+
Motiv vom Rosenkavalier-Film von 1925: Komponist Richard Strauss (am Klavier) mit Michael Bohnen (Baron Ochs von Lerchenau).

Zurück zu den Wurzeln im Werdenfels-Gymnasium

Dr. Christian Wolf verlässt das Richard-Strauss-Institut - zumindest teilweise

  • schließen

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Dr. Christian Wolf – das des Musikwissenschaftlers, der sich Richard Strauss verschrieben hat, und das des Lehrers. Künftig bringt er beide unter einen Hut: Ab heute unterrichtet er am Werdenfels-Gymnasium und bleibt zugleich dem Strauss-Institut erhalten.

Garmisch-Partenkirchen – Er ist ein alter Bekannter. Einer, an den sich etliche Kollegen erinnern. Und einer, der sich auch 18 Jahre nach seinem Abschied noch bestens im Werdenfels-Gymnasium auskennt. Dorthin kehrt Dr. Christian Wolf heute wieder zurück – als Musiklehrer. Ein Schritt, den der 51-Jährige wohlüberlegt hat. Schließlich war er auch seit 1998 mit viel Herzblut Leiter des Richard-Strauss-Instituts. „Mein drittes Kind“, meint der Vater zweier Söhne und lacht. Die Chance, sich in Garmisch-Partenkirchen beruflich neu zu orientieren, ohne diese Leidenschaft aufzugeben, hat er nun beim Schopf gepackt.

Drei Viertel seiner Arbeitskraft gehören künftig der Schule, ein Viertel stellt er in den Dienst von Strauss. Der Gemeinderat hat dieses Konstrukt bereits abgesegnet. Die 75 Prozent, die dem Institut somit fehlen, füllt nun Michael Pfaffenzeller aus. Zumindest so lange, bis ein Nachfolger gefunden ist. „Die Nachbesetzung erfolgt in Abstimmung mit dem Kultusministerium“, betont Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Logisch, schließlich finanziert das Ministerium die Einrichtung zu 50 Prozent. Gibt’s dann den neuen Institutsleiter, soll Pfaffenzeller in die GmbH wechseln, die es noch zu gründen gilt und die ab 2018 das Richard-Strauss-Festival schultern soll. Damit wird sich der Gemeinderat Meierhofer zufolge spätestens im November befassen.

Dr. Christian Wolf kehrt zurück in den Schuldienst.

Was kompliziert klingt, haben die Verantwortlichen gut durchdacht. Und fädeln es nun zum perfekten Zeitpunkt ein. Nachdem Brigitte Fassbaender die Festival-Leitung abgegeben hat und ab kommendem Jahr Alexander Liebreich für das Programm zu Ehren des Komponisten zuständig ist, „bietet sich eine Neugestaltung an“, meint Wolf. Liebreichs Konzept erfordert mehr Personal. Schließlich bezieht es Spielorte in der Umgebung ein, wie im Rahmen der Landesausstellung das Kloster Ettal. Oder die umliegenden Berghütten und Gipfel. „Das erfordert wesentlich mehr Organisation als bisher, wo wir nur im Kongresshaus und im Eisstadion waren“, unterstreicht der gebürtige Würzburger. Somit wird Pfaffenzeller, der sich als Oberammergauer bestens in der Region auskennt, Produktionsleiter und einer der Geschäftsführer der GmbH. Als zweiter und damit als Schnittstelle zum Markt steht Wolf im Raum. In der Form „wurde es vorbesprochen, einen Beschluss gibt’s noch nicht“.

Für den Musikwissenschaftler, der zudem Schulmusik und Dirigieren studiert hat, wäre die anvisierte Konstellation perfekt. So kann er im Werdenfels-Gymnasium wieder mit jungen Leuten arbeiten und aktiv Musik machen. „Ich hab’ mich nie Vollzeit im Büro gesehen“, sagt Wolf. Genau darauf lief’s aber an der Schnitzschulstraße hinaus. Dem kehrt er nun – teilweise – den Rücken. „Zu einem Zeitpunkt, an dem das Institut wahnsinnig gut dasteht.“ Die Einrichtung sei nicht nur enorm gewachsen, sondern habe sich als Zentrum der Strauss-Pflege etabliert – national und international. Dazu kommt, dass Wolf und sein Team etliche zusätzliche Aufgaben übernommen haben. Die Abonnement-Konzertreihe und das Festival sind die größten davon. „Wir sind verwurzelt im Kulturleben des Ortes.“

Das soll auch so bleiben und durch Liebreichs Engagement vertieft werden. In die Neuausrichtung der Strauss-Reihe war Wolf stark involviert. Dieses Miteinander geht weiter, genau wie die Zusammenarbeit mit der Familie Strauss. Dass er künftig beides haben kann – unterrichten und die Arbeit im Institut sowie fürs Festival –, empfindet Wolf als absoluten Glücksfall.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weihnachten in der Brandstatt: Das wartet auf die Besucher
Das ganze Dorf zieht an einem Strang. Die Bayersoier feiern wieder „Weihnachten in der Brandstatt“. Der Erlös geht an soziale und gemeinnützige Zwecke im Ort und in der …
Weihnachten in der Brandstatt: Das wartet auf die Besucher
Azubi verscherbelt Ersatzteile seiner Firma heimlich auf Ebay
Um seiner Leidenschaft, dem Auto-Tuning, zu frönen reichte sein Lehrlingsgehalt nicht. Deshalb entwendete ein 21-Jähriger Computer-Ersatzteile und verkaufte sie bei …
Azubi verscherbelt Ersatzteile seiner Firma heimlich auf Ebay
Ettals Traumwelt entsteht ab Januar
235 043 Besuche der Bayerischen Landesausstellung gab es heuer in Coburg. Eine Zahl, die erahnen lässt, was nächstes Jahr im Landkreis los ist. Immer mehr Details zu dem …
Ettals Traumwelt entsteht ab Januar
Zitzmann-Bürgerentscheid: Initiatoren hoffen auf hohe Beteiligung
Am Sonntag, 17. Dezember, entscheiden die Garmisch-Partenkirchner, ob Spielwaren Zitzmann für die mindestens nächsten vier Jahre am Richard-Strauss-Platz bleiben darf …
Zitzmann-Bürgerentscheid: Initiatoren hoffen auf hohe Beteiligung

Kommentare