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Politik des offenen Hauses: Jeder kann zusehen, wenn Martin Lacey junior vom Circus Krone seine Löwen trainiert.

Sprecherin wehrt sich: „Wir lieben unsere Tiere“

Vorwurf der Tierquälerei: Demo gegen Circus Krone angemeldet

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Die einen begeistern die Kunststücke von Löwen, Elefanten und Pferden. Andere sehen darin Tierquälerei. Das Gastspiel des Circus Krone in Garmisch-Partenkirchen ruft beide Seiten auf den Plan. Demonstranten und Zirkusfans. Und die Organisatoren selbst.

Garmisch-Partenkirchen – Dr. Susanne Matzenauist auf sie vorbereitet. Auf die Tierschützer, die gegen den Circus Krone auf die Straße gehen. Doch – sie unterbricht. Mit Tierschützern haben viele in ihren Augen nichts zu tun. Tierschützer retten in ihrer Definition Hundewelpen und päppeln Vögel mit kaputtem Flügel auf. Die Aktionsgruppen aber bezeichnet sie als Tierrechtler. Die sich generell gegen Tiere in menschlicher Obhut aussprechen und sich dabei auf Wildtiere stürzen. Eine regelrechte „Hetzjagd gegen den Zirkus“, erlebt die Sprecherin in diesem Jahr.

Vereinzelte Demonstrationen kennt sie aus jeder Spielzeit. Zwischen April und November tourt Europas größter fahrender Zirkus durch Deutschland, baut an rund 30 Standorten sein Zelt auf. An drei oder vier Orten, sagt Matzenau, werde jedes Jahr demonstriert. In diesem Jahr aber habe das „eine neue Dimension erreicht“. Aktivisten und Initiativen wie Peta, nach eigener Aussage Deutschlands größte Tierrechtsorganisation, würden sich online organisieren, damit überall Zirkusgegner auftauchen. „Sie wollen uns das Leben schwer machen.“ Und auf ihr Anliegen aufmerksam machen.

Kernbotschaft der Gegner: Leid der Tiere stoppen

Auch in Garmisch-Partenkirchen werden Peta und Co. aktiv. Vor der Premiere am Mittwoch verschicken sie Pressemitteilungen. Die Kernbotschaft: Man müsse das Leid der Tiere stoppen. Diese Ansicht vertritt auch Dorothee Sührig, Sprecherin des Grünen-Kreisverbandes Garmisch-Partenkirchen. Mit Parteifreund Andreas Krahl aus Seehausen und Regina Bartsch aus Garmisch-Partenkirchen hat die Murnauerin für Samstag, 27. Mai, unter dem Titel „Tiere gehören nicht in den Zirkus!“ eine Demonstration in der Nähe des Zirkuszeltes am Hausberg angemeldet. Dabei sehen sie sich sehr wohl als Tierschützer.

Tiere im Allgemeinen, besonders aber Wildtiere, werden in ihren Augen in einem Zirkus nicht artgerecht gehalten. „Das Einstudieren der Kunststücke für die Manege ist für sie immer mindestens mit Stress, in den meisten Fällen mit großem Leid verbunden“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Sührig ist überzeugt, dass jeder, der für das Thema sensibilisiert wird, die Methoden ablehnt. „Die Tiere leiden entsetzlich für die Unterhaltung der Besucher.“ Bartsch bekräftigt: „Wenn Kinder wüssten, was mit den Tieren passiert, würden sie auf den Zirkusbesuch verzichten.“

Tiere würden in der Wildnis nicht überleben

Die Zuschauer hat auch Matzenau im Blick. Schließlich wolle jeder mit einem „guten Gewissen“ die Vorführungen genießen. Und das, betont die Zirkussprecherin, können sie. „Wir lieben unsere Tiere. Und so behandeln wir sie auch.“ Traurig findet sie, dass sie dies betonen muss. „Wir leben mit den Tieren, wissen, was sie brauchen.“ In ihren Augen ist das nicht die viel zitierte freie Wildbahn. Schließlich arbeite der Zirkus nicht mit Elefanten und Löwen, die mit dem Lasso eingefangen wurden. Seit zwölf Generationen stammen etwa die Löwen aus England, aus der Zucht der Familie Lacey. Martin Lacey junior arbeitet als Dompteur beim Circus Krone. Die Löwen seien mit Menschen aufgewachsen, betont Matzenau. Mit Wildtieren hätten sie nichts zu tun. In der Serengeti würden sie wohl nicht lange überleben. Ohnehin erreichten die Tiere im Circus Krone ein deutlich höheres Alter als in der Wildnis.

Viele Diskussionen hat Matzenau mit Tierschützern und -rechtlern geführt. Es sei wichtig, mit dem Thema offen umzugehen. Seit Jahren fährt der Zirkus daher die Strategie des offenen Hauses. An jedem Standort können Interessierte ab 10 Uhr hinter die Kulissen blicken. Sie sehen, wie die Tiere gefüttert, geputzt und trainiert werden. Am Premierentag in Garmisch-Partenkirchen ist der Zutritt zwischen 10 und 13 Uhr kostenlos.

„Machen Sie sich ein Bild“

Oft kommen an diesem Tag auch die Kontrolleure des Veterinäramts, die sich davon überzeugen, dass die Tiere gut behandelt und nicht gequält werden. Etwa mit Elefantenhaken, die Aktivisten immer wieder kritisieren. Diese mitzuführen, sei Vorschrift, sagt Matzenau, „Das heißt nicht, dass man sie benutzt.“ Alle, die den Zirkus und den Umgang mit den Tieren kritisieren, lädt die Sprecherin ein. „Machen Sie sich ein Bild.“

Das werden Sührig, Krahl und Bartsch tun. Sie wollen protestieren, informieren, diskutieren. Dabei hoffen sie auf mindestens 100 Unterstützer. Tierschützer, die gegen Tiere im Zirkus demonstrieren.

Demo, Vorstellung und Zoo

Am Mittwoch, 24. Mai, feiert Circus Krone Premiere in Garmisch-Partenkirchen. Die Vorstellungen am Hausberg-Parkplatz beginnen werktags um 15.30 und 20 Uhr, am Sonntag um 11 und 15 Uhr. Am 29. Mai entfällt der Abendtermin. Am Premierentag ist der Krone-Zoo kostenlos von 10 bis 13 Uhr geöffnet. An allen weiteren Tagen bis 20 Uhr. Zirkusgegner treffen sich am Samstag, 27. Mai. Um 14 Uhr beginnt die Demonstration unter dem Motto „Tiere gehören nicht in den Zirkus“ in der Nähe des Zeltes. Der genaue Ort wird noch bekannt gegeben.

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