Kräftig angewachsen: Das Impfzentrum am Alpsitz-Wellenbad gleicht mittlerweile einem kleinen Container-Dorf.
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Kräftig angewachsen: Das Impfzentrum am Alpsitz-Wellenbad gleicht mittlerweile einem kleinen Container-Dorf.

Landkreis Garmisch-Partenkirchen liegt über bayernweitem Durchschnitt

„Insgesamt geht es eher schleppend voran“: Impfquote nähert sich 50 Prozent, doch nach wie vor fehlt Impfstoff

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen liegt über dem bayerischen Durchschnitt: Bei der Corona-Erstimpfung nähert man sich der 50-Prozent-Marke. Zufrieden aber ist man nicht.

Landkreis – Mehr als 42 000 Menschen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen haben bisher eine Erstimpfung gegen das Corona-Virus erhalten. Damit nähert man sich der 50-Prozent-Marke (exakt 48,14, Stand 10. Juni), wenn man von rund 88 000 Einwohnern ausgeht. Zieht man rund 13 000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ab, die bisher nicht im Impf-Fokus gestanden haben, wären es sogar schon rund 56 Prozent.

Nicht schlecht mit Blick auf die gesamtbayerische Quote von 44,9 Prozent. Kräftig angezogen hat zuletzt die Zahl derer, die mit der zweiten Spritze als „voll geimpft“ gelten. Dort ist die Marke 20 000 überschritten, 24,67 Prozent der Landkreis-Bevölkerung haben damit eines der zuletzt berühmten „Gs“ (Geimpft, genesen, getestet) erreicht (bayernweit 22,9 Prozent).

Impfzentren: Fokus liegt auf Zweitimpfungen - nicht ganz freiwillig

Vor allem am Impfzentrum des Landkreises in Garmisch-Partenkirchen mit der Außenstelle Murnau lag der Fokus zuletzt auf diesen Zweitimpfungen. Nicht ganz freiwillig. Denn in puncto Impfstoff wird die Einrichtung nach wie vor nicht gerade verwöhnt. Ganz im Gegenteil zu den niedergelassenen Ärzten, die aktuell eher freie Hand beim Bestellen von Wirkstoffen der verschiedenen Hersteller haben – und somit auch weiterhin Erstimpfungen anbieten können.

Zumindest eines ist derzeit klar. Die Impfzentren am Alpspitz-Wellenbad und im Murnauer Kultur- und Tagungszentrum werden bis Ende September weiter betrieben. Zuletzt waren überregional immer wieder Debatten über deren vorzeitiges Ende laut geworden. „Die Kostenübernahme bis Ende September ist beschlossen“, sagt Stephan Scharf, Sprecher der Kreisverwaltung. Das Landratsamt wird deshalb die Verträge beispielsweise mit dem Bayerischen Roten Kreuz, das den Betrieb mit seinen Kräften gewährleistet, verlängern. „Damit brauchen die Leute keine Angst zu haben, dass sie ihre ausstehenden Zeitimpfungen bei uns nicht mehr bekommen.“

Corona-Impfungen: Wegen Impfstoff-Mangel „geht es insgesamt eher schleppend voran“

Soweit die gute Nachricht aus diesem Bereich. Nicht ganz so rosig sieht es grundsätzlich mit dem Impfen im Zentrum aus. Nach wie vor herrscht große Unzufriedenheit über die Menge an Impfstoff, die die Einrichtung aus staatlichen Quellen erhält. „Momentan machen wir eigentlich nur Zweiimpfungen“, betont Scharf. „Und so geht es insgesamt eher schleppend voran.“ Dr. Alexandru Munteanu, Leitender Impfarzt, hatte zuletzt immer wieder betont, dass die Kapazitäten der Impfzentren in Garmisch-Partenkirchen und Murnau keineswegs ausgelastet seien. Dies aber rein vom Mangel an Wirkstoffen herrührt. Einen zunächst angekündigten Anstieg der Liefermenge zur Kalenderwoche 23 (ab 7. Juni) musste der Freistaat Bayern zurücknehmen. Ende Juni heißt es nun aus München.

Derzeit kommt das Impfzentrum nicht aus, sich auf die Zweiimpfungen zu konzentrieren. „Denn der Druck ist ja da“, sagt Scharf. Schließlich müssen die Erstgeimpften nach sechs Wochen mit der zweiten Spritze von Biontech versorgt werden. Andere Seren werden am Zentrum sowieso kaum noch angeboten. Immer noch gilt dort beispielsweise das Verbot des Präparats von Astrazeneca für Erstimpfungen.

Problem für Impfzentrum: Menschen melden sich zum Impfen, sind aber bereits versorgt

Ein weiteres Problem für das Impfzentrum ist die Disziplin der Impf-Kandidaten in Sachen Registrierung. Das System Bayimco weist für den Landkreis aktuell noch mehr als 8800 Menschen aus, die sich angemeldet, bisher aber noch kein Impfangebot erhalten haben. Zusätzlich gibt es rund 1800 Bürger, die eine Einladung zur Erstimpfung erhalten haben, für die es aufgrund der Impfstoff-Knappheit aber keine Termine gibt. „Telefoniert man die Menschen ab, dann stellt sich heraus, dass viele schon voll durchgeimpft sind“, moniert Scharf. Daraus ergibt sich ein unheimlicher Aufwand. „Eine Mitarbeiterin hat mir geschildert, dass sie 100 Menschen aus der Datei kontaktiert hat, die alle bereits geimpft sind.“ Jene Karteileichen erschweren die Arbeit und bremsen den Impffortschritt in der Region aus. „Es wäre sehr wichtig, dass die Menschen, die sich beim Arzt haben impfen lassen, ihren Account bei Bayimco löschen“, appelliert Scharf. So könnte die Terminvergabe sehr viel effizienter ablaufen.

Mit derartigen Problemen kämpfen die niedergelassenen Ärzte nicht. Dr. Kristina Ott, die Koordinatorin in der Corona-Pandemie, ist zufrieden mit dem Fortschritt. „Wir kriegen derzeit genug Impfstoff“, sagt die Allgemeinmedizinerin. Rund 3000 Spritzen setzen die beteiligten Praxen – noch immer sind es 65 oder gar mehr – pro Woche. „Ich schätze, dass es zwei Drittel Zweitimpfungen aktuell sind, aber das stellt sich bestimmt in jeder Praxis anders dar.“ Ott und Co. können derzeit Impfstoff von Biontech, Astrazeneca sowie Johnson & Johnson bestellen.

Auch für niedergelassene Ärzte: Terminvergabe überaus zeitraubend

Die Routinen hätten sich bei den meisten Kollegen richtig gut eingespielt. „Das Impfen ist ja nichts grundsätzlich Neues, sondern originäre Aufgabe der Hausärzte“, merkt sie an. Sehr zeitraubend sei – wie im Impfzentrum – das Terminmanagement, weil es die Mitarbeiter mit vielen Telefonkontakten sehr stark bindet. Eine Hoffnung hat Ott für die (nahe) Zukunft. „Es wäre schön, wenn die Hersteller auf Einzeldosen umstellen würden.“ Denn mit den aktuellen Einheiten brauche sie stets sieben Impfungen auf einen Schlag an einem Tag. „Und wir wollen nichts wegwerfen.“

Wie lange das Impfen gegen Corona noch andauern wird, dazu hat sie eine feste Meinung. „Ich glaube, dass das gar nicht mehr aufhören wird“, sagt die Farchanterin frei heraus. „Wir wissen ja bei Biontech jetzt schon, dass es eine Auffrischung braucht.“ Die Frequenz werde sicher weniger. Das merkt sie jetzt schon. Ott muss die Impfungen aktuell bereits proaktiv bewerben, um ihre eigenen Sprechstunden voll zu bekommen. Aber auch diese Aussage gelte sicher nicht für alle ihre Kollegen. „Das kann bei einem einzelnen Arzt anders ausschauen. Wir sind zu fünft, schaffen damit mehr Impfungen pro Woche.“ Ott spricht von zirka 100 in ihrer Garmisch-Partenkirchner Praxis. Doch: Der Andrang derer, die von sich aus zur Spritze kommen, wird kleiner. Davon muss man ausgehen.

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