Eine Frau betrachtet die Einzelteile einer Skulptur.
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Liebevoll betrachtet Bürgermeisterin Elisabeth Koch die Skiläuferin, die nach Josef Wackerles Porzellanfigur aus Majolika gefertigt wurde.

Skulptur von Josef Wackerle erinnert an Ski-WM 2011

„Ewig schade, dass sie nur rumliegt“: Skiläuferin soll endlich eine Heimat finden

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Am Anfang stand ein Brunnen, den sollte eine Majolika-Figur – eigens gefertigt nach dem Original von Professor Josef Wackerle – zieren. Damit wollte der Markt an die Ski-WM 2011 erinnern. Passiert ist seither nichts.

  • Im Ski-WM-Ort Garmisch-Partenkirchen erinnert bislang nichts an die Weltmeisterschaften.
  • Wackerle-Figur sollte ursprünglich einen Brunnen zieren.
  • Majolika-Figur liegt in drei Kisten verpackt auf dem Rathaus-Dachboden.

Garmisch-Partenkirchen – Zweimal – 1978 und 2011 – fanden Alpine Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen statt. Darauf verweist eine Siegertafel vor dem Clubhaus des SC Garmisch. Wer aber nicht zufällig durch die Fürstenstraße ins Garmischer Zentrum schlendert, findet nichts, das von diesen Großereignissen zeugt. „Wir sind ein WM-Ort, in dem nichts an die WM erinnert“, sagt SCG-Vorsitzender Peter Fischer. Gerade in Hinblick auf eine Bewerbung um die Weltmeisterschaften 2027 bedauert er das sehr.

Die Idee, einen Brunnen am Anfang der Fußgängerzone am Marienplatz zu errichten, wurde jedoch 2015 angesichts der gewaltigen Kosten verworfen. 300 000 Euro standen dafür im Raum. Zuviel für den Finanzausschuss, der dem Vorhaben eine klare Absage erteilte. Die Figur, die das Ganze zieren sollte, verstaubt derweil im Rathaus – erst im Keller, verpackt in drei Kisten, mittlerweile auf dem Dachboden.

Im August 2013 hatte sich der Bauausschuss noch unter dem damaligen Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) für besagten Brunnen ausgesprochen. Nachdem die Skiläuferin, die der Partenkirchner Bildhauer Professor Josef Wackerle 1909 für die Porzellanmanufaktur Nymphenburg geschaffen hatte, farblich umgestaltet als Siegertrophäe bei der WM diente, schien sie für dieses Vorhaben perfekt geeignet. Der Auftrag für eine 1,40 Meter große Sonderanfertigung aus Majolika wurde in der Hoffnung, Sponsoren dafür zu finden, an Nymphenburg vergeben. 25 000 Euro schoss der Markt dafür vor, der fromme Wunsch, dafür einen Gönner aufzutun, erfüllte sich derweil nicht. Somit ist weiterhin guter Rat teuer, was man mit der Skiläuferin macht.

Pure Lebenslust strahlt die Skiläuferin von Josef Wackerle aus.

„Ewig schade“ findet es Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU), „dass sie nur rumliegt“. Sie hat die Einzelteile auspacken lassen, um sich ein Bild von der Figur zu machen. Mit der feinen, 30 Zentimeter hohen Porzellanfigur kann es die Majolika nicht ganz aufnehmen. Doch auch sie vermittelt mit ihren roten Backen, dem strahlenden Lächeln und dem wehenden Rock pure Lebenslust und vor allem die reine Freude am Wintersport. Der Betrachter hört die junge Frau förmlich jauchzen.

Ideen, die Skulptur zu präsentieren, wurden allesamt verworfen

Die Ideen, sie im Werdenfels Museum, das immerhin in Wackerles Geburtshaus untergebracht ist, in der Bergstation der neuen Seilbahn Zugspitze oder im Kongresshaus zu präsentieren, wurden allesamt verworfen. „Ich nehme gerne Anregungen an“, sagt Koch. Für sie ist entscheidend, dass die Skiläuferin von möglichst vielen Menschen bewundert werden kann. „Die Skulptur verdient einen würdigen Platz.“ Sind die drei Einzelteile aber erst einmal verbunden, ist es fast unmöglich, die schwere Majolika wieder zu versetzen. Daher müsse zuerst feststehen, wo sie eine neue Heimat findet. „Das sollte sich unser Kulturbeirat einmal anschauen“, findet die Bürgermeisterin. Vielleicht komme dem eine zündende Idee.

Eine Möglichkeit wäre im Skistadion, das irgendwann neben der Ausstellung „Die Kehrseite der Medaille“ zu den Olympischen Winterspielen 1936 auch ein Wintersport-Museum beherbergen könnte. Natürlich mit einer entsprechenden Einhausung, einem bruchsicheren Glaskubus, damit der Skiläuferin nichts passiert. Ein Vorschlag, den Koch gerne aufnimmt. „Man muss aber auch den Zusammenhang mit der Ski-WM sehen.“ Dem kann sich Fischer nur anschließen. Dafür allerdings hält er das Skistadion nicht für geeignet, „das ist zu weit draußen“. Einen Platz im Zentrum, an dem viele Menschen vorbeischlendern, wünscht er sich für die Skulptur, die „sehr eindrucksvoll ist und die man keinesfalls verstecken muss“. Für ihn ist die Figur das Wahrzeichen der Ski-WM 2011 schlechthin. Deshalb hofft er, dass sie endlich einen würdigen Platz findet samt Erklärung und Verweis auf die Sieger.

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