Nutzt die Zwangspause für Sanierungsarbeiten: der Murnauer Alpenhof-Chef Christian Bär, der auch Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes ist. Foto: Mayr
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Nutzt die Zwangspause für Sanierungsarbeiten: der Murnauer Alpenhof-Chef Christian Bär, der auch Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes ist. Foto: Mayr

Schlüsselbranche im Lockdown

Hotellerie und Gastronomie: Die Corona-Sorgen werden größer

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Mit einer Mischung aus Bangen und Hoffen erlebt die Wirtschaft im Landkreis den zweiten Lockdown. Vor allem die Schlüsselbranche, die Hotellerie und Gastronomie, bekommt die Zwangspause zu spüren. Die Kurzarbeit nimmt zu – und die Befürchtung, dass Corona das Weihnachtsgeschäft vermasseln könnte.

Landkreis – Die Corona-Krise hat die Unternehmen in einen Stresstest geschickt. Ein wichtiger Gradmesser ist dabei die Kurzarbeit. Stehen in Krisenzeiten Arbeitsplätze auf dem Spiel, kann diese staatliche Hilfe als Lohnersatzleistung in Anspruch genommen werden.

Kurzarbeit nimmt zu

Die Betriebe im Landkreis Garmisch-Partenkirchen hatten sich nach dem ersten Stillstand im Frühjahr erstaunlich schnell wieder aufgerappelt, wie ein Blick in die Statistik der Arbeitsagentur Weilheim zeigt. Mussten heuer im März 179 Firmen (für insgesamt 2434 Personen) Kurzarbeitergeld beantragen, waren es im Oktober nur noch 10 (31) – eine deutliche Erholung. „Die Lage der Betriebe in unserer vom Tourismus geprägten Region hat sich nach dem Corona-Lockdown über den Sommer hinweg weitgehend stabilisiert“, bilanziert Peter Lingg, Vorsitzender des Regionalausschusses Garmisch-Partenkirchen der Industrie- und Handelskammer (IHK) und Chef der Kreissparkasse. Doch nun sind mit der zweiten Auflage der verordneten Corona-Pause all die bekannten Probleme zurückgekehrt. „Der aktuelle Lockdown ist für die Wirtschaft erneut ein harter Einschnitt und wird für eine Vielzahl von Betrieben zur Nagelprobe“, sagt Lingg.

Konkrete Zahlen liegen zwar noch nicht vor. Aber in der Arbeitsagentur rechnet man mit einem erneuten Anstieg der Anträge auf Kurzarbeitergeld – vor allem aus der Hotellerie und Gastronomie. Die Branche, die in der Urlaubsregion zwischen Staffelsee und Karwendel eine besondere Rolle einnimmt, ist von den bundesweiten Einschränkungen des öffentlichen Lebens – die Regierung erhofft sich davon, die Infektionswelle zu brechen – besonders hart getroffen. Die Betriebe mussten weitgehend schließen – vorerst bis zum 30. November.

„Fast alle, die kein To-go-Geschäft haben, sind in Kurzarbeit“, berichtet Christian Bär, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes. Die staatliche Wirtschaftshilfe, die die Einbußen abmildern soll, bringt seiner Einschätzung nach nur bedingt etwas, da sie sich auf die November-Umsätze des Vorjahres bezieht. Unternehmer, die in diesem Zeitraum zum Beispiel wegen Renovierung geschlossen hatten, schauen in die Röhre.

Unsicheres Weihnachtsgeschäft

Natürlich stehe die Gesundheit an erster Stelle, stellt der Direktor des Murnauer Nobelhotels Alpenhof klar. Aber: „Wir brauchen Planungssicherheit.“ Seine Branche müsse wissen, wann und wie es nach dem Teil-Lockdown weitergeht. Bärs Sorge ist angesichts der Überlegung in der Politik, diesen in den Dezember hinein zu verlängern, nicht ganz unbegründet. Den Hoteliers und Wirtsleuten läuft mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft, traditionell eine wichtige Einnahmequelle, die Zeit davon. Fünf bis sechs Wochen Vorlauf bräuchte man schon, berichtet Bär, um beispielsweise die nötige Ware einzukaufen und das Personal einzuteilen. Die momentane Verunsicherung macht sich schon jetzt bei den Kunden bemerkbar: „Wir verlieren täglich Buchungen.“

Ein Trost bleibt: Die Branche blickt hierzulande auf ein Bombengeschäft zurück, das ihnen der „Urlaub dahoam“-Sommer bescherte. Allerdings schmilzt das Polster schnell wieder weg, wenn sich der Winter als Katastrophensaison entpuppt.

Die IHK übt sich indessen in Optimismus. Die wirtschaftliche Erholung werde jetzt zwar eine Pause einlegen, sagt Lingg. Aber: „Gelingt es uns, mit gemeinsamer Anstrengung und Disziplin das Ansteckungsgeschehen in den Griff zu bekommen, bin ich jedoch davon überzeugt, dass der wirtschaftliche Aufholprozess im neuen Jahr wieder an Dynamik zurückgewinnt.“

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