Robert Kirchdorfer steht inmitten der Wankbahn-Kabinen.
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Sein Reich: Robert Kirchdorfer leitet seit 2019 den Betrieb der Wankbahn.

Fast 40 Jahre hat sie auf dem Buckel

Wankbahn noch lange kein Auslaufmodell: Millionenbetrag in Instandhaltung investiert

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Motorprobleme, vorzeitiges Saisonaus - damit musste sich die BZB zuletzt auseinandersetzen. Jetzt schnurrt die alte Dame wieder. Kommendes Jahr soll es sogar eine Neuerung geben.

Garmisch-Partenkirchen – Ein Maschinist hat eine spezielle Verbindung zu seinem Arbeitsgerät. „Er hat ein Gehör für einen Motor, er weiß genau, wie er klingt“, sagt Robert Kirchdorfer. Der Grainauer kennt sich aus im Metier. Bevor er Betriebsleiter bei der Wankbahn wurde, arbeitete er selbst in dieser Position. Darum wusste er ganz genau, dass etwas nicht stimmte, als ihn sein Kollege rief. „Der Motor macht ein komisches Geräusch“ – so lautete die Meldung. Also kamen die Fachleute in der Mittelstation zusammen. Dort sind die Hauptaggregate untergebracht. Zwei an der Zahl. Denn: „Wir können oben und unten getrennt fahren.“ Dass es tatsächlich ein Problem gibt, bewahrheitete sich schnell. Die Bahn fuhr noch – keine Frage. Nur der Motor klang anders. Fazit: das vorzeitige Saisonaus – obwohl damals noch die Allerheiligenferien anstanden.

Damit begann der eigentliche Akt: 1,5 Tonnen wiegt der Motor. Ihn aus der Mittelstation auf 1175 Metern Höhe ins Tal zu bekommen – eine Herausforderung. Mit Spezialgerät klappte dies. „Wir haben dafür selbst einen Schwerlastwagen gebaut“, sagt Kirchdorfer. Wohl dem, der unter seinen Mitarbeitern Experten für viele Fachrichtungen hat.

Wankbahn in Garmisch-Partenkirchen: Viele Reparaturen in den vergangenen Jahren

Gewartet und repariert wurde der Motor bei der Firma Redl in Murnau. „Dort hat man uns dazwischen geschoben, denn wir brauchen die Bahn unbedingt zur Revision.“ Allein 30 Stützen müssen angefahren werden. Das alles zu Fuß mit Material – undenkbar. „Wir haben heuer schon 60 Seilrollen ausgetauscht.“

1,5 Tonnen am Haken: Der Motor wird abtransportiert.

Eineinhalb Wochen musste die Bahn ohne den Antrieb auskommen. Dann kehrte er zurück. „Zwei Lager der Motorwelle waren defekt“, resümiert Kirchdorfer. Kein Drama. „Da wäre nichts Schlimmes passiert.“ Kein Absturz oder Ähnliches. „Die Bahn wäre irgendwann einfach mal stehengeblieben.“ Per Notantrieb hätten die Gäste dann vom Berg gebracht werden müssen. Kein Spaß. „Der ist sehr, sehr langsam.“

Der Stand ist kein anderer als bei der Seilbahn Zugspitze.

Robert Kirchdorfer

Da ist es Kirchdorfer schon lieber, dass der Motor wieder schnurrt. Denn die alte Dame unter den Garmisch-Partenkirchner Seilbahnen – eröffnet an neuer Stelle 1982 – hat fast 40 Jahre auf dem Buckel. Das hat man ihr in den vergangenen Jahren angesehen. Reparaturen waren nicht wenige fällig. „Das summiert sich dann schon. In den vergangenen vier Jahren haben wir einen niedrigen siebenstelligen Betrag reingesteckt“, merkt Kirchdorfer an. Viele Arbeiten an der Elektrik waren notwendig. Eine neue Steuerung musste her. Die haben die Mitarbeiter aber unter Anleitung des TÜV größtenteils selbst gebaut. „Darauf sind wir auch stolz.“ Technisch genügt die Anlage nun allen Anforderungen. „Der Stand ist kein anderer als bei der Seilbahn Zugspitze.“ Bekanntlich das Flaggschiff. Aber: Bei allem Aufwand – „wir sind noch nicht am Ende“. Der Hauptantrieb mitsamt der Bremsanlagen gehört überholt. „Wir müssen weitermachen.“

Wankbahn für Bayerische Zugspitzbahn ein Stück Identität

Trotz der vielen Baustellen – die Zugspitzbahn AG steht zur Wankbahn. „Sie ist für die BZB ein Stück Identität“, sagt Verena Altenhofen, die Sprecherin des Unternehmens. „Ein Projekt, in dem so viel Herzblut steckt.“ Das untermauert Kirchdorfer sofort. Mit seinen erst 36 Jahren arbeitet er bereits zehn Jahre am Partenkirchner Hausberg. Aber er hat im Stamm von 17 Mitarbeitern noch Kollegen, die jede Schraube, jeden Vorgang am technischen Apparat kennen. „Das ist schon besonders“, sagt er.

Dieses spezielle Betriebsklima ist bis in den Vorstand durchgedrungen. Daher gibt es keine Ambitionen, die Anlage auf die Streichliste zu setzen. „Keineswegs, sie ist für uns superwichtig“, sagt Altenhofen. Rund 100 000 Fahrgäste transportiert die Bahn jährlich auf den Sonnenberg. 85 Prozent davon im Sommer. Logisch aufgrund der Öffnungszeiten. Von Ostern bis nach den Allerheiligenferien läuft der Betrieb am Wank – im Normalfall. Dazwischen nur in den Weihnachtsferien.

Wank bei Familien beliebt

Laut Kirchdorfer hat der Wank auch einen Imagewechsel vollzogen. „Früher hat’s geheißen, das ist der Berg der alten Leit’.“ Nun nutzen immer mehr Familien das Angebot. Der große Spielplatz oben ist eine Attraktion. „Den wollen wir sogar noch ausbauen“, verrät Kirchdorfer. Dazu kommt das einfache Wandergelände. Ideal für Kinder.

Und noch eine Neuerung wird es vermutlich ab dem Frühjahr 2021 geben: zwei Rollstuhl-taugliche Kabinen. Sie stammen aus dem Nachlass der Männlichenbahn im schweizerischen Grindelwald. Diese wurde im März 2019 abgerissen. „Wir haben uns die zwei Kabinen und einen ganzen Sattelzug voller Ersatzteile gesichert.“ Für die Wankbahn ein echter Coup, denn der Hersteller existiert nicht mehr. „Jetzt haben wir ein riesiges Lager.“ Die Sonderkabinen sollen im Frühjahr dem TÜV vorgeführt werden – danach sind sie einsatzbereit. So wie die alte Dame.

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