Zwei Männer halten vor einem Haus einen Symbolscheck.
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Freuen sich über 70.000 Euro, die Menschen und Vereinen in Not helfen: Tagblatt-Redaktionsleiter Christian Fellner (l.) und Georg Fink von der Bürgerstiftung.

Die Leser beweisen Herz

„Total erfreulich“: Tagblatt-Weihnachtsaktion hat Millionen-Marke geknackt - 70.000 Euro für Corona-Notleidende

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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70 000 Euro sind zugunsten der Tagblatt-Weihnachtsaktion eingegangen. Geld, das all denen helfen soll, die von der Corona-Krise hart getroffen wurden.

  • „Mission Million“ erfüllt: Seit 2000 hat das Tagblatt 1,03 Millionen Euro für gute Zwecke gesammelt.
  • Bürgerstiftung Mehrwert fürchtet, dass die Not im Landkreis durch Corona noch zunimmt.
  • Oft fehlt es an Kleinigkeiten: „Das tut richtig weh.“

Garmisch-Partenkirchen – Die „Mission Million“, die Christian Fellner im Dezember 2020 ausgerufen hatte, ist erfüllt. „Ganz locker sogar“, sagt der Redaktionsleiter des Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatts. 70.000 Euro sind für die aktuelle Weihnachtsaktion geflossen – 61.500 Euro von Tagblatt-Lesern, 8500 Euro hat die landkreisweit aktive Bürgerstiftung Mehrwert draufgelegt. Damit sind durch die Aktionen der Heimatzeitung seit 2000 stolze 1.029.944,97 Euro geflossen, um Not im Landkreis zu lindern und wichtige soziale Projekte zu unterstützen. Ein unglaublicher Erfolg für einen kleinen Landkreis mit gerade einmal 88.000 Einwohnern.

Das Geld dieser Weihnachtsaktion kommt Menschen und Vereinen zugute, die durch die Corona-Krise stark gebeutelt sind. Von „fürchterlichen Schicksalen“ spricht Ulrich Willburger, Vorsitzender der Bürgerstiftung. Leute, die immer gearbeitet haben, davon gut leben konnten, wurden durch die Lockdowns komplett außer Gefecht gesetzt und fürchten jetzt um ihre Existenz. „In vielen Fällen werden die Auswirkungen erst jetzt deutlich, weil das Ersparte aufgebraucht ist.“ Und plötzlich haben diese Menschen kein Geld mehr, um den Kindern warme Schuhe zu kaufen oder dringend notwendige Schul-Materialien. Oder die Mittel für die nächste Heizöl-Lieferung fehlen. Solche und andere Schicksale landen schon jetzt auf den Schreibtischen der Mehrwert-Vertreter. In enger Absprache mit der Caritas und dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) werden die Fälle geprüft. Entscheidend für den früheren Seehauser Bürgermeister ist die schnelle, unbürokratische Hilfe. Aber auch, dass die Angaben der Betroffenen verifiziert werden und gegebenenfalls die Schuldnerberatung eingeschaltet wird. „Wir wollen schließlich, dass die Menschen langfristig wieder eine Perspektive bekommen.“

Spendengelder kommen zu 100 Prozent bei den Betroffenen an

Genau das ist in Corona-Zeiten schwierig. Noch steht nicht fest, wann Geschäfte, Hotels, Restaurants und andere Betriebe wieder öffnen dürfen. Noch ist auch nicht klar, ob alle die massiven Ausfälle kompensieren konnten und überleben. „Ich fürchte, dass noch viele weitere Fälle auf uns zukommen“, sagt Willburger. Dafür sind er und seine Mitstreiter dank der Tagblatt-Leser gerüstet. „Es ist immer wieder beeindruckend, wie viele Menschen im Landkreis sich solidarisch erklären.“ Egal ob durch kleine oder große Beiträge, jeder Euro hilft und kommt zu 100 Prozent bei den Betroffenen an. „Darauf kann man zählen“, bestätigt Fellner. Das Vertrauen in die Bürgerstiftung, mit der das Tagblatt seit 2005 kooperiert, sei groß. „Deshalb funktionieren Aufrufe, wie unsere Weihnachtsaktion auch in schwierigen Zeiten“, betont der Redaktionsleiter. Die große Zahl an Einzelspendern nennt er „überwältigend“, genauso beeindruckt ist er aber von etlichen Großspendern. „Das ist ein sehr schönes Zeichen“, urteilt Fellner.

Dem kann sich Georg Fink nur anschließen. „Es ist total erfreulich, dass in der kurzen Zeit ein so hoher Betrag zusammengekommen ist“, sagt der Vorsitzende des Stiftungsrats. „Das zeigt, dass die Menschen ein Herz für die haben, denen’s nicht so gut geht.“ Auch der frühere Vorstand der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen hat festgestellt, dass die Anträge an die Bürgerstiftung zunehmen. Auch er fürchtet, dass mit zunehmender Dauer der Corona-Maßnahmen die Reserven etlicher Landkreis-Bürger schrumpfen. „Wenn man liest, wie’s oft nur an Kleinigkeiten fehlt, beispielsweise an einer warmen Jacke, dann tut das richtig weh.“ Neben den vielen Einzelschicksalen denkt er wie Willburger an die Vereine. Angesichts der Restriktionen, die bedingt durch die Pandemie bald ein Jahr dauern, konnten diese nicht wie gewohnt ihre Finanzen durch Feste und andere Veranstaltungen aufstocken. „Vielen fehlt jetzt für die Nachwuchsarbeit Geld“, bedauert der Mehrwert-Vorsitzende. Auch da soll aus den Mitteln der Weihnachtsaktion geholfen werden.

„Wir sehen, dass die Not, die auf uns zukommt, sehr groß ist“, unterstreicht Willburger. Deshalb haben er und die übrigen Mitglieder der Bürgerstiftung den Spendenbetrag gerne großzügig um 8500 Euro aufgestockt. Schon jetzt verspricht er, „dass wir uns auch dann um jeden Fall kümmern, der uns zugetragen wird, wenn der Weihnachtstopf aufgebraucht ist“.

Informationen

über die Bürgerstiftung gibt’s unter www.diebuergerstiftung.de

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