Bedienen wie im Science-Fiction-Film: Roboter Garmi bringt im Forschungszentrum Geriatronik beim „Tag der offenen Tür“ Essen an den Tisch. 
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Bedienen wie im Science-Fiction-Film: Roboter Garmi bringt im Forschungszentrum Geriatronik beim „Tag der offenen Tür“ Essen an den Tisch. 

Geriatronik und Longleif lassen hinter Kulissen blicken

Tag der offenen Tür im Forschungszentrum: Der Roboter-Kellner

Tag der offenen Tür im Foschungszentrum Geriatronik und Longleif zeigt, was die Zukunft bringen wird.

Garmisch-Partenkirchen – Garmi, der Service-Humanoide, rollt auf einen Tisch zu, an dem eine Person sitzt und bleibt davor stehen. „Hallo, ich bin hier, um die Bestellung aufzunehmen“, sagt er mit blecherner Stimme. „Er orientiert sich im Raum und kann jedem Objekt ausweichen“, erklärt Mario Tröbinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Munich School of Robotics and Machine Intelligence (MSRM). „Garmi hat einen mit Sensoren ausgestatteten multimodalen Roboterkopf.“ Die Sensoren liefern die Informationen über die Umgebung: Garmi kann reagieren, ist intelligent.

Aufmerksam betrachtet eine Besuchergruppe die Szene. LongLeif und das Forschungszentrum Geriatronik hatten zum „Tag der offenen Tür“ geladen. An fünf Stationen informierten sich Interessierte über den aktuellen Stand der verschiedenen Projekte und probierten robotische Assistenzsysteme aus. Zu Beginn des Rundgangs durch die beiden Institutionen zeigte Viktor Wohlmannstetter, Geschäftsführer der LongLeif GaPa, anhand eines 3D-Animationsfilms die Entwicklung des LongLeif-Campus, ein „Kernprojekt“, das auf dem Bahnhof-West-Gelände entstehen soll. Ein „Healthcare-Robotik-Zentrum“, in dem das Forschungszentrum Geriatronik untergebracht wird, ein Bildungszentrum für Gesundheitsberufe sowie ein Pflegezentrum unter der Trägerschaft der Caritas sind geplant. Dr. Stephan Thiel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der MSRM und zuständig für die Standortentwicklung, ging in einem zweiten Film auf das Forschungsgebäude ein, in dem Seminarräume und Hörsäle untergebracht werden sollen. „Ein wesentlicher Teil sind zudem Innovation und Entrepreneurship“.

Eine Zukunftsvision wäre, dass sich auf dem Areal nicht nur Menschen, sondern auch robotische Systeme bewegen“, sagt Thiel. Zum Zeitrahmen meint Wohlmannstetter, dass man sich jetzt in der Phase der Bauleitplanung befände. Im Sommer 2026 wolle man den Betrieb aufnehmen. Natürlich müsse auch die Infrastruktur mitgedacht werden, betonte Thiel. Hier seien Markt und Region gefragt mit Konzepten.

In der Musterwohnung: (v.l.) Joseph Heiß, Beate Löw-Schneyder und Markus Heberle.

Was können Robotik und Telemedizin? Dr. Abdeldjallil Naceri, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der MSRM und Dr. Günter Steinebach demonstrierten eine Untersuchung. „Wir können den Patienten aus der Ferne behandeln“, sagt Steinebach. „Ohne direkten Kontakt.“ Der Arzt lenkt den Roboterarm durch eine Steuerungskonsole aus einem Nebenraum. Beispielsweise hört er durch einen Aufsatz auf dem Roboterarm Herzgeräusche. In der Telerehabilitation wird „Mucki“ eingesetzt. Dabei handelt sich um einen mechatronischen Roboterarm für Bewegungsübungen im Bereich Arme und Schultergürtel.

Über das Projekt „SeniorenWohnen“ und „SeniorenZentrum“ an der Von-Brug-Straße berichtete Quartiersmanagerin Beate Löw-Schneyder. Es werden auf dem nördlichen Teil des Grundstücks 24 Wohnungen entstehen, davon sechs rollstuhlgeeignet. Die Apartments sind für einkommensschwache Senioren gedacht. Außerdem sind ein Wohnberechtigungsschein und ein nachweislicher Bezug zu Garmisch-Partenkirchen erforderlich. Das denkmalgeschützte alte Finanzamt wird zum Beratungszentrum rund um das Alter. Die Bau- und Sanierungsarbeiten erläuterte Joseph Heiß, der für das Zentrum zuständig ist.

 Mensch und Maschine: Wissenschaftlerin Melanie Porzenheim erklärt dem achtjährigen Leon den Roboter.

Ein besonderes Projekt ist die „Rikscha LongLeif“. Senioren, die nicht mehr so mobil sind, werden von Piloten gefahren. „Wir haben 19 aktive Piloten und bislang 70 Rundfahrten mit insgesamt rund 600 Kilometern gemacht“, sagt Löw-Schneyder. Jede Fahrt für ein oder zwei Personen dauert eine Stunde.

Damit ältere Menschen möglichst lange eigenständig zu Hause leben können, hilft die kostenfreie Wohnberatung „LongLife Living Plus“. „Manchmal gibt bereits ein zweiter Handlauf mehr Halt und Sicherheit“, sagt Projektleiter Markus Heberle . „Wir schauen, welche Barrieren vorhanden sind und wie diese beseitigt werden können.“ Mit Erfolg: 90 Prozent aller Hindernisse sind entfernt worden.

In der „Roboterfabrik“ konnten die Roboter selbst bedient werden. Auch die 13-jährige Madeleine Keßler und Mutter Heike probierten die Assistenzsysteme aus. „Ich interessiere mich sehr für Robotik“, sagt die Schülerin. Sie könne sich vorstellen, einmal ein Praktikum zu machen. An Nachwuchs mangelt es also nicht. VON ASTRID KLAMMT

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