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Ihre Waffen sind Worte: Auf große Plakate schreiben die Schüler gehaltvolle Aussagen, wie hier (v.l.) Amelie Kufner, Sandro Thiele und Oliver Kühle. 

1500 bis 2500 Teilnehmer werden erwartet

Demo für den Klimaschutz: Schüler gehen auf die Straße

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Sie setzen sich für ihre Zukunft und die der nächsten Generationen ein: Schüler aus dem Landkreis demonstrieren in Garmisch-Partenkirchen. 1500 bis 2500 Teilnehmer werden erwartet.

Garmisch-Partenkirchen – Die Jugend steht auf. Protestiert, für die eigene Zukunft. Übt Druck aus, auf die Politik. So wie die schwedische Aktivistin Greta Thunberg, die seit August 2018 jeden Freitag dem Unterricht fernbleibt, um auf klimapolitische Missstände aufmerksam zu machen. Und doch anders. Die Schüler aus dem Landkreis fahren ihren eigenen Kurs. Welchen? Haben sie erst nicht verraten. Jetzt lüften sie das Geheimnis.

Die Buben und Mädchen organisieren eine Demonstration. Am Freitag, 8. Februar, treffen sich die Teilnehmer um 12.45 Uhr im Pausenhof des Werdenfels-Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen. Von dort aus ziehen sie um 13 Uhr – unter Begleitschutz der Polizei – über die Bahnhof- und Chamonixstraße zum Richard-Strauss-Platz. Ausgerüstet mit Plakaten, die sie gestern Nachmittag bastelten, und mit Stoffbeuteln. „Wir sammeln auf dem Weg Müll ein“, sagt Sandro Thiele (17), neben Amelie Kufner (16) und Oliver Kühle (17) einer der drei Veranstalter und Versammlungsleiter. Ein erstes Zeichen, das die Teilnehmer setzen wollen. 1500 bis 2500 Personen sind beim Landratsamt angemeldet worden. „So etwas Großes haben wir noch nie gemacht“, betont der Grainauer und fügt hinzu. „Das ist keine Schulveranstaltung.“ Nein, die Jugendlichen des Werdenfels-, des Ettaler Benediktiner- und des Murnauer Staffelsee-Gymnasiums sowie von St. Irmengard (Gymnasium, Real- und Fachoberschule) ziehen ihr eigenes Ding durch. Die Schulleitungen haben ihnen dabei Unterstützung zugesichert

Ursprünglich wollten zahlreiche Schüler vergangenen Freitag München ansteuern, sich an der Bewegung „Fridays for Future“ beteiligen. Für die Direktoren wegen der Unterrichtspflicht eine rechtlich heikle Angelegenheit. Offiziell erlauben durften sie es nicht. Stattdessen gab es aufklärende Gespräche und eine gemeinsame Suche nach Alternativen für den Protest. Sei es durch Projekte oder eine öffentlichkeitswirksame Aktion. „Im Schulforum wurde heiß diskutiert“, erzählt Thiele, der wie seine zwei federführenden Mitstreiter die Q11 des Werdenfels-Gymnasiums besucht.

„Wenn jeder einen Millimeter seiner Komfortzone verlässt, kann man schon was bewegen.“

Die Argumentation der Pädagogen leuchtete ein. Diese befürchteten, eine Aktion während des Unterrichts würde deren Ernsthaftigkeit konterkarieren. Den Vorwurf von Erwachsenen, nur Mathe, Deutsch und Co. schwänzen zu wollen, das möchten sich die Schüler nicht gefallen lassen. Deshalb setzten sie die Demo in ihrer Freizeit, nach der sechsten Stunde an. Um zu zeigen, wie ernst es ihnen mit dem Klimaschutz ist. Von der Wirkung ganz abgesehen: „Wenn man sich im Landkreis auflehnt“, sagt der Garmisch-Partenkirchner Kühle, „bekommt man mehr Reichweite, als wenn man mit 100 Schülern nach München fährt.“ Und quasi in der Menge tausender Demonstranten untergeht.

Zwei Ziele werden am Freitag verfolgt: Zum einen „wollen wir die Politik erreichen“, betont Thiele. Die Kernthemen sind eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad sowie eine frühere Abschaffung der Kohleindustrie. Letzteres ist bisher bis 2038 vorgesehen. „19 Jahre“, meint der 17-Jährige, „das kann nicht sein.“ Zum anderen hoffen die Organisatoren – alle Schülersprecher aus den beteiligten Einrichtungen sind im Boot und tragen ihren Teil bei –, Schüler und Eltern zum Nachdenken anzuregen. Darüber, wie sie sich in Sachen Umwelt- und Klimaschutz verantwortungsvoller verhalten können. „Wir wollen die Augen öffnen“, stellt die Oberauerin Kufner klar. Jeder soll sich an der eigenen Nase packen, schließlich könne man nicht alles auf die Politik und die Regierung schieben. Thiele hat selbst schon damit angefangen. Er lässt die Heizung nicht mehr toujours laufen, zieht Stecker aus der Dose und achtet beim Mittagessen darauf, auf plastikverpackte Produkte zu verzichten. „Wenn jeder einen Millimeter seiner Komfortzone verlässt“, betont er. „kann man schon was bewegen.“

Klimaschutzmanager bietet seine Unterstützung an

Die Vorbereitungen sind in vollem Gang. Alle ziehen an einem Strang. Auch von der Zugspitz-Realschule werden Teilnehmer erwartet. Thiele und Co. stecken ihre ganze Energie rein. Deshalb schwingt ein bisschen Aufregung mit. Er selbst wird einer der Redner bei den gegen 13.30 Uhr startenden Kundgebungen am Richard-Strauss-Platz sein. Wie auch andere Schüler und der „wichtigste Part“: Florian Diepold-Erl. Der Klimaschutzmanager im Landkreis hat „uns im Anschluss ins Landratsamt eingeladen, um weitere mögliche Schritte zu besprechen“. Ob Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) ans Mikro tritt, müssen sie noch klären.

Thiele, Kufner und Kühle sind zuversichtlich, dass die Demo ein Erfolg wird. Sie hoffen, dass viele Schüler kommen und die Medien berichten. Um mit der Aktion im besten Fall in anderen Landkreisen eine Kettenreaktion auszulösen.

Die Demonstration

Die Teilnehmer versammeln sich am Freitag, 8. Februar, um 12.45 Uhr im Pausenhof des Werdenfels-Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen. Weiterer Ablauf: 13 Uhr Marsch zum Richard-Strauss-Platz; 13.30 Uhr Beginn der Kundgebungen; Ende gegen 14.30 Uhr.

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