Besorgt: der aktuelle Vorstand mit (v.l.) Siegfried Buchhauer, Elmar Behrendt, Gerhard Teschner (Schriftführer), Johanna Dahl (Kassier) und Klaus Pirker. foto: Munz

"Die Werdenfelser" plagen Nachwuchs-Sorgen

Garmisch-Partenkirchen - Nur noch 92 Mitglieder: dem Trachtenverein droht im schlimmsten Fall in einigen Jahren die Auflösung.

Am Ende könnte sogar die Existenz des Trachtenvereins „Die Werdenfelser“ auf dem Spiel stehen: Der viertältesten Vereinigung Bayerns, die am 16. Januar 1887 in Partenkirchen von neun Männern gegründet worden war, gehen die Mitglieder aus. 92 sind es noch, darunter 30 Frauen. Im schlimmsten Fall droht diesem Traditionsverein damit in einigen Jahren die Auflösung. Das wollen die Verantwortlichen unbedingt verhindern.

Es waren Forstleute, Händler und Geschäftsleute, aber auch Bauern, Handwerker und Flößer, die 1887 im Partenkirchner Gasthof „Post“ mit der Gründung des ersten Trachtenvereins in der Oberländer Vereinigung ein gemeinsames Ziel verfolgten: den Erhalt von Sitte und Brauchtum im Werdenfelser Land. Doch die „Werdenfelser“ als älterer der beiden Partenkirchner Trachtenvereine erleben zum Bedauern des Vorstands seit Jahren einen kontinuierlichen Rückgang der Mitglieder. „Viele unserer verdienten Trachtler sind mittlerweile im fortgeschrittenen Alter und es fehlt die Jugend“, schildert Vorsitzender Siegi Buchhauer die Situation. Die Gründe dafür sind vielschichtig. „Viele Kinder und Enkel unserer Trachtler leben nicht mehr im Ort, mussten etwa berufsbedingt wegziehen“, gibt Buchhauer zu bedenken, der früher den Plattlernachwuchs des Vereins betreute. Zudem ist der Verein nicht so attraktiv wie der Bruderverein „Werdenfelser Heimat“, der neben den Plattlergruppen auch über viel Trachtenjugend und den historischen „Alten Tanz“ verfügt. Dabei pflegen die beiden Nachbarn ein freundschaftliches Verhältnis.

Nun heißt es die Werbetrommel zu rühren. Vielleicht könnte ein Aspekt behilflich sein, der die „Werdenfelser“ von fast allen anderen Gemeinschaften im Trachtengau unterscheidet: „Bei uns finden auch Leute eine Heimat, die nicht hier geboren sind, aber einen Sinn für die Tracht und unsere Bräuche haben“, erklärt Buchhauer. Ein überzeugtes Interesse ist natürlich Voraussetzung, und es gibt viele Beispiele für eine gelungene Integration. Wie etwa Gerhard Teschner, der früher in Berlin lebte und heute mit seiner Lederhose und der Trachtenjoppe als Schriftführer seinen Mann steht. „Dies lassen unsere Statuten halt auch zu“, betont Vize-Chef Klaus Pirker, der für Offenheit und Seriosität wirbt.

Doch es ist fünf vor Zwölf bei den Werdenfelsern, soll der älteste Gauverein noch eine Zukunft haben. 92 Mitglieder - das ist keine Basis für die kommenden Jahre. Es müssen wieder mehr werden. Darüber herrscht Einigkeit. „Das gemeinsame Ziel und die gelebte Kameradschaft lohnt sich für eine Mitgliedschaft doch allemal“, meint Buchhauer.

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