Kurz nach dem Einschlag: Dennis Gilroy und seine Crew waren unter den ersten, die das brennende Pentagon erreichten. Eine halbe Stunde später ist dieser westliche Gebäudekomplex eingestürzt.
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Kurz nach dem Einschlag: Dennis Gilroy und seine Crew waren unter den ersten, die das brennende Pentagon erreichten. Eine halbe Stunde später ist dieser westliche Gebäudekomplex eingestürzt.

Serie zum 20. Jahrestag der Terroranschläge

9/11-Anschläge: Feuerwehrmann mit bayerischen Wurzeln rettet unzählige Leben - „Er denkt jeden Tag daran“

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Der 11. September 2001 veränderte die Welt. 20 Jahren nach den Terroranschlägen in New York erzählen Menschen aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen ihre Geschichte.

Garmisch-Partenkirchen/Washington – Dennis Gilroy sieht das Flugzeug noch kommen. Etwa 25 Fuß, 7,6 Meter, rast es knapp über ihren Köpfen hinweg. Dann die Explosion. Eine gewaltige Druckwelle. Gilroy verliert für wenige Sekunden das Bewusstsein. Als er die Augen aufschlägt, sieht er seinen Kameraden blutend neben ihm, die Haut angesengt.

Daneben liegen weitere seiner Einsatzkräfte. Gilroy steht mitten im Chaos. Aus dem Pentagon steigt Qualm auf. Meterhohe Flammen züngeln gen Himmel. Der Westflügel des Verteidigungsministeriums liegt in Schutt und Asche. Menschen schreien, weinen, stöhnen inmitten von brennenden Trümmerteilen.

9/11: Feuerwehrmann mit bayerischen Wurzeln steht plötzlich mitten im Chaos

Seit 24 Jahren ist Gilroy Feuerwehrmann. Als Kommandant leitet er die Wache 161 der Feuerwehr von Fort Myer in Arlington. Am 11. September 2001 steht er mit seiner Crew um 9.37 Uhr auf einer Wiese am Hubschrauberlandeplatz in der Nähe des Pentagons und leitet eine Übung. Ironischerweise simulieren sie eine Flugzeugrettung bei einem Brand, als die von Islamisten entführte Maschine der American-Airlines ins Gebäude einschlägt.

„Er hat diesen Einsatz nie vergessen können“, sagt Ilse Brett, 80 Jahre alt, 20 Jahre später. „Noch heute denkt er jeden Tag daran.“ Brett ist Gilroys Cousine aus Garmisch-Partenkirchen. Ihre Tante Anni, Gilroys Mutter, wanderte vor Jahrzehnten aus der Marktgemeinde in die Vereinigten Staaten aus.

Feuerwehreinsatz bei 9/11: „Noch heute denkt er jeden Tag daran“

Am 11. September 2001 hätte ihr Sohn, damals 47, eigentlich nur die Übung leiten müssen, war nicht im Dienst. Doch änderte sich das um 9.37 Uhr schlagartig. Bis dahin kannte Brett ihren Cousin eher flüchtig. Doch schweißte der Angriff die Familie zusammen. Vergangenes Jahr wollte Gilroy nach Garmisch-Partenkirchen kommen. Wegen Corona nicht möglich. Im Jahr 2006 besuchte sie ihren Cousin in Arlington. An der Grabstelle für die 184 Todesopfer erzählte er ihr seine Geschichte.

Die Feuerwehr – sein Leben: Dennis Gilroy (2.v.l.) leitete die Erstversorgung an 9/11 am Pentagon ein.

Gilroy und seine Kameraden sind die ersten an der zerstörten Außenmauer. Sie müssen zu Fuß laufen. Die Explosion beschädigte den neuen Einsatzwagen. Seine Mannschaft hilft den Opfern aus dem Ersten Stockwerk des Gebäudes, obwohl die Feuerwehrmänner selbst teils schwere Verbrennungen erlitten haben.

9/11: Feuerwehrmänner mit schweren Verbrennungen helfen Opfern

Auf der Wiese vor dem Pentagon sammeln sie die Verletzten und versorgen sie. „Das Einzige, was wir zu diesem Zeitpunkt tun konnten“, erzählte er Brett später. „Die Hitze war zu enorm, wir konnten nicht näher ran.“ Mit Wasser löschen wäre sinnlos gewesen. „Wir hätten die Gefahr sogar noch erhöht“, meint der Kommandant. Schließlich befinden sich zur Tatzeit rund 16 Tonnen Kerosin aus dem Flugzeug in dem Gebäude.

Besuch am Ort des Geschehens: Ilse Brett (l.) mit ihrer Cousine Katie Gilroy vor dem Friedhof in Arlington.

Erst als eine Feuerwehrmannschaft der Flugzeugrettung den Kerosinbrand mit chemischem Schaum langsam in den Griff bekommt, können Gilroy und seine Männer in den beschädigten Teil vordringen. Auf den Fluren steigen sie über abgetrennte Gliedmaßen und Leichen, deren Köpfe durch die Explosion aufgeplatzt sind. Sie evakuieren weiter, retten Unzählige aus den Flammen.

9/11 in Washington: Feuerwehrmann rettet unzählige Leben

„Gott segne Sie“, sagte später Richard Keeville, Gebietskommandant der Virginia State Police. Zahlreiche Ehrungen haben die Männer erhalten. „Mein Cousin hat so viele Leben gerettet“, erzählt Brett stolz. Aber von den Bildern hat er sich nie mehr richtig erholt. Sie brannten sich unauslöschlich in sein Gedächtnis ein. Das merkte Brett 2006. Doch sagte er ihr an den Gräbern: „Wir lassen uns nicht unterkriegen.“

Gabrielle Maurrasse aus Farchant war während den 9/11-Anschlägen in New York. Sie erinnert sich noch genau daran: „Der Rauch war wie ein Leichentuch“.

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