Man(n) trägt Maske: Statt eines Maschkeraumzugs findet eine Demo statt.
+
Man(n) trägt Maske: Statt eines Maschkeraumzugs findet eine Demo statt - sie wurde ins Skisstadion verlegt

Protestaktion in Garmisch-Partenkirchen

Demonstration gegen Maschkera-Verbot ins Olympia-Skistadion verlegt

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
    schließen

Die Gegner des Maschkera-Verbots im Landkreis machen mobil. Zwei junge Garmisch-Partenkirchnerinnen pochen auch in Pandemiezeiten auf Tradition und Brauchtum. Am Sonntag trifft man sich im Olympia-Skistadion.

  • Maschkera-Gehen ist verboten in der Corona-Pandemie. Das hat das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen klargestellt.
  • Zwei Garmisch-Partenkirchnerinnen wehren sich dagegen und organisieren eine Demonstration.
  • Die Demonstration steigt am Sonntag im Olympia-Skistadion ab 14 Uhr

Update 30. Januar: Die Litanei der Auflagen, sie ist lang und orientiert sich vor allem an der bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung und verlangt punktgenau deren Umsetzung. Bei der Demonstration, die sich gegen das Verbot des Maschkeragehens wendet, muss vor allem der Abstand eingehalten werden und eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden. „Eine FFP2-Maske ist nicht nötig“, sagt Stephan Scharf, der Sprecher des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen. Mit Sabine Neff und Marie-Theres Korber, den beiden Initiatorinnen der Protestveranstaltung, einigten sich Vertreter der Kreisbehörde, der Polizei, des Ordnungsamts des Marktes Garmisch-Partenkirchen, vertreten war auch Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU), darauf, die Demo, die in der Garmischer Fußgängerzone und am Richard-Strauss-Platz geplant war, zu verlegen. Sie findet nun an diesem Sonntag von 14 bis 15.30 Uhr im Olympia-Skistadion statt. „Da es sich um eine nicht bewegliche Veranstaltung handelt, erschien uns dieser Ort geeigneter“, sagt Scharf. Erlaubt seien Faschingsverkleidung, das Tragen von Holzlarven allerdings nicht. Weder Neff noch Korber, die Scharf zufolge weiter von 200 Teilnehmern ausgehen, waren für eine Stellungnahme zu erreichen.

Im Umgang mit den Maschkera hatte Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Koch häufiger „Fingerspitzengefühl“ angemahnt. Die Möglichkeit dazu erkennt das Landratsamt nicht – ohne Koch explizit zu erwähnen. Man sieht sich sogar genötigt, per Pressemitteilung Stellung zu beziehen und darauf hinzuweisen, dass das Verbot keine Entscheidung der Kreisbehörde ist. „Wir wenden lediglich das für den gesamten Freistaat Bayern geltende Recht an“, lässt Sprecher Scharf wissen. Insofern habe das Landratsamt auch keine Möglichkeit, bezüglich des Maschkeragehens besonderes Fingerspitzengefühl zu zeigen und von den geltenden rechtlichen Vorgaben abzuweichen.

Scharf macht deutlich, dass sich der Landkreis zu Kultur und Brauchtum bekennt und dass viel für den Erhalt geleistet wird. „Dafür gebührt Lob und Anerkennung.“ Die Pandemie erfordere es jedoch, Einschränkungen und Verbote zu erlassen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu begrenzen „und unser Gesundheitssystem zu entlasten“. Ihm ist klar, dass nicht alle Einschränkungen und Verbote für jeden nachvollziehbar sind. „Manchem mögen sie auch ungerecht erscheinen.“ Ganz entscheidend zur Bewältigung der Corona-Pandemie sei es jedoch, dass jeder verantwortlich handelt, „nicht nur für sich, sondern auch für seinen Mitmenschen“.

Erstmeldung, 27. Januar: Der Brauch besteht seit mehreren hundert Jahren. Er ist Teil der DNA des Werdenfelser Lands – wie die Tracht oder die Zugspitze. „Er gehört zu unserer Tradition“, sagt Sabine Neff (24). Sie will, dass sie erhalten bleibt – auch in Corona-Zeiten. Das Maschkeragehen, das den Männern vorbehalten ist, ist wegen der Pandemie und der daraus resultierenden Bayerischen Infektionsschutzverordnung 2021 verboten. „Das Haus darf nur aus triftigen Gründen verlassen werden“, erklärt Stephan Scharf, der Sprecher des Landratsamts. Das Verkleiden mit großen Holzlarven, um den Winter auszutreiben, gehört nicht dazu. Deshalb müssen sie und das dazugehörige Gwand heuer im Schrank bleiben.

Brauchtum bewahren

Neff, geborene Garmisch-Partenkirchnerin, die zum Brauchtum steht und es bewahren möchte, kann das nicht nachvollziehen. Nach reiflicher Überlegung ist sie zusammen mit Marie-Theres Korber zum Schluss gekommen, dagegen einen Protest zu organisieren. „Wir haben großen Zuspruch erhalten“, sagt sie. In gewissen Whats App-Gruppen werden sie ob ihres Einsatzes gefeiert. Bei der Kreisbehörde haben Neff und Korber eine Demonstration unter dem Titel „Brauchtumserhalt“ mit 200 Teilnehmern angezeigt.

Das Landratsamt hat den Marsch, der, wenn es nach Neff geht, am Sonntag, 31. Januar, zwischen 14 und 16 Uhr in der Garmischer Fußgängerzone – als Versammlungsort ist der Richard-Strauss-Platz geplant – stattfinden soll, noch nicht abschließend genehmigt. „Das Kooperationsgespräch fehlt“, sagt Scharf. Dabei soll der Ablauf besprochen werden. Ob telefonisch oder von Angesicht zu Angesicht steht noch nicht fest. „Auf jeden Fall coronakonform“, sagt Scharf. Neben Neff nehmen daran Vertreter des Landratsamts, der Polizei und des Marktes Garmisch-Partenkirchen teil. Die Behördenvertreter erklären die Vorgaben, an die sich Veranstalter und Teilnehmer zu halten haben. Neff schließt aus, „dass während der Demo Larven getragen werden dürfen. Wir werden sie allerdings mitführen. Und natürlich besteht Maskenpflicht, und die Abstandsregeln müssen eingehalten werden“.

Kontrolle über Teilnehmerzahl

Gut findet es Christian Ruf, dass Neff und Korber die Initiative ergriffen haben. Der Chef des Volkstrachtenvereins Garmisch erklärt, dass er mit „der Sache nur am Rande“ zu tun hat. „Ich bin informiert worden.“ Er findet es „schade, dass Maschkeragehen nicht stattfinden kann“. An dem Protestzug würde er sich beteiligen. Wie er erfahren hat, wird man dazu eingeladen. Das bestätigt Neff, die derzeit dabei ist, Listen abzuarbeiten und E-Mails an Personen zu schreiben, von denen sie weiß, dass sie ihre Ansicht von Tradition und Brauchtum teilen. Sie wolle Kontrolle über die Teilnehmerzahl haben und die Gewissheit, dass alle Maßnahmen eingehalten werden. „Eine Demonstration zu organisieren, ist ganz schön aufwendig“, erzählt sie im Tagblatt-Gespräch.

Für die Demonstration kann sich auch Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) erwärmen. Ihre Unterstützung macht sie allerdings davon abhängig, „was geplant ist. Derzeit weiß ich das nicht“. Grundsätzlich hätte sie von den zuständigen Behörden beim Verbot des Maschkeragehens, „das bei uns viel mit Tradition zu tun hat, mehr Fingerspitzengefühl erwartet“. Koch beklagt erneut die fehlende Verhältnismäßigkeit. Und sie übt Kritik an der Entscheidung der Kreisbehörde: „Es wäre ganz nett, wenn man ein einziges Mal in einer solchen Angelegenheit mit uns sprechen würde.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare