Ein Plan für ein Bauprojekt
+
Die Situation im Süden im Bereich der langen Geraden am Gsteig.

Vorentwurf wird vorbereitet – Entlastung für Partenkirchen bei 50 Prozent

Der Weg zum Wanktunnel

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
    schließen

Farchanter Tunnel, Oberauer Tunnel, Kramertunnel, Auerbergtunnel: Sie sind fertig, werden aktuell oder sicher in den nächsten Jahren gebaut. Fehlt noch der Wanktunnel im Gesamtprojekt Verkehrsentlastung für Garmisch-Partenkirchen. Auch darum kümmern sich die Verantwortlichen. Es gibt noch viel zu tun.

Garmisch-Partenkirchen – Der Ruf ist laut nach dem Wanktunnel, und das ist verständlich. Nur mit diesem fünften Tunnel im Loisachtal wäre das Gesamtprojekt Verkehrsentlastung, in dem auch der Auerbergtunnel eine wichtige Rolle spielt, vollkommen. So sehr das allen beteiligten Stellen bewusst ist, so sehr steht fest: Bis zur Realisierung dieses letzten Bausteins ist noch viel zu tun. Alexander Dobrindts (CSU) Worte von der „maximalen Akzeptanz“ für das Projekt, um den Tunnel schnell bauen zu können, klingen da besonders nach. Doch wo steht das Vorhaben überhaupt? Wie weit ist es gediehen? Auf diese Fragen gab es beim Runden Tisch in Garmisch-Partenkirchen Antworten von Nadine Heiß vom Staatlichen Bauamt.

Die Abteilungsleiterin für den Landkreis begann ihren Exkurs mit einer Rolle rückwärts. Das Kuriosum am Wanktunnel ist, dass die Planungen für die Ortsumgehung exakt vor neun Jahren schon sehr klar ausgearbeitet waren. Im Zuge der Olympia-Bewerbung war richtig Tempo in den Prozess gekommen. „Wir hatten 2011 einen fertigen Vorentwurf“, erinnert Heiß. Doch mit dem Tag des negativen Olympia-Votums wurde das Projekt auf Eis gelegt. „Es war einfach nicht mehr absehbar, dass es zu finanzieren sein würde.“

Wanktunnel: Pläne von 2011 müssen überarbeitet werden

Der Neustart erfolgte 2016. Unter Dobrindts Regie als damaliger Bundesverkehrsminister der CSU kam der Wanktunnel wieder in den vordringlichen Bedarf. Pläne raus aus der Schublade und weiter geht’s – so leicht funktioniert das allerdings nicht. „Es hat in den Jahren nach 2011 etliche neue Verordnungen gegeben“, klärt Heiß auf. Für das Staatliche Bauamt hieß das: Sämtliche Unterlagen mussten überarbeitet werden.

Das Nordportal des möglichen Wanktunnels: Diese Variante am Partenkirchner Ortseingang braucht wenig Platz.

Dieser Prozess läuft aktuell noch. 2018 wurde das Verkehrsgutachten erneuert, obendrein fand eine komplette Neukartierung aus naturschutzfachlicher Sicht statt. 2019 begann die Überprüfung der technischen Pläne. „Jetzt sind wir in der Phase der eingehenden Voruntersuchung und Prüfung der Variantenentscheidung“, betont Heiß. Allzu viele Alternativen bei den Anschlussstellen im Norden und Süden zwischen der 3,5 Kilometer langen zweispurigen Röhre gibt es jedoch nicht. Am Partenkirchner Ortseingang wird die Variante 1 (siehe Foto) zum Tragen kommen. Im Süden wollen die Projektentwickler ohne einen Kreisverkehr auskommen, um die Gefahr von Falschfahrern zu minimieren. „Da haben wir nicht viel Spielraum aufgrund der Topografie“, sagt Heiß. Wichtiger Aspekt: „Wir wollen keinesfalls die Buckelwiesen beeinträchtigen.“

Wanktunnel: Noch sehr viele Gutachten erforderlich

Die Planung wirkt auf den ersten Blick weit fortgeschritten, doch bremst Heiß voreilige Hoffnungen ein. „Es sind noch sehr viele Gutachten erforderlich.“ Beispielsweise für den Lärm, die Immissionen oder die Tunnelbelüftung. Abgeklärt werden muss zudem die detaillierte Straßenplanung. Darunter fällt die Einrichtung der Baustellen und Verkehrsführungen in der Bauzeit. Ein zentraler Punkt ist eine dritte Bohrkampagne, die für 2021 beauftragt ist, um die Geologie nochmals genauer zu erforschen. Mit einer ausgeprägten Wasserthematik wie am Kramer rechnen die Experten beim Wank derzeit nicht.

Ist dann die Kostenschätzung erfolgt, kann der Vorentwurf Bund und Land zur Genehmigung vorgelegt werden, bevor das Planfeststellungsverfahren ansteht. Grunderwerb, Ausschreibung und Vergabe, Bauausführung sowie die Verkehrsfreigabe wären die weiteren Schritte.

Analyse von 2018: 31.000 Fahrzeuge täglich im Schnitt auf B2 in Partenkirchen

Aufgrund der Werte des Verkehrsgutachtens von 2018 gingen Heiß und Co. auf den Nutzen des Projekts ein. Laut der Analyse von 2018 fahren pro Tag im Jahresschnitt rund 31 000 Fahrzeuge über die B2 im Ortsteil Partenkirchen. Am südlichen Ortsende kommen davon 18 000 an. In Prognosen bis 2035 erhöhen sich diese Zahlen um 2000 – ohne den Wanktunnel. Laut Bauamt wird die Umfahrung im Schnitt für rund 15 000 Fahrzeuge interessant sein. Somit halbiert sich der innerörtliche Verkehr. „Er ist dann nicht weg“, betont Heiß. Und Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) fügt an: „Die B2 wird nicht zum Fußweg.“ Dennoch sei eine Reduzierung um 50 Prozent „eine erhebliche Entlastung“, stellt Dobrindt klar. „Die Marktgemeinde ist attraktiv und hat jede Menge eigenen Zielverkehr.“ Im Vergleich: Beim Kramertunnel liegt die Entlastung für den Ortsteil Garmisch bei rund 40 Prozent.

Treffen wird es allerdings die Kaltenbrunner, die mit einem höheren Verkehrsaufkommen rechnen müssen. Der Ortsteil liegt 2,5 Kilometer vom Südportal des Tunnels entfernt. Die Experten erwarten rund 2000 Fahrzeuge mehr pro Tag. Stephan Christoph vertrat die Bürger beim Termin im Rathaus, die sich in einer Initiative namens „Bürger für Kaltenbrunn“ zusammengeschlossen haben. „Wir sind von der Belastung jetzt schon weit über dem bayerischen Durchschnitt“, merkt er an. „Als Bürger Garmisch-Partenkirchens sind wir für die Tunnel, aber wir wollen künftig nicht das erste Nadelöhr in Richtung München sein.“

Erste Aktion wird in den kommenden Wochen ein Ortstermin mit allen Behörden sein, um die Situation zu erörtern. Ziel ist eine Verbesserung für die Bewohner dort – auch unabhängig vom Tunnelbau.

Auch interessant

Kommentare