Lehrerin aus Leidenschaft: die frühere Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer.
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Lehrerin aus Leidenschaft: die frühere Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer.

Dozentin mit politischem Kampfgeist

Bundestagswahl 2021 in Garmisch-Partenkirchen: Direktkandidaten Sigrid Meierhofer (SPD) im Porträt

  • Peter Reinbold
    VonPeter Reinbold
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Zwölf Direktkandidaten treten am 26. September bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Weilheim an, zu dem auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen gehört. Wir haben die Bewerber an ihrem Arbeitsplatz porträtiert. Heute: Sigrid Meierhofer (SPD) aus Garmisch-Partenkirchen.

Garmisch-Partenkirchen – Alles, was sie macht, wirkt professionell, nicht gekünstelt oder aufgesetzt, nur weil der Zeitungs-Reporter in einer Ecke des Klassenzimmers sitzt und sie bei jener Arbeit beobachtet, die sie mit Begeisterung ausfüllt. „Ich mache meinen Job gerne“, sagt Dr. Sigrid Meierhofer (65). Sie arbeitet seit 1993 als Teilzeit-Dozentin an der Krankenpflegeschule in Garmisch-Partenkirchen – mit sechsjähriger Unterbrechung, als sie von 2014 bis 2020 als Bürgermeisterin den Markt regierte. Locker, lässig, flockig – die Verbissenheit, die man ihr als Rathaus-Chefin andichtete, fehlt gänzlich.

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Zwölf Stunden pro Woche unterrichtet die ausgebildete Anästhesistin und Notfallmedizinerin, die demnächst das Rentenalter erreicht, in der Einrichtung, die im Gebäude der Kinderrheumaklinik untergebracht ist. Im kommenden Schuljahr werden es nur noch acht Stunden sein. Die Kollegin kehrt aus der Elternzeit zurück.

SPD-Bundestagskandidatin Sigrid Meierhofer und Alexander Dobrindt (CSU) kennen sich nur flüchtig

Möglich auch, dass sich Schulleiter Thomas Abold um einen Ersatz für Meierhofer bemühen muss. Die SPD-Frau bewirbt sich im Wahlkreis 226 (Landkreise Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau), um einen Sitz im Deutschen Bundestag. Realistisch betrachtet ein aussichtsloser Kampf. Seit 1949 gewann stets die CSU das Direktmandat, seit 2002 ist Alexander Dobrindt Platzhirsch. Einen Sitz in Berlin zu ergattern, dürfte auch an der schlechten Platzierung auf der Bayern-Liste scheitern.

Meierhofer und Dobrindt kennen sich eher flüchtig, man hat sich nicht viel zu sagen. Zuletzt trafen sie aufeinander, als im Februar 2020 der Startschuss für den Bau des Kramertunnels fiel. Von den CSU-Granden Dobrindt, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Harald Kühn (Landkreisabgeordneter) fühlte sie sich ein paar Wochen vor der Bürgermeisterwahl, die sie gegen die Christsoziale Elisabeth Koch verlor, an den Rand gedrängt.

Sigrid Meierhofer schätzt die Herausforderung

Warum sie ihre Kraft in ein Unterfangen investiert, das nur in einer Niederlage münden kann? „Ich finde, bei einer Wahl muss man eine Wahl haben.“ Sie schätzt Herausforderungen. Die Bundestagswahl ist mit Sicherheit ihre größte. Dabei hatte sie sich nach der verlorenen Kommunalwahl schon aufs politische Altenteil zurückgezogen und nur ihren Platz im Kreistag behalten. Der Ruf von Dominik Streit, der dem Vorstand der Oberbayern-SPD angehört, ereilte sie „völlig überraschend“. Sie erhörte ihn nach Diskussionen mit Ehemann und den drei Töchtern und nachdem klar war, dass sich die SPD schwertut, geeignete, vor allem junge Bewerber zu finden. Als Parteisoldatin, die macht, was von ihr verlangt wird, sieht sich Meierhofer aber nicht, „weil ich meinen eigenen Kopf habe“.

Der eigene Kopf – er ist so etwas wie ihr Markenzeichen. Schon als Schülerin stieß sie ihr CDU-geprägtes Elternhaus in Rottweil (Baden-Württemberg) mit linken Thesen vor den Kopf. „Das war sicherlich eine Art von Protest“, sagt die Frau, die sich bis heute um ihre behinderte Schwester kümmert, die sie in Kindertagen beim Lernen unterstützte und zu beschützen versuchte, als sie auf dem Spielplatz gehänselt wurde. „Da ist’s schon mal passiert, dass ich mich geprügelt habe.“

Kampf und Auseinandersetzung – ohne körperliche Gewalt – gehören zu Meierhofers politischem Markenkern. Zur Politik gebracht hat sie – indirekt – 1992 Garmisch-Partenkirchens damaliger CSU-Bürgermeister Toni Neidlinger. Meierhofer und andere Frauen, die für mehr Kindergartenplätze stritten, erhielten Audienz. In ihrer Erinnerung thronte der schwergewichtige Mann in seinem Stuhl und sagte jenen Satz, der Meierhofer veranlasste, zur SPD zu gehen: „Wir brauchen keine Kindergartenplätze. Bei uns müssen sich Frauen nicht verwirklichen.“

Wahlkampf für Bundestagwahl läuft bei Sigrid Meierhofer oft digital ab

Heute kämpft Meierhofer nicht mehr für Kindergartenplätze, heute stehen der Klimaschutz, Gesundheit, Mobilität und Wohnen auf ihrer Agenda. Damit möchte sich beim Wähler punkten. Sie spricht über die Erderwärmung und die Naturkatastrophen, die daraus resultieren und in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Berchtesgadener Land traurige Aktualität sind. Hat die SPD in der Regierung genug getan, um den Klimawandel zu stoppen? Ihre Parteifreundin, Bundesumweltministerin Svenja Schulze, habe in der zu Ende gehenden Legislaturperiode einen guten Job gemacht, sagt Meierhofer. „Zahlreiche ihrer Projekte hat die CDU/CSU ausgebremst oder verwässert.“ Ganz besonders negativ aufgefallen sind ihr dabei Kanzlerkandidat Armin Laschet und Wirtschaftsminister Peter Altmaier.

Meierhofers Wahlkampf, der oft virtuell über ihre Social-Media-Kanäle stattfand – aktiv ist sie bei Instagram (@sigrid_meierhofer), Facebook (sigrid.meierhofer) und auf der eigenen Website –, hat sich wieder mehr und mehr in den öffentlichen Raum verlagert. Sie besucht Märkte, kommt mit den Bürgern bei Infoständen ins Gespräch. Das Pfund, mit dem sie im Dialog wuchern könne, sei ihre „Glaubwürdigkeit. Die ist mein höchstes Gut“.

Man erkennt sie bei ihren Auftritten – trotz Maske. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen häufiger als in Weilheim-Schongau. Aber auch dort, so ihr Eindruck, sei ihr Bekanntheitsgrad gewachsen. Womöglich bringt ihr das am Wahltag ein paar Zehntelprozent mehr. Enrico Corongiu (Mittenwald), der vor vier Jahren für die SPD gegen Dobrindt in den Ring gestiegen war, erreichte 14,8 Prozent. Ob sie dieses Ergebnis toppen möchte? Meierhofer schüttelt den Kopf. „Ich orientiere mich nicht an Prozentzahlen.“ Das Resultat – für sie zweitrangig. Ihr Einsatz, sagt sie, gelte „den Schwachen in unserer Gesellschaft, dass keiner zurückbleibt oder hinten runterfällt. Dafür kämpft die SPD, dafür kämpfe ich“.

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