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Der Mohr im Wappen bleibt - aber: Appell an Kommunen

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Von: Katharina Bromberger

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Ein Wappen mit weiß-blauen Rauten, einem Löwen und einem dunkelhäutigen Mann mit roter Krone, roten Lippen und rotem Ohrring.
Das Wappen des Landkreises Garmisch-Partenkirchen zeigt einen - umstrittenen - Mohren. Damit hat sich nun der Petitionsausschuss im Landtag befasst. © Landratsamt Garmisch-Partenkirchen

Per Petition hatte eine Frau gefordert: Der Mohr muss aus dem Wappen von Garmisch-Partenkirchen verschwinden. Damit scheiterte sie, doch fanden ihre Argumente im Landtag Gehör.

Landkreis – Der Mohr im Landkreis-Wappen kann bleiben. Das steht nach einer Entscheidung im Bayerischen Landtag fest. Nicht aber, weil die Politiker die Darstellung des dunkelhäutigen Menschen für problemlos oder gar angebracht halten. Vielmehr sind sie machtlos.

Bereits am Mittwoch hat sich der zuständige Innenausschuss der Deutschen Presseagentur (dpa) zufolge mit dem Thema befasste – überraschend schnell. Denn gegenüber dem Tagblatt hatte ein Landtagssprecher kürzlich noch erklärt, in diesem Jahr sei damit aufgrund der Fülle an Petitionen nicht mehr zu rechnen. Ihren Antrag hatte eine Frau Mitte August eingereicht. Sie forderte, der Mohr in den Wappen der Landkreise Garmisch-Partenkirchen und Freising sowie der Stadt Coburg solle verschwinden. Aus ihrer Sicht beinhaltet die Darstellung „ein falsches kolonialisiertes Bild der gesamten afrikanischen Bevölkerung“. Sie sei geeignet, neue Vorurteile entstehen zu lassen beziehungsweise bestehende zu bekräftigen.

Grünen-Politikerin Schulze: Stereotypische Darstellung ein Problem

Im Innenausschuss fanden ihre Argumente Gehör. Das Problem sei die stereotype Darstellung von Afrikanern mit dicken Lippen und großen Ohrringen, erklärte laut dpa Katharina Schulze von den Grünen. Zudem sprach sie von einer Fremdzuschreibung, „weil schwarze Menschen sich nicht selbst mit dem M-Wort bezeichnen würden“. In diesem Punkt erkennen auch Sprachforscher oftmals das Problem. Doch kommt Schulze zugleich zu dem Schluss: Der Landtag könne dagegen nichts tun. Nur die Kommunen selbst können ihr Wappen ändern. Diese Frage nach den rechtlichen Möglichkeiten und den Folgen eines Beschlusses war bis zuletzt offen gewesen.

Ausführlich hatte im Vorfeld Landrat Anton Speer (Freie Wähler) in einer schriftlichen Stellungnahme den geschichtlichen Hintergrund des Wappens dargelegt, sich klar gegen eine Änderung ausgesprochen. Denn vor dem historischen Kontext fehle jeder rassistische Bezug. Dieselbe Meinung vertrat der Landtagsabgeordnete Manfred Ländner (CSU) im Innenausschuss. In vielen Wappen, so zitiert ihn die dpa, werde ein Mensch dunkler Hautfarbe abgebildet unter Bezugnahme auf den Heiligen Mauritius – dies gilt beispielsweise auch für Mittenwald, der von der Petition nicht betroffen war. Der geschichtliche Kontext dürfe nicht vergessen werden, die Darstellung sei nicht per se rassistisch, sagte Ländner.

Innenausschuss im Landtag appelliert an Kommunen: Offener Diskurs zu umstrittenen Darstellungen

Einstimmig erklärte der Innenausschuss am Ende die Petition für erledigt. Nicht aber ohne einen Appell an die Kommunen zu richten. Sie mögen doch eine Debatte über die umstrittenen Darstellungen der Mohren in ihren Wappen führen. „Offener Diskurs kann durchaus auch ergebnisoffen sein“, sagte der Vorsitzende Martin Runge (Grüne).

Entsprechend reagiert hat bereits Garmisch-Partenkirchen, als die Debatte aufgrund der Petition erneut aufgeflammt war. Die Diskussion um die Frage, ob ein Mohr aus Hotel- und Straßennamen sowie aus Wappen verschwinden soll, nimmt der Markt zum Anlass, das Thema dem Kulturbeirat vorzulegen, um eine Einschätzung beziehungsweise eine Empfehlung zum Umgang mit dem Thema zu erhalten.

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