclub Garmisch-Partenkirchen die Bäume auf ihrer Anlage in Oberau umzäunt. Auch auf dem Platz waren Biber aktiv. Auf den Feldern hingegen wird „oft mit Dammentfernungen vor der Mahd, Dammdrainagen oder wiederholter Störung der Biber gearbeitet“, sagt Scharf.

Trockenheit wegen Klimawandel: Biberdämme könnten hier künftig hilfreich sein

Genau diese Störung der Biber trägt dazu bei, dass die Tiere in neue Bereiche ziehen. Junge Biber suchen sich jedes Jahr im Landkreis aber auch deswegen neue Reviere, weil sie im Alter von zwei Jahren ihre Eltern verlassen. „Diese noch ziemlich unerfahrenen Tiere halten sich oft in Lagen auf, die nicht sehr geeignet sind für eine ganze Biberfamilie“, erklärt Scharf. Sie werden zum Beispiel in landwirtschaftlichen Gräben, Fischweihern Bootshäusern oder Schachten von Entwässerungsrohren gesehen. Wird ein freies, geeignetes Plätzchen gefunden, paaren sich die Biber und bauen eine neue Burg. Etwa 150 von diesen gibt es derzeit im Landkreis, diese bewohnen 550 Biber.

Keineswegs behaust eine Familie immer nur eine Burg. Am Südufer des Staffelsees haben Wildkameras Biber-Männchen an bis zu drei verschiedenen Burgen eingefangen. „Das macht die Population am Staffelsee interessant zu beobachten“, sagt Scharf. Mit den wiederholten Entnahmen habe man die Reproduktion der Tiere dort unter Kontrolle gebracht. „Davon haben sich die Familien derzeit erholt“, erklärt Scharf.

Letztendlich müsse der Mensch schauen, wie er sich mit dem Biber arrangieren kann, betont der Kreisbehördensprecher. Und er deutet an, dass der Nager, wenn sich so einer heißer, regenarmer Sommer wie dieser wiederholt, dazu beitragen kann, den Pflanzanbau auf den Feldern zu schützen. „Es ist denkbar, dass mit einer zunehmenden Trockenheit aufgrund des Klimawandels die Biberdämme in den nächsten Jahren dabei helfen könnten, während der Sommermonate einen ausreichend hohen Grundwasserstand zu erhalten.“

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