Schneekanone am Gudiberg in Garmisch-Partenkirchen
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Der Skiort Garmisch-Partenkirchen setzt auf künstliche Beschneiung - wie hier am Gudiberg.

Glaubenskrieg über Beschneiung

Neue Schneekanonen für Gudiberg: Grüne haben Bedenken wegen Klimaschutz

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Der Markt Garmisch-Partenkirchen muss in neue Schneekanonen für das Gudiberg-Skigebiet investieren. Für die erste Tranche von fünf Anlagen gab der Gemeinderat grünes Licht. Aus dem Lager der Grünen wurden jedoch Bedenken laut, ob es langfristig der richtige Weg ist, in Zeiten der Klimaerwärmung auf die künstliche Beschneiung zu setzen.

  • Die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen investiert in neue Schneekanonen für den Gudiberg
  • Die Grünen haben Bedenken, ob die künstliche Beschneiung langfristig der richtige Weg ist
  • Michael Bräu verweist auf Ski-WM-Bewerbung

Garmisch-Partenkirchen – Nichts geht mehr ohne Schneekanonen: Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Skigebiete in Beschneiungsanlagen investieren – zumal der Klimawandel die als schneesicher geltende Berghöhe weiter nach oben verschiebt. Das Thema wird in den meisten Regionen, in denen der Wintertourismus eine Rolle spielt, kontrovers diskutiert. Entbrannt ist ein Glaubenskrieg: Kunstschnee-Befürworter verweisen auf die wirtschaftliche Notwendigkeit, Kritiker auf die ökologischen Nachteile.

Auch im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat flammte jüngst diese Debatte auf. Der Anlass: Eine dicke Investition in neue Schnee-Erzeuger, die am Gudiberg und Kathihang am Olympia-Skistadion zum Einsatz kommen. Geplant ist, dass der Markt bis 2023 die insgesamt 17 Geräte schrittweise durch neue ersetzt. Die bestehenden Anlagen, heißt es zur Begründung, seien in die Jahre gekommen und nicht mehr effektiv. Konkret stand jetzt der Kauf der ersten fünf Maschinen für den Slalomhang am Gudiberg an – eine Anschaffung, die das Gremium mehrheitlich beschloss. Den Zuschlag für den rund 136 000 Euro teuren Auftrag erhielt das Unternehmen Demaclenko aus Telfs.

Grüne haben Bauchschmerzen

Die Grünen scheinen in der Sache Bauchschmerzen zu haben. Bedenken äußerte in der Sitzung deren Fraktionschef Dr. Stephan Thiel – und wurde auf Tagblatt-Nachfrage konkreter. Schneekanonen seien Energie- und Wasserfresser, erklärt er. Und es stelle sich generell die Frage, ob deren Einsatz auf lange Sicht die richtige Antwort auf den Klimawandel sei. „Für meinen Begriff ist das nicht vereinbar mit dem Anspruch an den Umwelt- und Klimaschutz“, findet der Physiker. Thiel stimmte dennoch für den Erwerb der ersten fünf Schnee-Erzeuger – ein „Kompromiss“, wie er betont. Seine Gemeinderatsfraktion war in der Frage uneins. Die weiteren geplanten Käufe werde er aber nicht befürworten, kündigt Thiel an.

Die künstliche Beschneiung ist in seinen Augen allenfalls eine „Überbrückungstechnologie“. Für den Grünen-Politiker steht fest: „Wir brauchen Alternativen. Man muss sich Gedanken machen, wie der Wintertourismus der Zukunft aussieht.“ Er könnte sich beispielsweise für Garmisch-Partenkirchen vorstellen, die Wellness-Angebote und den Bereich Indoor-Sport auszubauen.

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Michael Bräu, CSU-Gemeinderat und Pistenchef der Kandahar-Skirennen, hat eine andere Sichtweise. „Wir brauchen Schneesicherheit“, betont er. Sein Argument: Ein Tourismusort wie Garmisch-Partenkirchen, der von großen Wintersport-Events lebt und sich um die Ski-WM 2025 bewirbt, braucht intakte Pisten. Und im konkreten Fall handle es sich um einen Olympia-Stützpunkt. Dafür müsse man die veraltete Beschneiungstechnik auf den neuesten Stand bringen. Aktuelle Modelle liefen bereits bei minus zwei bis minus drei Grad. Er sei dagegen, dies alles zu verteufeln. Die Investition werde kräftig von Bund und Land bezuschusst.

Schneedecke schützt die Grasnarbe

Nach Ansicht Bräus zieht der Einsatz von Schnee-Erzeugern auch aus ökologischer Sicht Vorteile nach sich. Denn eine stabile Schneedecke schütze die Grasnarbe darunter. „Wir haben fast keine Schäden mehr“, berichtet der Experte. Es sei richtig, dass es früher mehr Kälteperioden gab. Aber er glaubt nicht, dass die Winter schneefrei werden.

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