Die Weltcup-Koordinatoren der Bergwacht: Thomas „Mulei“ Müller (l.) und sein Nachfolger Axel Miller.
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Die Weltcup-Koordinatoren der Bergwacht: Thomas „Mulei“ Müller (l.) und sein Nachfolger Axel Miller.

Die großen Fußstapfen der Bergwacht

Schluss nach zehn Jahren: Thomas „Mulei“ Müller hört als Bergwacht-Koordinator beim Weltcup auf

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Die Fußstapfen, die Thomas „Mulei“ Müller hinterlässt, sind groß. Axel Miller tritt hinein. Er übernimmt beim Ski-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen die Koordination der Bergwacht. Müller hört nach zehn Jahren auf.

Garmisch-Partenkirchen – Der Weltcup-Zirkus ist ihm vertraut – seit Jahren. Heuer kümmert sich Thomas „Mulei“ Müller von der Bergwacht-Bereitschaft Garmisch-Partenkirchen allerdings zum letzten Mal um die Organisation der Rettungskräfte. Aus familiären Gründen tritt der 52-Jährige kürzer und übergibt diese Aufgabe, die ihm sehr viel Spaß gemacht hat, an Axel Miller.

Ein bisschen Wehmut schwingt mit, wenn er das sagt. Dass er den Posten, den er zunächst fünf Jahre als Stellvertreter von Franz Dengg und seit 2012 als Chef ausgeübt hat, nun aufgibt, ruft „gemischte Gefühle“ in dem Garmisch-Partenkirchner hervor. „Es war halt doch eine lange Zeit.“ Eine, in der er viele Menschen kennenlernte und vor allem eine, in der er immer auf seine Mannschaft zählen konnte.

Das Bergwacht-Team, ein „Superhaufen“

Einen „Superhaufen“ nennt der stellvertretende Bereitschaftsleiter sein Bergwacht-Team. Mit diesem und mit den Ehrenamtlichen des SC Garmisch und den Mitarbeitern der Bayerischen Zugspitzbahn sei das Miteinander stets harmonisch gewesen. Das war für ihn ein Glück. Ein noch größeres war, „dass die ganzen Jahre wenig passiert ist“. Gerade in Hinblick auf die vielen Menschen, die auf der Strecke unterwegs sind. Rutscher, Funktionäre, Streckenposten, Fotografen, Kamerateams und Einsatzkräfte – „da herrscht ein Riesenumtrieb“.

Allein 40 Retter stehen in diesem Jahr für die Rennen an der Kandahar zur Verfügung. „Darunter sind sieben Ärzte, die an allen neuralgischen Punkten positioniert sind“, erklärt Müller. Außerdem haben er und Miller zwei Teams mit je zwei Bergwacht-Mitgliedern gebildet, die einspringen, sollte es zu krankheitsbedingten Ausfällen kommen. Entscheidend bei den Trainingsläufen und den Rennen sind für sie die kurzen Wege, um einen gestürzten Fahrer schnellstmöglich zu versorgen. Vor allem die steilen Passagen, den Trögl- und Eishang sowie die Hölle, haben sie dabei im Blick. An den Standorten ändert sich bei diesem Weltcup nichts. Wegen der Corona-Pandemie fahren Damen und Herren heuer die gleiche Strecke.

Einsatzkonzept für die Bergwacht: „In der Form einzigartig im Weltcup-Zirkus“

Ein Wechsel hätte Müller und seinen Kameraden freilich nichts ausgemacht. Sie sind allesamt weltcup-erprobt. Im Vorfeld der Alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2011 hatte Franz Dengg ein neues Einsatzkonzept für die Bergwacht erarbeitet – mit Müller als Stellvertreter. „Das ist in der Form einzigartig im Weltcup-Zirkus“, betont Müller. „Darum beneiden uns einige“, ergänzt sein Nachfolger Miller. Der 47-Jährige ist froh, dass er darauf aufbauen kann, ihm ist aber auch bewusst, in welch’ große Fußstapfen er tritt.

Um den regulären Dienst zu entlasten, hat die Bergwacht während der Renntage eine eigene Koordinationsstelle eingerichtet. Männer und Frauen von zehn umliegenden Bereitschaften unterstützen die Garmisch-Partenkirchner. Speziell bei den Rennen sind Kräfte aus Grainau, Mittenwald, Krün, Kochel und München vor Ort. Parallel dazu müssen normalerweise die Bergwacht-Standorte im Skigebiet – Zugspitze, Osterfelder, Kreuzeck und Hausberg – mit jeweils vier bis fünf Leuten besetzt sein. „Die Grundüberlegung war, dass wir auch gerüstet sein müssen, wenn während der Rennen beispielsweise ein Lawinen-Unglück passiert“, erklärt Müller.

Ganze Strecke wird überwacht: Rennläufer immer im Blick der Bergwacht

Diese Sorge entfällt – coronabedingt. Bergbahnen und Lifte fahren schließlich derzeit nur im Auftrag des Weltcups. Trotzdem haben die Einsatzkräfte genug zu tun. Lückenlos lautet für Müller das Zauberwort. Die ganze Strecke wird von seinen Kameraden überwacht, „die Rennläufer sind immer im Blick der Bergwacht“. Die Einteilung, die heuer erstmals Miller übernahm, sei stets ein Kraftakt gewesen. „Eine Jongliererei“, sagt Müller und lacht. Aber auch die ist ihm in den vergangenen zehn Jahren immer gelungen.

Künftige Einsätze an der Kandahar kann er sich vorstellen. Als Streckenposten der Bergwacht, ohne die organisatorische Verantwortung.

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