Etliche Fundsachen bewahren Wilfriede Freiling und Thomas Bader im Rathaus-Keller auf. Foto: tokarski

Detektivarbeit im Fundbüro

Garmisch-Partenkirchen - Im Winter haben Mützen Hochkonjunktur, im Sommer Brillen. Sie landen im Garmisch-Partenkirchner Fundamt. Der Lagerraum quillt regelmäßig über.

Im Regal stapeln sich die braunen Umzugskisten. Jede fein säuberlich beschriftet: „Mützen, Caps, Schals, etc. ab 1.12.2011“ steht auf einer. Sie ist bereits so gut wie voll. „Mützen, die haben wir im Moment fast am meisten“, sagt Thomas Bader, Leiter des Garmisch-Partenkirchner Einwohnermeldeamts. Er kramt durch die Mützen. Sie sind nur ein kleiner Bruchteil der Fundsachen, die in einem Kellerraum des Rathauses auf ihre Besitzer warten.

Jeden Tag werden es mehr. „Allein die Mitarbeiter der Bayerischen Zugspitzbahn bringen alle ein bis zwei Wochen einen Karton mit gesammelten Werken“, erzählt Wilfriede Freiling. Sie leitet das Fundamt. Die gesammelten Werke sind Skibrillen, Handschuhe und eben viele Mützen - liegengelassen in den Bergbahnen. Auch Mitarbeiter der Gemeindewerke sind regelmäßig zu Gast im Fundamt - mit großen, blauen Säcken voller Utensilien, die sie in den Ortsbussen gefunden haben. Ebenso machen es die Diskobetreiber.

Wie viele Artikel im Laufe eines Jahres bei ihr ankommen, kann Freiling nicht sagen. „Aber es sind bestimmt allein 500 bis 600 Brillen und Schlüssel“, schätzt ihr Kollege Bader. Neben Mützen, Handschuhen, Kameras und Handys sind das die Favoriten derjenigen Dinge, die Menschen gern mal vergessen. Jeden Tag kommen zirka drei Artikel hinzu.

Im Frühjahr und Herbst wird ausgemistet. Ein halbes Jahr müssen Fundsachen aufbewahrt werden, dann werden sie versteigert. Gut erhaltene Kleidung geht an die Tafel. „Wir haben schließlich genügend Menschen im Ort, die sich solche Sachen sonst nicht leisten könnten“, meint Freiling. Schlüssel, Führerscheine und andere wichtige Dokumente lagern länger im Rathaus - bis zu eineinhalb Jahren.

Die beiden Rathaus-Mitarbeiter tun viel, um die rechtmäßigen Inhaber ausfindig zu machen. Freiling leistet Detektivarbeit. „Ich muss versuchen, einen Namen oder eine Adresse zu ermitteln“, beschreibt sie ihr Vorgehen. Bei Dokumenten ist dies relativ leicht. Die Daten gibt sie ans Meldeamt weiter - sei es an ihren Kollegen Bader gleich nebenan oder an eine Behörde irgendwo in Deutschland. Schließlich vergessen auch viele Touristen etwas in ihrem Urlaub. Schwierig wird es bei ausländischen Gästen, in vielen Ländern gibt es keine Meldepflicht. „Bei Handys schauen wir nach Einträgen wie Mama oder Papa“, fügt Bader hinzu. Die werden dann benachrichtigt, dass der Nachwuchs sein Telefon verloren hat. Wertvolle Fundsachen wie Schmuck oder Uhren sind auch auf der Internetseite des Fundamts aufgelistet. Aber immer gilt: „Der Besitzer muss beweisen, dass ihm der Gegenstand gehört“, betont Freiling. Dafür lässt sie sich schonmal die Motive auf der Kamera beschreiben oder geht mit zum Parkplatz - um zu prüfen, ob der Schlüssel auch tatsächlich zum Auto passt.

Janine Tokarski

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