Zwei Favoriten haben die Jugendlichen unter 18: Die Grünen und die CSU liegen weit vor der Konkurrenz. grafiken: LRA
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Zwei Favoriten haben die Jugendlichen unter 18: Die Grünen und die CSU liegen weit vor der Konkurrenz.

Das sagt die Jugend zur Bundestagswahl 2021

U18-Wahl im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Die Jugend setzt auf Grün-Schwarz

  • Christian Fellner
    VonChristian Fellner
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Sie dürfen in der Realität noch nicht wählen, bei der U18-Wahl aber werden sie dennoch nach einem Votum gefragt: 964 Jugendliche im Alter zwischen 11 und 17 Jahren haben es im Landkreis getan. Die Ergebnisse sind regional zum Teil sehr unterschiedlich.

Landkreis - Am Sonntag wird’s ernst für die Über-18-Jährigen. Zumindest für diejenigen, die noch der Verlockung erliegen, selbst zur Wahlurne zu schreiten und dort ihr Votum für diese Bundestagswahl abzugeben. Den Jugendlichen ist das nicht gestattet. In Deutschland gilt weiterhin das Wahlrecht ab 18 Jahren. Erst im Mai hat der Bundestag Gesetzesentwürfe und Anträge der Grünen und FDP abgelehnt, die Bundesbürger bereits im Alter von 16 Jahren mitbestimmen zu lassen.

Der Nachwuchs also ist raus. Und dennoch: In Deutschland gibt es zwei Initiativen, die junge Menschen unter 18 zumindest nach ihrer politischen Gesinnung fragen. Die U18-Wahl, die der Deutsche Bundesjugendring mit dem Familienministerium abhält, und die Junior-Wahl, die das Kultusministerium lanciert. „Im Grunde zwei Konkurrenzveranstaltungen“, sagt Markus Kölling von der Kommunalen Jugendarbeit im Landkreis. Das eine Projekt läuft in vier Schulen in Garmisch-Partenkirchen und Murnau. Kölling organisiert hingegen gemeinsam mit dem Kreisjugendring die U18-Wahl. „Für uns ein wichtiger Baustein in der politischen Bildung“, stellt er klar. Daher läuft alles so authentisch wie möglich ab.

Fast 25 Prozent für die Grünen, CSU vier Prozent dahinter

Wie realistisch die Ergebnisse sind, wird sich am Sonntagabend zeigen. Die U18-Gruppe im Landkreis hat sich auf jeden Fall auf einen Sieg der Grünen festgelegt. 24,67 Prozent entfielen auf die Öko-Partei. Auf Platz zwei die CSU mit knappem Rückstand von nicht ganz vier Prozent. Dahinter folgt die SPD mit deutlichem Abstand und rund elf Prozent. Dass die U18 Grün wählt, ist keine Überraschung mehr. „Den Trend gab es schon in den vergangenen Jahren“, bestätigt Kölling. Lediglich 2018 bei der Landtagswahl hatte die CSU im Kreis noch 1,7 Prozent vor den Grünen gelegen.

Ist zufrieden mit dem Rücklauf an Stimmzetteln: Markus Kölling.

Dieses Wahlverhalten erstaunt den Experten für die Jugendarbeit nicht im Geringsten. „Die Tendenz geht schon länger dahin, dass junge Menschen deutlich umweltbewusster sind.“ Themen wie das Klima stünden bei ihnen im Fokus. „Dafür sind sie sensibler, weil es sie jetzt unmittelbar betrifft“, vermutet Kölling. „Dinge wie die Rente oder etwa die Vermögenssteuer, damit können sie nichts anfangen, weil sie in diesem Alter die Folgen gar nicht abschätzen können.“ Und so würde es im Landkreis wohl zu einer grün-schwarzen Koalition kommen.

Regionale Besonderheiten: Freie Wähler stark im Ammertal

Kölling beobachtet bei der Analyse der Resultate nach Talschaften aber, dass es ein starkes Nord-Süd-Gefälle gibt. Eine Tatsache, die auch in der Realität nicht ganz von der Hand zu weisen ist. „Der Murnauer Raum ist sehr grün und rot geprägt, dort haben auch die sonstigen Parteien deutlich mehr Prozente.“ Hingegen zeigt sich im Oberen Isartal ein deutlich konservativer ausgerichtetes Wählerpublikum unter den Jugendlichen. Dort landet sogar die AfD hinter dem klaren Wahlsieger CSU (29 Prozent) auf Position zwei (13).

Konservativer Landstrich: Im Isartal liegt die CSU vorne.

Als weitere regionale Besonderheit findet sich ein starkes Ergebnis der Freien Wähler im Ammertal mit 12,6 Prozent. Das dürfte am Bekanntheitsgrad der politischen Größen Anton Speer (Landrat aus Unterammergau) und Florian Streibl (Landtagsabgeordneter aus Oberammergau) liegen. Landkreisweit spielen die Freien eher eine untergeordnete Rolle und kommen nur auf 7,5 Prozent – noch hinter der Tierschutzpartei, die in allen Regionen bis aufs Isartal mit guten Ergebnissen aufwartet.

Insgesamt waren im Landkreis 4700 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren angeschrieben worden, die vom 10. bis 17. September wählen durften. 18 von 22 Gemeinden beteiligten sich an der Initiative. Nur Krün, Eschenlohe, Riegsee und Spatzenhausen blieben außen vor. Die Abstimmung lief per Briefwahl. Die Jugendlichen bekamen die Wahlunterlagen von ihrem Rathaus zugestellt. Der Rücklauf von 964 Stimmzetteln, von denen 916 gültig waren, stellt die Veranstalter durchaus zufrieden. „Bei solchen Umfragen ist man mit einem Wert von zehn Prozent normal gut gefahren“, sagt Kölling. Daher seien 19,9 Prozent Beteiligung in Ordnung.

Fauxpas beim Stimmzettel: Ryssel und Knigge fehlen

Ein kräftiger Fauxpas ist den Organisatoren bei aller Vorsicht unterlaufen. Auf dem Stimmzettel fehlten die Kandidaten Werner Knigge (Volt) und Ricard Ryssel (parteifrei). „Es tut uns leid, das war kein Vorsatz“, betont Kölling. Bei der Erstellung des Zettels ist die zweite Seite mit den Wahlvorschlägen offenbar untergegangen. „Es ist wirklich niemandem von uns aufgefallen.“ Die Lösung des Problems: Die Erststimmen für die Direktkandidaten wurden landkreisweit einfach nicht ausgewertet. „Wir hatten den Stimmzettel noch korrigiert, aber die Briefe der Gemeinden waren alle schon draußen. So hat das nicht mehr funktioniert.“

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