Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch.
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Mit viel Einsatz hat sich Uschi Müller seit 18 Jahren im Vorzimmer der Bürgermeister engagiert und ist mit allen sehr gut ausgekommen.

Die Perle im Vorzimmer

„Ein Fels in der Brandung“: Bürgermeister-Sekretärin Uschi Müller geht in den Ruhestand

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Drei Erste und drei Zweite Rathauschefs hat Uschi Müller in den vergangenen 18 Jahren erlebt. Ende April geht die Sekretärin der Bürgermeister in den Ruhestand. Für den hat sie viel vor. Neben ihrer Familie und ihrem Garten freut sie sich vor allem auf Auftritte mit dem Partenkirchner Bauerntheater.

  • In 18 Jahren hat Uschi Müller sechs Bürgermeister erlebt, die unterschiedlich „wie Tag und Nacht“ waren.
  • Für die Bürgermeisterinnen war die 62-Jährige „ein Fels in der Brandung“ und „ein großer Halt“.
  • Ihre Bühnen-Erfahrung hat sicher auch geholfen, um manch‘ kuriose Situation im Rathaus zu meistern.

Garmisch-Partenkirchen – „Wie Tag und Nacht“ – so beschreibt Uschi Müller, die Bürgermeister, deren Vorzimmer sie in den vergangenen 18 Jahren besetzt hat. „Das waren völlig unterschiedliche Charaktere.“ Erst Thomas Schmid, der übersprudelnde Ex-Diplomat, der zunächst für die CSU, dann fürs CSB im Rathaus saß, dann die besonnene Dr. Sigrid Meierhofer von der SPD und jetzt die leutselige Elisabeth Koch (CSU) – allein die Ersten Bürgermeister könnten nicht verschiedener sein. Dazu kommen die Zweiten: Wolfgang Bauer (CSU) sowie Daniela Bittner und Claudia Zolk (beide CSB). „Mit allen war’s ein schönes Zusammenarbeiten“, betont die 62-Jährige. Deshalb fällt es ihr nicht leicht, sich Ende April in Altersteilzeit zu verabschieden. Auch die Kollegen wird sie vermissen. Denkt sie aber an ihre Familie, vor allem die Enkelkinder, und ihren Garten, weiß sie, dass ihre Entscheidung richtig ist.

Seit 1991 arbeitet die Garmisch-Partenkirchnerin im Rathaus. Als Erfasserin in der Datenstation hat sie angefangen – ein Glücksfall. Schon länger hatte die gelernte Einzelhandelskauffrau schließlich geahnt, dass sie noch einmal etwas anderes ausprobieren will in ihrem Leben. Zumal sie bei ihrem früheren Arbeitgeber bereits gemerkt hat, wie viel Freude ihr die Büroarbeit macht. Die Chance, eine Stelle in der Gemeindeverwaltung zu ergattern, ergriff sie folglich sofort. Mit Erfolg. Knapp acht Jahre erfasste sie dort sämtliche Belege, die in einem Rathaus anfallen. Erlebte mit, wie das Computer-Zeitalter einzog. „1998 hat jede Abteilung einen PC bekommen, inzwischen hat jeder Kollege einen“, sagt sie. Daran, mal im Bürgermeister-Vorzimmer zu landen, dachte sie da noch nicht. Mit Auflösung der Datenerfassung wechselte Müller ins Steueramt, half bei der Gewerbesteuerveranlagung, unterstützte saisonbedingt das Gästemeldeamt und gab die Strafzettel der Verkehrsüberwacher ein. „Mit großer Freude“, unterstreicht sie. Das gilt für alle Stationen in ihrem Arbeitsleben. Uschi Müller hatte stets viel Spaß an dem, was sie tat.

Im ersten Anlauf hat‘s noch nicht geklappt mit dem Vorzimmer

Trotzdem „war da auch mein Ehrgeiz“, verrät sie schmunzelnd. „Ich habe nach Höherem gestrebt.“ Deshalb bewarb sie sich sofort, als 2002 eine neue Sekretärin fürs Bürgermeister-Vorzimmer gesucht wurde. Zur Erinnerung: Damals zog Schmid als Nachfolger von Toni Neidlinger (CSU) ins Rathaus ein. „Gleich hat’s nicht geklappt, aber schon 2003 haben sie mich als Vertretung geholt.“ Zwei Jahre später übernahm sie den Posten und hat sich seither mit aller Kraft dafür eingesetzt, ihre Chefs möglichst zu entlasten. Das ist ihr gelungen.

„Sie ist eine Perle, einfach perfekt“, sagt Meierhofer. „Sie war mein Fels in der Brandung.“ Zielorientiert, effizient und absolut unaufgeregt erlebte sie Müller, der sie nur das Beste und vor allem jetzt im Ruhestand schöne Stunden mit ihrer Familie wünscht. Ähnliche Worte findet Koch, die Müller seit ihrer Kindheit kennt. „Sie ist eine Seele“, sagt sie. „Und sie war mein großer Halt in diesem Jahr, immer gut gelaunt, immer zuverlässig.“

In ihrer Freizeit steht die 62-Jährige als Darstellerin des Partenkirchner Bauerntheaters auf der Bühne, wie 2015 im „Verkauften Dorf“ mit Otto Beckmann (M.) und Regine Hörmann (r.).

Viele kuriose Momente hat Müller speziell in den vergangenen 18 Jahren erlebt. „Einmal ist ein Mann reingekommen, der wollte Thomas Schmid sprechen“, erinnert sie sich. Weder er noch sein Vize waren aber da, also kniete sich der ziemlich unheimlich wirkende Besucher vor ihr hin und bat um Arbeit, Wohnung und Geld. Mit ein paar Adressen und einigen Euro versorgt, zog er schließlich von dannen – zu Müllers großer Erleichterung. „So konnte ich aber dem Bürgermeister einen unangenehmen Termin ersparen.“ Darum war sie stets bemüht. Häufig platzten Leute einfach bei ihr rein, versuchten, zu den Gemeinde-Oberhäuptern vorzudringen. Doch zunächst mussten sie sich mit Uschi Müller auseinandersetzen, die immer freundlich, aber auch bestimmt dafür sorgte, dass nicht jeder vordrang. Etwa die, die nach dem Abschuss von Problembär Bruno mit wüsten Beschimpfungen aufwarteten. Oder die, die sich mit viel Nachdruck dafür aussprachen, dass Garmisch-Partenkirchen doch ein Bordell brauche. „Da haben die Kollegen schon lachen müssen, wofür ich zuständig bin.“ Gute Nerven und ein bisschen diplomatisches Gespür halfen ihr all die Jahre beim Abwägen, wen sie vorlässt oder durchstellt und wen eben nicht.

In ihrer Freizeit spielt Uschi Müller beim Partenkirchner Bauerntheater

Möglicherweise nützte auch ihre Bühnenerfahrung bei der Arbeit im Rathaus. Neben ihrer Familie und dem Garten gilt dem Partenkirchner Bauerntheater Müllers Leidenschaft. Seit 45 Jahren gehört sie dem Ensemble an, ihre Paraderolle ist „Die pfiffige Urschl“. Mit großer Begeisterung wirkte sie aber auch bei den Freilicht-Inszenierungen im Rahmen des Kultursommers oder zum 125-Jährigen des Bauerntheaters mit. Coronabedingt finden aktuell weder Aufführungen noch Proben statt. Zu Müllers Bedauern. Das fehlt ihr. Genau wie die netten Unternehmungen mit den Kollegen. „Das letzte Jahr war einfach total anders.“ Das Faschingskranzl im Rathaus entfiel, genau wie das Eisstockschießen und der Betriebsausflug. Ereignisse, an die sie gerne zurückdenkt.

In ihr Gedächtnis eingebrannt haben sich aber auch die Olympia-Bewerbung und vor allem der G7-Gipfel. „Das waren Highlights“, versichert Müller. Nie hätte sie erwartet, dass einer ihrer Chefs mal den damaligen US-Präsidenten Barrack Obama trifft. „Ich war richtig stolz, als ich Frau Dr. Meierhofer mit ihm im Fernsehen gesehen habe.“ Auch dass Koch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Mailand fliegt, beeindruckte sie. Es sind solche Momente, aber auch ganz alltägliche Begegnungen, wie das nette Miteinander mit den anderen Vorzimmer-Damen – „wir hatten eine Zeit lang sogar einen Sekretärinnen-Stammtisch“ –, an die sie sich erinnern wird.

„Ich habe wahnsinnig gerne gearbeitet, freue mich jetzt aber auch wahnsinnig auf Zuhause“, sag Müller. Ihre Chefinnen, Koch und Zolk, übergibt sie in gute Hände. Nicole Becher hat sich schon eingearbeitet. „Ihr wünsche ich den gleichen Teamgeist, den ich erfahren durfte.“

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